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Vorbereitung auf das Leben in der Fabrik

am Mittwoch, 08 Februar 2012. Gepostet in Identität, Erziehung, Bildung

"Indem sie in der Schule schlecht sind und 'versagen', bereiten sie sich auf das Leben vor, dass sie in der Fabrik erwartet."

Mit diesem Satz fasste eine Erziehungswissenschaftlerin das Ergebnis von Studien des Sozialforschers Paul Willis aus den 70ern zu Kindern der Arbeiterschicht in England zusammen. Er hatte darin festgestellt, dass das widerständige Verhalten dieser Kinder in der Schule einhergeht mit einer Identifikation mit der Kultur der Arbeiterschicht und einer damit korrespondierenden Auflehnung gegen den schulischen Druck zur Anpassung an die etablierte Mittelschicht. Parallel zur Überzeugung dieser Mittelschicht fremd und nicht für die Schule geschaffen zu sein fand sich bei ihnen ein an der Arbeiterkultur ausgerichtetes Männlichkeitsideal und die hoffnungsvolle Aussicht in der Fortführung der Biografie ihrer Väter ebenfalls auf eigenen Füßen zu stehen und Familien gründen zu können.

Ich weiß nicht, inwieweit des verallgemeinerbar und noch aktuell ist - aber wenn ich die große Zahl der gescheiterten Schulbiografien um mich herum anschaue, dann sehe ich ihnen genau den Zusammenhang aus dem obigen Zitat: Der Glaube niemals ein Teil des Bürgertums werden zu können, ihm ewig fremd zu bleiben und von ihm verachtet zu werden, wird durch eine aktive Übernahme der Verliererrolle in Tugend verwandelt.

Die starke Identifikation mit der Außenseiterrolle, die Orientierung stiftende Anklammerung an die im Ghetto konstruierte Herkunftskultur und die Angst vor den erdrückenden Erwartungen einer anonymen und gefühlskalten Mehrheitsgesellschaft liefern die theoretische Legitimation für einen demonstrativen Rückzug in die Rolle des unangepassten Rebellen. Die Identifikation kann dabei jedoch ebenso mit jeder anderen als abseitig geltenden Subkultur erfolgen. Sie muss nur deutlich genug von der Kultur der Mittelschicht abgegrenzt oder gar gefürchtet, zugleich Selbstwert stiftend und sozialen Zusammenhalt vermittelnd sein.

Erst nachdem viel Zeit vergangen ist, erleben diese jungen Menschen, was mit ihnen in ihren jungen Jahren passiert ist, und dass sie dies nicht mehr rückgängig machen können. Eine Vergeudung an Potenzial, ein Verlust an Perspektiven und Lebensqualität, und das Gefühl doch von niemandem außer dem eigenen Ghetto geschätzt zu werden verbleibt. Die Außenstehenden können nicht einmal erahnen, welche Kraft es kostet aus diesem Zangengriff von Minderwertigkeitsgefühlen auf der einen, und dem berauschenden Zugehörigkeitsgefühl im Ghetto auf der anderen Seite herauszukommen.

Ich empfinde das Zitat als erbarmungslos, auf subtile Weise vorwurfsbeladen, und fast schon denunzierend. Es macht mich wütend, aber zugleich rührt es mich, da in ihm eine mir und vielen anderen bekannte Resignation über das mitschwingt, was ich seit Jahren als unsichtbaren Mechanismus im Leben vieler Jugendlicher beobachte. Jugendliche, die trotz verzweifelter Bemühungen von Eltern und Pädagogen und ständiger schuldbewusster Bekenntnisbekundungen dann doch dort landen, wo doch angeblich keiner von ihnen eigentlich landen will. Selbst im Studium kämpfen sie mit dem Gefühl eigentlich fehl am Platze zu sein, selbst nach dem Studium hinterfragen sie immer wieder und wieder ihre gesamte Studienzeit.

Keiner hat ihnen die Jahre über beigebracht, was es heißt, die formalen Bedingungen für einen gut bezahlten und angesehenen Beruf zu erfüllen, aber zugleich nicht über die nötigen Beziehungen, die kulturellen Ressourcen, das richtige Aussehen oder den richtigen Nachnamen zu verfügen um den Job ihrer Altersgenossen zu bekommen.

Es ist und bleibt ein Kampf für sie. Ein Kampf, vor dem sie nicht fliehen dürfen, auch wenn er sie Jahre, oder ein ganzes Leben kostet. Es ist ein Kampf, den sie kämpfen und gewinnen müssen, wenn er nicht ihre Kinder eines Tages auch heimsuchen soll. Sie müssen sich auf ein ganzes Leben der Auseinandersetzung mit Kluften in der Gesellschaft einstellen. Im Laufe der Jahre werden sie immer seltener auf der schwachen Seite stehen - aber sie sollten hiernach nicht  egoistisch werden und die andere Seite verachten, also jene Seite, von der sie kommen, die Seite mit dem gebrochenen Deutsch und den verunsichernden Gefühlsschwankungen.

Sie selbst könnten heute auch dort stehen. Ihr Erfolg ist nur zu einem Teil der eigenen Leistung geschuldet. Ein großer Teil verdankt sich den sozialen Voraussetzungen, unter denen sie in Familie und Gesellschaft gelebt und gespeist haben, und einer guten Portion glücklicher Umstände, die nicht verdient, sondern geschenkt sind.

Dieser Kampf kann und muss gewonnen werden. Und wer den Weg vorwärts gefunden hat, hat nun die Chance zu beweisen, wie ernst es ihm mit seiner Liebe zu seinen alten Ghettogenossen war. Erst wenn der Wohlstand einkehrt, und man niemanden mehr zu brauchen scheint, wird sich zeigen, welche Freundschaft und welche Solidarität authentisch war.

In Zeiten der fehlenden Orientierung wiederum sollte man sich vielleicht immer wieder selbst diese Fragen stellen: Auf welches Leben bereitest du dich vor? Welches Leben wirst du deinen Kindern schenken? Was ist deine bessere Alternative zu dieser düsteren Feststellung über die Arbeiterkinder:

"Indem sie in der Schule schlecht sind und 'versagen', bereiten sie sich auf das Leben vor, dass sie in der Fabrik erwartet."

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Gedankenflocken

am Sonntag, 05 Februar 2012. Gepostet in Allgemeines, Sinn des Lebens

Hallo liebe Leserinnen und Leser...

wenn ihr erlaubt, dann möchte ich hier gerne etwas laut denken. Was ist der Preis, den man dafür zahlt, wenn man seine Interessen verwirklichen darf? Die Aufgabe zahlreicher anderer Interessen? Es muss doch ein Mittelweg möglich sein. Ich spüre, dass ich das Schreiben sehr vermisse, und dass je weiter ich davon wegkomme, ich mir umso mehr vornehme ganz arg viel zu schreiben. Das führt schließlich dazu, dass ich gar keine Lust mehr habe überhaupt einen Text zu beginnen, da ich meine Anforderungen viel zu hoch setze - zu hoch für jemanden, der rein aus Lust und Neigung schreibt...

Ich befinde mich gerade in der glücklichen Position, dass es mir zu beruflichen Zwecken ermöglicht wurde ein weiteres Studium zu beginnen, nämlich in Erziehungswissenschaften - ja, ich bin wieder Erstsemester! Also führe ich nun parallel zu meinem Leben in den frühen Dreißigern das Leben eines Zwanzigers. Das macht mir einen Riesenspaß und ich genieße es mich gründlicher und ausführlicher mit Fragen der Psychologie und des Lernens befassen zu können, als es mir in meinem früheren Studium je möglich war. An der Uni Tübingen nutze ich derweil auch die Möglichkeit um in freien Stunden Veranstaltungen der neuen Islamischen Theologie zu besuchen. All dies bereitet mir in meinem Leben mit meiner lieben Frau, die immer für mich da ist, meiner Familie und meinen Freunden, neben meinem beruflichen Hauptamt als Lehrer und meinem Lieblingshobby als unabhängiger Forscher ein großes Vergnügen. Und doch stelle ich fest, dass das Studium mich auch die Zeit für andere wichtige Dinge kostet...

Warum kann man in diesem Leben nicht alles haben? Oder zumindest von allem ein bisschen, nämlich das Wesentliche, was einen daran fasziniert? Naja, vielleicht geht es ja doch. Nämlich mit einer guten Zeitplanung, einem Blick für das Wesentliche und einem guten Gespür für die eigenen Stärken und Schwächen.

Merke: Wer sich in einem Bereich zu hohe Maßstäbe setzt, macht dort irgendwann gar nichts mehr. So ähnlich fühle ich mich nun gerade beim Schreiben. Ich glaube, wenn ich meine Maßstäbe niedriger ansetzen würde, könnte ich wieder mehr produzieren. Mit "niedrig" meine ich hier lediglich, dass nicht jeder Blogbeitrag das Ergebnis einer gründlichen wissenschaftlichen Recherche sein muss. Ebenso muss es weder ein literarischer Genuss, eine orthographische Glanzleistung oder eine kohärente Abhandlung über das, was die Welt im Innersten zusammnhält, sein.

Das hier sollte mal eine Denkwerkstatt werden, ein laufendes Projekt zu den Fragen und Antworten in meiner eigenen Lebenswirklichkeit, ein Versuch innezuhalten und die Ordnung im Chaos herauszuarbeiten. Ich wollte hier meine Syntheseversuche zum Leben da draußen verschriftlichen, und meine Gedanken über Gott und die Welt mit meinen Lesern teilen. Dieser Blog sollte ein digitaler Notizblock werden, ein Raum des Flows, der harmonischen Rastlosigkeit - und kein druckfertiges Buch, das all vergangenen und künftigen Fragen der Menschheit behandelt und beantwortet.

Nein!

Es gibt eine Menge, das in letzter Zeit passiert ist, und das mich beschäftigt: Die Suche nach dem Higgsteilchen im CERN, die Quantentheorie der Elementarteilchen, der Atomismus in der asch'aritischen Metaphysik, Überlegungen zu den universellen und historischen Aspekten des Korans, die Frage nach Heil und Rechtfertigung, mathematische Aspekte des Korans, das Wirken Gottes in der Natur, der Status der Naturgesetze... Demokratisches und Dummes in der türkischen Politik, das "islamkritische" Manifest von Breivik, Children of the Damned von Iron Maiden... Der bevorstehende Ruhestand meines Vaters, die Babywelle, die in unserem Freundeskreis begonnen hat, die herrliche Sonne trotz saukaltem Wetter da draußen... Freunde, die bald heiraten, Kollegen, die sechzig werden, unser alter Schlagzeuger und mein Kindergartenkumpel, den ich seit Jahren mal wieder besuchen und fragen möchte, ob er noch unsere Aufnahmen aus unserer Bandzeit hat (meine habe ich vor Jahren verliehen - sie sind spurlos verschwunden)... Arabisch lernen, Ghazali und Ibn Rushd im Original lesen, noch tiefer in den Koran eindringen, in ihm aufgehen... Erinnerungen an meine Kindheit, meine Jugend... die Frage, ob ich dort in meinem Leben stehe, wo ich in diesem Alter stehen wollte... mein Vorsatz mich intensiver um mein Verhältnis zu Gott zu kümmern, in jedem Stück der Schöpfung ihn zu sehen, über das Unaussprechbare und Schöne zu meditieren... mein Vorsatz mich gesunder zu ernähren, mehr für meine Mitmenschen und miene Familie da zu sein...

Gedanken, die mein Leben bestimmen, Hoffnungen, die mich jeden Tag begleiten, die mich am Leben halten. Es ist ein schönes Leben, meinem Gott sei Dank. Ich wünsche mir mehr Dankbarkeit, mehr Bescheidenheit, mehr Gelassenheit... mehr Moment, mehr Stille, mehr Gegenwart... mehr Klarheit, mehr Überblick, mehr Einsicht... und ich merke - und das ist ein gewaltiges Gefühl - dass die Formulierung dieses Wunsches bereits der Anfang seiner Erfüllung ist... Al hamdu lillâh...

 

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Avicenna mit sechzehn Jahren

am Dienstag, 06 Dezember 2011. Gepostet in Inspirationen, Wissenschaft

Dies ist eine meiner Lieblingsstellen aus Ibn Sinas autobiografischem Bericht:

"Ich aber widmete mich dem Studium der Bücher,

der Grundtexte wie der Kommentare,

aus den Gebieten der Naturwissenschaft und Metaphysik,

und die Tore der Wissenschaft taten sich vor mir auf..."

(nach Gotthard Strohmaier: Avicenna, München 2006, S.23)

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Die neue Außenpolitik der Türkei: ohne Europa auf osmanischen Spuren? (Deutschlandradio Kultur)

am Sonntag, 27 November 2011. Gepostet in Türkei

Mein Beitrag für das Politische Feuilleton des Deutschlandradio Kultur vom 7. Dezember (hier zu hören):

Die Politiker der türkischen Regierung strotzen vor Stolz und Selbstbewusstsein. Unbeschadet der Weltwirtschaftskrise ist die Türkei zur 17.-größten Volkswirtschaft angewachsen. Und sie gilt vielen als Beleg, dass sich der Islam mit der Demokratie vereinbaren lässt.

Solchermaßen erfolgreich inspiriert sie die Revolutionäre in den arabischen Ländern - also in den Ländern, in denen der türkische Premierminister laut einer Studie der Maryland University von 2010 der beliebteste Politiker ist.

Doch nicht jeden erfreut das neue Selbstbewusstsein Ankaras. Innenpolitisch gesehen, stocken die rechtsstaatlichen Reformen des EU-Anwärters. Außenpolitisch betrachtet, leistet es sich ein historisches Zerwürfnis mit dem langjährigen Partner Israel und stellt sich im Nahostkonflikt demonstrativ an die Seite der Palästinenser und Araber.

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Ein gesegnetes Opferfest!

am Sonntag, 06 November 2011. Gepostet in Allgemeines, Islamisches Leben

Liebe Leserinnen und Leser,

heute ist der Beginn des viertägigen islamischen Opferfestes - dies möchte ich zum Anlass nehmen euch allen für das rege interesse an meinem kleinen Blog zu danken, auch wenn ich seit einigen Wochen aufgrund von Zeitknappheit keinen neuen Beitrag mehr einstellen konnte. Eine Reihe von Beiträgen ist noch in Vorbereitung und harrt einer letzten Bearbeitung.

Euch allen nunmehr besinnliche Tage und ein gesegnetes Opferfest (sofern relevant für euch)! Bis Mittwoch kann man übrigens seinen muslimischen Bekannten zu diesem Fest gratulieren, das die Opfergeschichte Abrahams aufgreift und zeitlich zum Ende der Pilgerfahrt in Mekka stattfindet.

Bayramınız mübarek olsun!

Eid mubârak!

Herzliche Grüße & Selâm,

Hakan Turan

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Steve Jobs über das Wesentliche im Leben (Standford-Rede 2005)

am Freitag, 07 Oktober 2011. Gepostet in Inspirationen, Sinn des Lebens

Weder interessiere ich mich für Apple, noch für von Medien inszenierte Hypes um prominente Persönlichkeiten. Doch nun habe ich mir, nachdem alle Welt vom kürzlich verstorbenen Apple-Begründer Steve Jobs spricht, doch noch seine im Jahr 2005 vor College-Absolventen in Standford gehaltene Rede durchgelesen - und war begeistert. Die Rede ist freilich sehr zugespitzt und idealisiert, aber eben doch auch begeisternd, weil Jobs hier aus eigener Erfahrung berichtend den Blick auf einige wesentliche Dinge im Leben herausarbeitet - dabei geht es um größere Zusammenhänge im Leben, Liebe und Tod. Und mal ehrlich: Muss man nicht manche Dinge zuspitzen, damit sie aus dem Einheitsbrei des Alltags hervorstechen und Wirkung zeigen? Es folgt eine Übersetzung der Rede von Steve Jobs in einer etwas gekürzten Übersetzung des dpa. Hier geht es zum Originaltext auf der Seite der Stanford University und hier zum Video auf Youtube. Einfach toll!

"Ich fühle mich geehrt, heute mit Ihnen bei der Abschlussfeier in einer der besten Universitäten der Welt zu sein. Ich habe nie eine Hochschule abgeschlossen. Um ehrlich zu sein, jetzt komme ich einer College-Abschlussfeier noch am nächsten. Heute möchte ich Ihnen drei Geschichten aus meinem Leben erzählen. Das ist alles. Keine große Sache. Nur drei Geschichten.

Bei der ersten geht es darüber, die Punkte zu verbinden.

Ich habe das Reed College nach sechs Monaten verlassen, und dann noch 18 Monate frei besucht, bevor ich das Studium endgültig abgebrochen habe. Warum habe ich nicht weitergemacht?

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Die Systembesessenheit der Islamisten (von Mustafa Akyol)

am Freitag, 30 September 2011. Gepostet in Islam, Türkei, Fundamentalismus

Ich habe eine aktuelle Kolumne des türkisch wie englisch publizierenden Intellektuellen Mustafa Akyol übersetzt, in der er anlässlich der von Erdoğan losgetretenen Säkularismusdebatte seine Kritik am Islamismus zusammenfasst. Ich teile Akyols Kritik, dass der Islamismus, der sich für einen islamischen Staat mit islamischem Gesetz einsetzt, nicht nur menschliche Interpretationen des Islams unzulässigerweise zu verbindlicher Religion erklärt, sondern dass er in manchen religiösen Kreisen auch zu einer Geistesstarre und Blindheit gegenüber realen Problemen geführt hat.

Mustafa Akyol versteht sich explizit als Vertreter eines islamischen Liberalismus (Homepage hier). So steht er politisch für eine freiheitliche Demokratie und religiös für ein Islamverständnis, das nicht als politische Ideologie formuliert ist, sondern primär die Spiritualität und Moral in den Vordergrund stellt und Mut zu einer fundierten Reform hat. Neben seiner positiven Westorientierung steht er traditionellen muslimischen Kreisen freundschaftlich gegenüber. Und  er bemüht sich um eine argumentative, kritische, aber stets in respektvollem Ton geführte Auseinandersetzung mit den Vertretern des moderaten Islamismus in der Türkei, die den säkularen Staat nicht bekämpfen, ihn jedoch als ein von den Umständen aufgezwungenes und zu ertragendes Ungemach betrachten. (Der unversöhnliche radikale Islamismus ist im Unterschied zum moderaten Islamismus und dem konservativ-demokratischen AKP-Modell in der heutigen Türkei übrigens eine vernachlässigbare Größe).

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Erdoğans Dschihad für den Laizismus (und seine Probleme)

am Dienstag, 20 September 2011. Gepostet in Christentum, Menschenrechte, Türkei, Weltpolitik

Der säkulare und liberale Kolumnist Şahin Alpay bringt in seiner heutigen Kolumne in der Zaman auf den Punkt, worin das politische Kapital der Türkei für die Zukunft des Mittleren Ostens liegt, nämlich im Angebot eines Staatsmodells, das demokratisch und religionsfreundlich, aber zugleich säkular ist. Laizismus wird in diesem Text übrigens ebenso wie in den (stellenweise konfusen) Äußerungen des Premierministers im Sinne eines solchen religionsfreundlichen aber säkularen Staates verstanden, und nicht in der üblichen Bedeutung eines (restriktiven) Laizismus.

Alpay weist am Ende seines Textes auf den entscheidenden Schwachpunkt von Erdoğans Engagament hin: Die Türkei ist noch nicht so weit, dass sie anderen Ländern besten Gewissens Vorlesungen in Sachen demokratischer Staatsführung halten kann. Zugleich ist jedoch zu bedenken, dass sich die Türkei in den letzten Jahren um eine Aufwertung bis Gleichstellung der nichtmuslimischen Minderheiten bemüht, d.h.: die Richtung der Entwicklung ist gut. Gemessen an den Standards europäischer Demokratie sind diese Entwicklungen nichts, worauf man wirklich stolz sein könnte, zumal diese in einer echten Demokratie selbstverständlich sein sollten und meistens noch nicht einmal abgeschlossen sind. Im Vergleich zur restriktiven Minderheitenpolitik der alten Türkei, deren Hauptschmiede säkulare Nationalisten waren, und in Anbetracht der tief verankerten Vorurteile großer Teile der türkischen Bevölkerung gegenüber ihren Minderheiten sind dies jedoch beachtliche und innenpolitisch riskante Schritte (vgl. folgende Links). Es sind also die historisch-kulturellen und politischen  Voraussetzungen der Türkei, in deren Kontext von beachtlichen Fortschritten gesprochen werden kann.

Hier einige Beispiele: Die einst enteigneten nichtmuslimischen Stiftungen erhalten große Teile ihrer einstigen Güter zurück (hier, hier und hier), Nichtmuslime werden vom türkischen Außenminister explizit dazu aufgefordert sich um staatliche Stellen in der türkischen Botschaft zu bewerben (Kommentar hier), die griechisch-orthodoxe Gemeinde durfte zum ersten Mal seit über 80 Jahren wieder Gottedienste im historischen Sumela-Kloster abhalten (hier und hier) und es sollen rechtliche Schritte gegen Verhetzung der Minderheiten eingeleitet werden (hier). Dies sind Schritte, die jeder Demokrat unterstützen muss, wenn er von der Türkei zurecht noch viel mehr Schritte in Richtung Demokratisierung verlangt.

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Erdoğan wirbt in den Ländern des arabischen Frühlings für den Laizismus

am Sonntag, 18 September 2011. Gepostet in Türkei, Weltpolitik

Es folgt meine Übersetzung der Äußerungen des türkischen Premierministers Erdoğan zum Thema Laizismus auf einer Pressekonferenz in Libyen während seiner Tour durch einige Länder des arabischen Frühlings (Tunesien, Ägypten, Libyen). Das ist wohl der beste Beweis dafür, dass mit dem Zusammenbruch des klassischen Kemalismus auch der klassische Islamismus in der Türkei endgültig Geschichte ist. In den islamischen Ländern reagierte man auf Erdoğans unerwartet enthusiastisches Plädoyer teils mit Widerspruch, z. B. von Seiten der ägyptischen Muslimbruderschaft. Manche islamische Intellektuelle in der Türkei sehen Erdoğans Versuch das nunmehr moderate, spezifisch türkische Laizitätskonzept zu exportieren ebenfalls kritisch. Hierzu wäre noch anzumerken, dass Erdoğan zwar Laizismus (türkisch: laiklik) sagte, aber offensichtlich eher den säkularen Staat meinte, der zwar religiös neutral ist, aber das Thema Religion nicht kategorisch aus der Öffentlichkeit ausschließt.

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Antwort auf islamkritische Einwände gegen "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?" (1)

am Sonntag, 18 September 2011. Gepostet in Islamkritik, Koran, Islamisches Leben

Mein vor ca. 4 Wochen veröffentlichter Text "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?" ist über 800 mal angeklickt worden. Wie erwartet habe ich für ihn neben Zuspruch auch Kritiken erhalten. Und wie ich bereits vermutet hatte, kam eine grundsätzliche Kritik an meinem Ergebnis, dass es kein islamisch-religiöses Hindernis für eine Freundschaft mit Nichtmuslimen gibt, nicht von muslimischer, sondern von islamkritischer Seite. Beim Verfassen einer Antwort auf ein dahingehendes Posting des Mitbloggers Micheal merkte ich, dass diese schon fast zu lang für einen Kommentar wird. Darum habe ich daraus einen Text gemacht. Folgender Text bezieht sich unmittelbar auf "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen" und auf Micheals ersten Kommentar dazu. Et voilá:

Grüß dich Micheal,

hier einige kritische Anmerkungen meinerseits zu einigen deiner durchaus diskussionswürdigen Kritikpunkten. Der Übersichtlichkeit zuliebe habe ich meine Antwort thematisch gegliedert und zitiere dabei jeweils aus deinem ersten Kommentar. Leider muss ich erst mit einer Kritik an deinem Stil beginnen.

1. Kritik an deiner Diskurshaltung und Zurückweisung deines Psychologismus

Du schreibst:

„Mal wieder ein zum scheitern verurteilter Versuch den Islam, so wie er in Koran und Sunna steht, zwanghaft ins schöne zu interpretieren. „

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In Gedanken versunkener Derwisch

am Montag, 12 September 2011. Gepostet in Inspirationen, Kunst

Mit freundlicher Genehmigung des großartigen türkischen Malers Ilhami Atalay, eines in der Türkei vom laizistischen Establishment und muslimischen Mainstream allein Gelassenen (alle Rechte vorbehalten)

 

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Grußbotschaft des Bundespräsidenten zum Ramadanfest

am Dienstag, 13 September 2011. Gepostet in Integration, Islamisches Leben

Für alle, die es nicht mitbekommen haben - dies war die Grußbotschaft unseres Bundespräsidenten Christian Wulff zum diesjährigen Ramadanfest vor zwei Wochen:

„Wer dieses Jahr den Ramadan begangen hat, musste oft große Kraft aufbringen: weil die Fastenzeit in einen Sommer fiel, dem ein ganz besonderer Frühling vorausgegangen war, der arabische Frühling. Seine Stürme haben die Welt verändert.

Aus Gesprächen mit Muslimen in Deutschland weiß ich: Vielen ist das religiöse Innehalten schwer gefallen angesichts der aufwühlenden Berichte aus Nordafrika, die uns Tag für Tag erreichen. Einerseits wecken die jungen Demokratiebewegungen immense Hoffnungen und den Wunsch, beim Neubeginn dabei zu sein. Andererseits wachsen auch die Sorgen um Angehörige und Freunde, die in der alten Heimat für die Freiheit ihr Leben riskieren. Deshalb werden die Iftar-Essen 2011 nicht überall so ausgelassen sein können wie in anderen Jahren.

Umso mehr wünsche ich allen, die das Fest des Fastenbrechens feiern, dass Ihnen diese Stunden im Kreis der Familie neue Zuversicht schenken. Und ich hoffe, dass auch nach Ende des Ramadan eine seiner wichtigsten Botschaften in unsere Gesellschaft ausstrahlt: das aufmerksame Miteinander, die Bereitschaft zum Geben und zum eigenen Verzicht.

Ich bin voller Hochachtung für jeden, der sich in diesem Geist, mit Mut und Menschlichkeit in die Gemeinschaft einbringt. Viele Muslime tun das immer wieder aufs Neue und fördern damit auch den Zusammenhalt in Deutschland. Der 30. August ist eine gute Gelegenheit, dafür Danke zu sagen!“

Herzlichen Dank, Herr Wulff!

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Von den Grenzen der Toleranz und des Aushaltbaren

am Sonntag, 11 September 2011. Gepostet in Integration, Menschenrechte, Türkei, Erziehung, Geschlechter

"Warum kleiden die sich nicht so, wie jede andere Frau hier auch? Das ist ja nicht auszuhalten. Und soll mir bloß keiner sagen, dass die diese Kleidung bei dieser Hitze freiwillig tragen. Schau dir doch mal ihre Ehemänner und Söhne an: Kurze Hosen, T-Shirts. Und die Frau? Eingehüllt in Stoff, kaum mehr zu erkennen. Was soll das bedeuten? Will man uns damit unterstellen, dass wir jede Frau anspringen würden, die sich nicht so kleidet? Ich meine, es ist mir ja egal, wenn die bei sich in ihrer Heimat so herumlaufen wollen – aber man könnte sich doch wenigstens im Ausland etwas der Umgebung anpassen. Außerdem findet man eine solche Kleidungsvorschrift gar nicht im Koran. Und es gibt doch so viele andere Muslime, die die Kleidungsgebote viel liberaler auslegen. Warum bestehen sie also auf dieser Kleidung? Ich hab’s: Wahrscheinlich wollen sie provozieren, alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Ich glaube, ich weiß, was mich am meisten daran stört: Früher konnte man hier kaum eine Frau so bekleidet sehen. Heute hat das inflationäre Ausmaße angenommen und es scheinen immer mehr zu werden – wie soll ich das zuordnen? Es ist doch eindeutig, dass mit dieser Kleidung der restlichen Gesellschaft unterstellt wird, dass sie unmoralisch sei, und dass sich alle Frauen, die sich nicht so kleiden wie sie, als Lustobjekte anbieten. Frechheit. Ich meine: Wir stehen ganz klar für Freiheit in Glaubens- und Lebensfragen. Deren Kultur hingegen steht offensichtlich für das genaue Gegenteil. Und diese Kleidung ist der deutlichste Beleg dafür, dass diese Kultur die Frau komplett von der Außenwelt abschirmen und mundtot machen will. So wird es wohl sein.“

Diese Gedanken stammen nicht von einem der gewohnten Türkenhasser oder Moslemverachter.

Sie stammen vielmehr von mir.

Sie drängten sich mir nach und nach in Fetzen aus meinen tieferen Bauchregionen auf, als ich auf dem Sultanahmet-Platz in Istanbul völlig überraschend in allen Ecken komplett in Schwarz gehüllte Frauen mit Gesichtsschleiern sah, die nur durch einen schmalen Augenschlitz blicken konnten. Manchmal war dieser Schlitz noch zusätzlich von einer Sonnenbrille bedeckt. Ich fühlte mich stellenweise regelrecht bedroht, da keine Gesichtszüge zu erkennen waren, sondern nur noch schwarze Umrisse, scheinbar zu Schatten verkommene Reste eines Menschen. Vor einigen Jahren bekam ich so etwas in meinem geliebten Istanbul nicht zu sehen. Überhaupt kannte ich Gesichtsschleier fast ausschließlich aus den Medien. So blickte ich nun als befremdeter türkischsstämmiger Tourist in der Türkei wieder auf die einheimischen türkischen Frauen, die teils ganz gewöhnliche Kopftücher trugen, und teils locker oder gar sommerlich gekleidet waren. Das war die Leitkultur hier, der gewohnte Anblick, so wie es also eigentlich sein sollte.

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Schönes Istanbul!

am Mittwoch, 31 August 2011. Gepostet in Türkei, Inspirationen

Ich sitze gerade in einem schattigen Café unmittelbar beim Dolmabahçe-Palast am Ufer des Bosporus. Es ist angenehm warm und sonnig - eine milde Brise sorgt für die nötige Erfrischung. Große Möwen zeichnen virtuos geschwungene Linien an den Himmel und kommen uns manchmal so nah, dass man unwillkürlich zusammenzuckt. Die Wellen des Wassers wiegen unentwegt und klatschen sanft auf das bemooste Stein am Ufer. Auf der anderen Seite des goldenen Horns zeichnet sich die Silhouette der Hagia Sophia und der Sultanahmet Moschee ab. Dampfer, Schiffe und Boote ziehen in verschiedenste Richtungen friedlich über den Kanal. Hinter mir erzählt eine ältere türkische Frau mit grandios verrauchter Stimme ihrer Freundin unterhaltsame Geschichten und ich muss immer wieder über ihr heiser-heiteres Gelächter schmunzeln. Ein Tisch weiter sitzt eine Familie und wartet auf ihren Schwarztee, während eine Katze bedächtig zwischen ihren Stühlen umherschleicht.

Am Ende des Cafés steht eine geradezu barockene Moschee, die nur aus einer Kuppel und dem darunterliegenden würfelförmigen Bau zu bestehen scheint und mit reichlich viel Fenstern versehen ist. Teilweise kann man durch die Moschee geradezu hindurchsehen. Mit der halbkreisförmigen Fensterführung erinnert sie mich an eine große englische Turmuhr, an eine Art Big Ben. Die Moschee ist europäisch inspiriert, so wie auch der prunkvolle Dolmabahçe-Palast zu meiner Linken, den die Osmanen in der Mitte des 19. Jahrunderts bauen ließen. Sowohl das Äußere des Palastes, als auch der Moschee weisen eine Art Barock- bzw. Jugendstil auf, der detailreich, aber farblich schlicht und hell gehalten ist. Das erinnert mich sehr an den Stil, der mich schon in meiner barockenen Geburtsstadt Ludwigsburg begeistert und geprägt hat.

Kaum zu glauben, dass die osmanischen Kalifen am Bosporus im 19. Jahrhundert von dieser Kunst offensichtlich ebenso fasziniert waren, wie ich es heute oft bin. Nun sitze ich hier also im Café zwischen barocken-osmanischer Baukunst, zu meiner Rechten lockt mich ein köstlicher Kaffee, der Gebetsruf ertönt gerade von allen Seiten, vor mir steht ein Laptop mit geladenen Akkus, und mit meinen Beinen gegen den Bospours ausgestreckt denke ich mir: Würde man mich in erschöpften Momenten fragen, wo ich gerne wäre, dann würde ich womöglich einen Ort wie diesen beschreiben...

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Kann ein Mensch zugleich glauben und zweifeln?

am Samstag, 27 August 2011. Gepostet in Erziehung, Koran, Inspirationen, Islamisches Leben, Theologie

Der Prophet Abraham ist eine der Schlüsselfiguren des Korans und in vielerlei Hinsicht der Prototyp des idealen gottergebenen Gläubigen. Dass dieser Glaube einerseits Ergebenheit (arabisch: islâm) erfordert, bedeutet mitnichten, dass dafür erst die Vernunft aufgeopfert werden müsste. Folgende für mich persönlich sehr bedeutsame Passage im Koran verdeutlicht, dass es weder unerwünscht, noch Sünde ist selbst an die Selbstverständlichkeiten des Glaubens offensiv genau jene Fragen zu richten, die einen - aus welchen Gründen auch immer - beschäftigen (nach Henning/Hofmann - Einfügungen von mir) :

"Und als Abraham sprach: 'Mein Herr, zeige mir, wie du die Toten lebendig machst!',

sprach er [Gott]: 'Glaubst du etwa noch nicht?'

Er [Abraham] sagte: 'Doch! Aber ich möchte in meinem Herzen ganz sicher sein...." (2:260)

Dies als beruhigender Hinweis an all jene, die sich als gläubig verstehen, aber zugleich offene Fragen oder Anflüge von Zweifeln innerhalb ihres Glaubens haben, die ihnen als Zeichen eines schwachen Glaubens vorkommen und sie deswegen unglücklich machen - und als Warnung an all jene, die versuchen geraden den jungen Fragenden ein schlechtes Gewissen für ihre legitime Neugier zu machen. Wenn selbst der Prophet Abraham, der im Koran als gutes Vorbild für die Muslime gilt, seinen Herren und Schöpfer respektvoll, aber ohne Umschweife dazu auffordert seinem Herzen Sicherheit (oder: Befriedigung) durch - in diesem Fall - empirische Erkenntnis zu schenken, dann kann es auch uns nicht verwehrt sein genau dort gezielt Nachforschungen anzustellen, wo wir Fragen haben und das Bedürfnis nach Klärung und Sicherheit verspüren. Ich will im Übrigen nicht behaupten, dass Abraham Zweifel im heutigen Wortsinn hatte, sondern nur, dass seine Frage an Gott eine Verwandschaft hat mit der fragenden Stimme im Gläubigen, die bei dem einen öfter, bei dem anderen seltener auftaucht und nach Antworten sucht. Ob man diese Fragen als Zweifel bezeichnen will, ist aus meiner Sicht eine Frage der Definition und daher nicht so interessant. Mir geht es hier um etwas anderes: Die Suche nach einer Einheit von Herz und Verstand ist zu wertvoll, als dass sie aufgrund mangelnder Unterstützung von außen vorzeitig abgebrochen werden sollte. Andererseits kann man als Gläubiger bei dieser Suche wiederum Beistand im Glauben suchen, oder wie es in zwei prägnanten koranischen Gebeten heißt:

"Mein Herr! Mehre mein Wissen!" - "rabbî zid nî 'ilmâ" (20:114)

"Mein Herr! Gib mir Urteilskraft und vereinige mich mit den Rechtschaffenen" - "rabbî hablî hukman va alhiqnî bis-salihîn" (26:83)

In diesem Sinne...

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