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Christentum

Erdoğans Dschihad für den Laizismus (und seine Probleme)

am Dienstag, 20 September 2011. Gepostet in Christentum, Menschenrechte, Türkei, Weltpolitik

Der säkulare und liberale Kolumnist Şahin Alpay bringt in seiner heutigen Kolumne in der Zaman auf den Punkt, worin das politische Kapital der Türkei für die Zukunft des Mittleren Ostens liegt, nämlich im Angebot eines Staatsmodells, das demokratisch und religionsfreundlich, aber zugleich säkular ist. Laizismus wird in diesem Text übrigens ebenso wie in den (stellenweise konfusen) Äußerungen des Premierministers im Sinne eines solchen religionsfreundlichen aber säkularen Staates verstanden, und nicht in der üblichen Bedeutung eines (restriktiven) Laizismus.

Alpay weist am Ende seines Textes auf den entscheidenden Schwachpunkt von Erdoğans Engagament hin: Die Türkei ist noch nicht so weit, dass sie anderen Ländern besten Gewissens Vorlesungen in Sachen demokratischer Staatsführung halten kann. Zugleich ist jedoch zu bedenken, dass sich die Türkei in den letzten Jahren um eine Aufwertung bis Gleichstellung der nichtmuslimischen Minderheiten bemüht, d.h.: die Richtung der Entwicklung ist gut. Gemessen an den Standards europäischer Demokratie sind diese Entwicklungen nichts, worauf man wirklich stolz sein könnte, zumal diese in einer echten Demokratie selbstverständlich sein sollten und meistens noch nicht einmal abgeschlossen sind. Im Vergleich zur restriktiven Minderheitenpolitik der alten Türkei, deren Hauptschmiede säkulare Nationalisten waren, und in Anbetracht der tief verankerten Vorurteile großer Teile der türkischen Bevölkerung gegenüber ihren Minderheiten sind dies jedoch beachtliche und innenpolitisch riskante Schritte (vgl. folgende Links). Es sind also die historisch-kulturellen und politischen  Voraussetzungen der Türkei, in deren Kontext von beachtlichen Fortschritten gesprochen werden kann.

Hier einige Beispiele: Die einst enteigneten nichtmuslimischen Stiftungen erhalten große Teile ihrer einstigen Güter zurück (hier, hier und hier), Nichtmuslime werden vom türkischen Außenminister explizit dazu aufgefordert sich um staatliche Stellen in der türkischen Botschaft zu bewerben (Kommentar hier), die griechisch-orthodoxe Gemeinde durfte zum ersten Mal seit über 80 Jahren wieder Gottedienste im historischen Sumela-Kloster abhalten (hier und hier) und es sollen rechtliche Schritte gegen Verhetzung der Minderheiten eingeleitet werden (hier). Dies sind Schritte, die jeder Demokrat unterstützen muss, wenn er von der Türkei zurecht noch viel mehr Schritte in Richtung Demokratisierung verlangt.

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Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?

am Montag, 15 August 2011. Gepostet in Christentum, Integration, Islamkritik, Koran, Fundamentalismus, Islamisches Recht, Islamisches Leben, Judentum

In meiner Grundschulzeit waren alle Nationalitäten in meinem Freundeskreis vertreten: Deutsche, Italiener, Spanier, Portugiesen – allesamt Klassenkameraden, mit denen wir vormittags auf dem Pausenhof herumrannten und nachmittags entweder am C64 saßen und Giana Sisters spielten oder draußen die Gegend unsicher machten. Türken waren nahezu keine vorhanden. Mein bester Freund war ein Italiener. Er stand mir mit Fäusten bei, als mich zwei deutsche Klassenkameraden fast täglich auf dem Schulweg verprügelten – ich hatte ihren Zorn auf mich gezogen, als ich ihnen unüberlegt erzählt hatte, dass Türken viel mutiger seien als Deutsche. Einer von ihnen hat mich zwanzig Jahre später zu seiner Hochzeit eingeladen. Gelegentlich war ich bei dem Italiener daheim zu Gast beim Abendessen. Oft schlenderten wir vor Sonnenuntergang über die Felder und unterhielten uns über die Heimatstädte unserer Eltern oder über unsere Traumberufe. Er wollte damals Architekt werden und ich Arzt.

Meine Eltern schätzten meinen guten Kontakt zu meinen Klassenkameraden und ich hätte nicht gedacht, dass ich damit jemandes Missfallen erregen könnte – bis ich eines Tages von einem älteren Türken, der sich mit dem in den 90ern aufsteigenden politischen Islam in der Türkei identifizierte, etwas zu hören bekam, was mir das Blut in den Adern gefrieren ließ:

„Du kannst mit diesen Leuten nicht befreundet sein – denn im Koran steht: Nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden. Sie sind einander Freunde.“

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Opfertod in Islam und Christentum (Deutschlandradio Kultur)

am Donnerstag, 21 April 2011. Gepostet in Christentum, Islam

Mein guter Kumpel, Diskussionsgefährte und Kaffeegenosse Serdar Günes war heute mit einem  sehr interessanten Beitrag zum Thema Opfertod in den religiösen Traditionen, speziell im Islam, im Deutschlandradio Kultur zu hören (hier geht es zum Text). Auf sehr kurzem Raum weist er auf einige wichtige und weitgehend unbekannte Gedanken in der islamischen Tradition zum Märtyrertod hin:

"... während heute Märtyrertum im Islam häufig als religiöser Fanatismus wahrgenommen wird, vergisst man gerne, dass es eigentlich ein Aufopfern für eine gute Sache bedeutet, die nicht unbedingt mit dem Tod enden muss, ihn aber immer vor Augen hat. In der Geschichte war das Militärische nur ein Aspekt des Märtyrertums, während die Läuterung der Seele, der uneigennützige Einsatz für die Familie und Umwelt den wahrhaften Kern dieses Gedankens ausmachen."

Dabei geht er auch auf aktuelle Problemthemen ein, verliert sich aber nicht in ihnen. Diese Balance finde ich gut und richtig. Allerdings setzt der Text an manchen Stellen Vorwissen über die christliche Theologie voraus, z. B. wenn es um die (christliche) Befreiungstheologie geht, die die politische Befreiung zum Gegenstand hat und auch einige Muslime beeinflusst habe.

Was ich überraschend und positiv finde ist, dass er es schafft eine Parallele zwischen islamischen Glaubensinhalten und Grundgedanken des Opfertodes und der Wiederauferstehung im Christentum herzustellen. Karfreitag und Ostern ist ja auch der aktuelle Anlass seines Textes. Insgesamt würde ich daher sagen: Gewagt und gelungen!

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Damascenus vs. Nadschidus oder: Könnte ein Christ je morden?

am Sonntag, 27 Februar 2011. Gepostet in Christentum, Islamkritik, Terrorismus, Fundamentalismus, Weltpolitik

Der aus dem Islam zum Christentum konvertierte Araber Mark Gabriel schreibt in seinem Buch „Motive islamischer Terroristen“ (2007) über den Unterschied zwischen christlichen und islamischen Fundamentalisten:

„Fundamentalistische Christen bilden keine Terrorzellen oder bombardieren Zivilisten, weil Jesus ihnen in dieser Richtung kein Vorbild gegeben hat.“ (S. 164)

Muslimische Fundamentalisten hingegen täten dies selbstverständlicherweise schon – denn sie hätten ja ein heiliges Buch, das zu einem „völlig anderen Lebensstil“ (S. 164) aufrufe als die Bibel.

Das klingt so unschuldig und so überzeugend, dass man vor Rührung schon fast mitkonvertieren möchte. Reibt man sich nach der ersten Entzückung jedoch die Augen, und macht sich die Mühe mal genauer hinzuschauen, dann fällt dieses verklärte Weltbild auch schon in sich zusammen. Da viele Gegner des Islams der felsenfesten Überzeugung sind, dass heutzutage unter den Religionen nur die islamische einen Nährboden für Gewalt bieten kann, muss ich hier leider doch etwas weiter ausholen. Aber es ist zu einem guten Zweck.

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Kommen Nichtmuslime in die Hölle? (1) Religionszugehörigkeit als Heilskriterium

am Donnerstag, 30 Dezember 2010. Gepostet in Christentum, Islam, Koran, Sinn des Lebens, Judentum

Akif Şahin hat auf seinem Blog einen Text zur Frage gepostet, ob Nichtmuslime in das Paradies, oder die Hölle eingehen werden. Sein Text war ein Anlass für mich selbst einen Kommentar zu dieser Frage zu verfassen, den ich auch hier einstellen möchte. Ich schrieb:

Lieber Akif,

du wirfst die Frage auf, ob Nichtmuslime in die Hölle oder in das Paradies kommen, und beantwortest die Frage mit einer Definition, die du meinst anhand der islamischen Quellen eindeutig belegen zu können:

„Wer das Anliegen (Dawa) unseres geehrten Propheten Muhammad (saw) gehört, seine Einladung zum Islam vernommen, und Zeuge des von ihm versendeten Lichtes geworden ist, und aufgrund seiner Sturheit, den Islam als auch den Glauben an Allah nicht akzeptiert, seine Ohren zuhält, ja, diese Personen werden in die Hölle kommen.“

Du beziehst dies insbesondere auch auf die Europäer, die den Islam ablehnen, und nennst als Grund dafür, dass diese durch Medien etc. schon zu Genüge auf den Islam aufmerksam geworden seien. Abschließend lädst du deine Leser dazu ein ihre eigene Meinung oder Kritik an deiner Auffassung zu formulieren, wofür ich dir sehr dankbar bin.

Gerne nehme ich das an und formuliere mal paar Gedanken dazu. Ich vertrete eine etwas andere Position als du zu dieser Frage. Ich gebe zu, dass diese Gedanken nicht von sehr vielen Muslimen geteilt werden, und dass sie viel umfassender diskutiert werden müssten, als auf diesem Raum möglich ist. Dennoch habe ich mittlerweile den Eindruck, dass für diese Sichtweise insgesamt mehr Argumente sprechen, als für die geläufige und von dir dargestellte Position.

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Aufwertung der nicht-muslimischen Minderheiten in der Türkei

am Montag, 16 August 2010. Gepostet in Christentum, Menschenrechte, Türkei

Vom 23.5.2010

Im Folgenden veröffentliche ich meine Übersetzung eines Rundschreibens des türkischen Premierministers Erdoğan der konservativen, aber doch auch oft progressiven AKP-Regierung, das am 13. Mai 2010 im türkischen Amtsblatt Resmî Gazete (unter “genelge” zu finden) erschienen ist.

Von höchster amtlicher Stelle werden hier Benachteiligungen der nichtmuslimischen - d. h. christlichen und jüdischen - Minderheiten eingeräumt und deren umgehende Behebung gefordert. Es geht Erdoğan dabei sowohl um den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz, als auch um das Zugehörigkeitsgefühl der Minderheiten zur Türkei. Die Probleme würden in erster Linie aus Nachlässigkeiten bei der Umsetzung der gesetzlichen Beschlüsse resultieren.

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