andalusian.de

Deutsches, Türkisches und Islamisches
  • andalusian-Blog
  • Über mich

Denker

Zum Geburtstag des Propheten: Ein "Mevlid" von Goethe

am Sonntag, 13 Februar 2011. Gepostet in Denker, Inspirationen, Islamisches Leben

Kandiliniz mübârek olsun - eine gesegnte Lichternacht... Die islamische Frömmigkeit gedenkt vielerorts in der heutigen Nacht (23. Jan. 2013) des Geburtstages des Propheten Mohammed. Ich habe das zum Anlass genommen folgenden älteren Text oben einzustellen...

Im Folgenden präsentiere ich euch eine meiner Lieblings-Neuentdeckungen der letzten Monate, nämlich ein Gedicht von Goethe, das vom Propheten Mohammed handelt und mich immer wieder überwältigt. Denn es drückt etwas über den Propheten aus, was auch ich empfinde, aber wofür ich ehrlich gesagt nicht die passenden Worte finde.

Zum Hintergrund: Goethe arbeitete in seinem 23. Lebensjahr an einer Tragödie, in der der Prophet Mohammed die Hauptrolle spielen sollte. Dieses Werk wurde nicht vollendet, jedoch sind einige Fragmente davon erhalten. Über diese schreibt Katharina Mommsen: "Schon bezüglich dieser Fragmente ist jedoch zu sagen, dass sie die bedeutsamste Huldigung darstellen, die jemals ein Dichter in Deutschland dem Begründer des Islam dargebracht hat." (Goethe und der Islam, S. 48). Damit ist insbesondere das Preislied "Mahomets Gesang" gemeint.

Weiterlesen

Triumph der Pflicht über die Neigung (I. Kant)

am Montag, 05 November 2012. Gepostet in Denker, Philosophie

Hier ein Kant-Zitat über "Pflicht" - zum Staunen, Zustimmen, Widersprechen und Weiterdenken:

"Pflicht!

Du erhabener großer Name, der nur nichts Beliebtes, was Einschmeichelung bei sich führt, in dir fassest,

sondern Unterwerfung verlangst,

doch auch nichts drohest, was natürliche Abneigung im Gemüte errege und schreckte, um den Willen zu bewegen,

sondern bloß ein Gesetz aufstellst, welches von selbst im Gemüte Eingang findet und doch sich selbst wider Willen Verehrung (wenngleich nicht immer Befolgung) erwirbt,

vor dem alle Neigungen verstummen,

wenn sie gleich insgeheim ihm entgegenwirken:

welches ist der deiner würdige Ursprung,

und wo findet man die Wurzel deiner edlen Abkunft, welche alle Verwandtschaft mit Neigungen stolz ausschlägt,

und von welcher Wurzel abzustammen die unnachlässliche Bedingung desjenigen Wertes ist, den sich Menschen allein selbst geben können?"

(Aus dem Kapitel "Elementarlehre der reinen praktischen Vernunft" in Immanuel Kants Kritik der praktischen Vernunft)

Weiterlesen | View Comments (6)

Von wegen zerrissen: Auf zum großen Mahle!

am Sonntag, 17 Juli 2011. Gepostet in Denker, Identität, Inspirationen

Wenn man sich so wie ich nicht wirklich hin- und hergerissen zwischen den beiden Kulturen fühlt, sondern das Zugehörigkeitsproblem per theoretisch reflektierter Definition und lebenspraktisch abgehärtetem Dickkopf zugunsten einer privat zentrierten und kulturübergreifend ausgerichteten Heiterkeit abgeschafft hat, dann tut es zur Befriedung des inneren Skeptikers hin und wieder ganz gut erfahrene Gewährsmänner für dieses Unterfangen zu finden. Heute ist wieder Goethe meine Wahl.

Folgende einleitende drei Strophen aus dem Nachlass zum West-östlichen Divan geben ganz gut die auch von mir angenommene und dringend weiterempfohlene These wieder, dass man einen Platz in der Welt suchen sollte, vom dem aus man gierig und maximal vom Reichtum beider Kulturen profitieren kann. Gerne füge ich dem meine sicherlich gewagte These hinzu, dass in jeder der speziell mich betreffenden Kulturen viele Dinge besonders ausgeprägt sind, die in der anderen jeweils nur schwach schimmern oder gänzlich verkümmert sind.

Was erscheint da noch klüger, als sich von den schwierigen und weniger sympathischen Seiten der jeweiligen Kulturen begründet abzuwenden und sich stattdessen eine nachvollziehbare, von Theorie geleitete und an den praktischen Erfahrungen ständig nachkorrigierte Synthese aus den starken Seiten beider Kulturen zu erlauben? Außer Faul- und Feigheit: gar nichts! Et voilà:

 

"So der Westen wie der Osten
Geben Reines dir zu kosten.
Laß die Grillen, lass die Schale,
Setze dich zum großen Mahle:
Mögst auch im Vorübergehn
Diese Schüssel nicht verschmähn.

Wer sich selbst und andre kennt
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.

Sinnig zwischen beiden Welten
Sich zu wiegen laß ich gelten;
Also zwischen Ost- und Westen
Sich bewegen, sei's zum Besten!"

(Goethe: Aus dem Nachlass zum West-östlichen Divan)

Weiterlesen | View Comments (2)

Von Goethe, Wulff und Sarrazin

am Sonntag, 16 Januar 2011. Gepostet in Denker, Bildung, Islamkritik, Koran

Sarrazin: Wulff verharmlost Goethes kritisches Islambild

Thilo Sarrazin hat mit einem Beitrag in der Weihnachtsausgabe der FAZ mit seinen Kritikern und Gegnern in Politik und Medien abgerechnet. Dabei trat gleich in zwei Passagen ein bislang an der Sarrazin-Debatte unbeteiligter Name auf: Johann Wolfgang von Goethe. Hier wird der Dichter zweimal in Stellung gegen Sarrazins Gegener gebracht – zum einen gegen die „deutschen Inquisitoren“, die sein Buch auf den Index gesetzt hätten, zum anderen gegen den Bundespräsidenten Wulff wegen seinen angeblich den Islam verharmlosenden Berufungen auf Goethe. In beiden Kontexten bezieht sich Sarrazin explizit auf das poetische Spätwerk des Dichters, nämlich den West-östlichen Divan. Während im ersteren Fall die Gesinnung der Inquisitoren durch ein Divan-Zitat entlarvt werden soll, steht im letzteren Fall eine Richtigstellung von Goethes Haltung zum Islam im Vordergrund. Denn Wulff habe aufgrund fehlender eigener Bildung auf seiner Türkeireise doch ein Goethe-Zitat so verwendet, dass man dem Dichter eine verharmlosende, oder gar positive Haltung zum Islam hätte unterstellen können.

Wulff hatte in seiner Begrüßungsrede auf einem Kammerkonzert in der Istanbuler Irenenkirche folgende – laut Sarrazin nur scheinbar versöhnliche – Zeilen aus dem Divan zitiert:

„Gottes ist der Orient!

Gottes ist der Okzident!

Nord- und südliches Gelände

Ruht im Frieden seiner Hände.“

Sarrazin ist empört über eine derart verantwortungslose Verwendung von Goethe-Zitaten und schlägt vor, man solle doch Wulff „Goethes ‚West-östlichen Divan‘ schenken, damit er nicht mehr verharmlosend daraus zitiert.“ Die von ihm mittlerweile verachtete Staatsspitze habe also nicht nur sein Buch nicht gelesen, sondern auch Goethe nicht verstanden. Das soll wohl bedeuten, dass Goethe in Wirklichkeit ein Vorläufer der heutigen Islamkritiker war, und schon damals das wusste, was man heute leider nicht mehr sagen darf, nämlich dass der Islam letztlich eine totalitäre Bedrohung für die christlich-abendländische Zivilisation darstelle. Goethe soll dies zu einer Zeit verstanden haben, in der der Zerfall des Osmanischen Reiches bereits in vollem Gange war und die Kolonialisierung der islamischen Welt durch europäische Großmächte gerade seine ersten Vorboten aussandte. Dazu hätte man in der Tat sehr „hellsichtig“ sein müssen.

Aber mit einem bloßen Hinweis auf diese Umstände zur Zeit Goethes ist Sarrazins islamkritisches Goethebild gewiss noch nicht widerlegt. Immerhin wartet Sarrazin mit deftigen Goethe-Zitaten auf, die in nichts dem heutigen Ton entschiedener Islamkritiker nachstehen. So zitiert Sarrazin aus Goethes „Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des West-östlichen Divans“ die Anmerkung, die Religion der Muslime lasse „ihren Bekenner nicht aus einer dumpfen Beschränktheit heraus“. Knapp, knackig, politisch inkorrekt – was will man mehr? Außerdem schreibe Goethe ja auch: „Der Stil des Koran ist seinem Inhalt und Zweck gemäß streng, groß, furchtbar“. Ein erschütterndes Ergebnis also. Der Koran: furchtbar! Der islamische Glaube: dumpfe Beschränktheit! Und damit scheint die Schlacht auch schon geschlagen: Sarrazin hat Wulff peinlichster Unkenntnisse bezüglich Goethes Haltung zum Islam überführt. Schenkt also Wulff einen Divan! Denn, so Sarrazin: „von der totalitären Gefahr dieser Religion [des Islams] verstand er [Goethe] vor zweihundert Jahren mehr als heute die Redenschreiber unseres Bundespräsidenten.“

Weiterlesen | View Comments (5)

Ein philosophisches Motto für 2011

am Samstag, 01 Januar 2011. Gepostet in Denker, Inspirationen

"Das Furchtbarste so sagen,

dass es nicht mehr furchtbar ist,

dass es Hoffnung gibt,

weil es gesagt ist."

(Elias Canetti)

Weiterlesen | Leave Comment

Vom reflektierten Urteilen

am Dienstag, 17 August 2010. Gepostet in Denker, Koran, Inspirationen

Vom 23.10.2009

“Verkünde also Freude jenen Meiner Diener, welche der Rede zuhören und sich dann an das Beste davon halten…” (39:17-18)

Ich gebe im Folgenden einen Auszug aus einer Abhandlung eines der weniger bekannten, aber zugleich hellsten Köpfe der islamischen Geschichte wieder. In diesem kurzen Auszug arbeitet dieser aus dem oben zitierten Koranvers eines der meiner Meinung nach weitreichendsten und schönsten erkenntnisleitenden Prinzipien aus:

“Die Grammatik ist der Prosa und die Metrik der Poesie als ein zuverlässiges und geeichtes Richtmaß zugeordnet; dabei ist die Grammatik von allgemeinerer Geltung, denn sie umfasst zugleich die Prosa und die Poesie. Weiterhin ist die Rede in beiden Gattungen der Ausdruck eines Gedankens, den der Redende im Sinn hat. Wenn nun die Gedanken zu einem logischen Schluss zusammengesetzt werden, so bejahen sie entweder einen Gedanken, oder verneinen ihn. Die Logik und ihre Kriterien wurden als Maßstäbe für dieses Zusammensetzen festgelegt…

Unter diesen Disziplinen (Grammatik, Metrik, Logik) wird nun aber die Logik (als Wissenschaft der gültigen Schlüsse) auf Aristoteles zurückgeführt, von dessen Meinungen und Überzeugungen manches, wie man bemerkte, nicht mit dem Islam übereinstimmt, weil er sie aus der Spekulation (d. h. aus dem reinen Vernunftgebrauch) und nicht aus der Religion heraus gewonnen hat. Zudem pflegten die Griechen und Römer zu seiner Zeit (d. h. im vierten Jahrhundert v. Chr.) die Götzenbilder und die Gestirne zu verehren.

Weiterlesen | View Comments (3)

Suche
andalusian-Themen
  • Allgemeines
  • Arif
  • Bildung
  • Christentum
  • Denker
  • Erziehung
  • Fundamentalismus
  • Geisterstunde
  • Geschlechter
  • Identität
  • Inspirationen
  • Integration
  • Islam
  • Islamkritik
  • Islamisches Leben
  • Islamisches Recht
  • Judentum
  • Koran
  • Koranische Kosmologie
  • Kunst
  • Kurzgeschichte
  • Menschenrechte
  • Musik
  • Philosophie
  • Sinn des Lebens
  • Terrorismus
  • Theologie
  • Türkçe
  • Türkei
  • Türken
  • Weltpolitik
  • Wissenschaft
feed-image

Copyright © 2009 ---.
All Rights Reserved.

Joomla template created with Artisteer.