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Identität

Kant, Goethe, Hegel, Erdoğan. Erdoğan!?

am Mittwoch, 31 Oktober 2012. Gepostet in Identität, Türkei, Türken

Jetzt noch mal Schritt für Schritt: Der türkische Premier Erdoğan stattet Deutschland einen Besuch ab und redet, wie eh und je - denkt man. Wenn er redet, dann geht es in der Regel deftig zu, und mittlerweile vergeht kaum ein Tag, an dem ich mir nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlage vor Enttäuschung über seinen politischen Kurs, der sich sowohl von Europa, als auch von einer Demokratisierung des türkischen Staates weg hin zu einer extrem unsympathischen, faktischen Alleinherrschaft entwickelt. Ein EU-Beitritt ist kaum noch Thema in seinen Reden und türkische liberale und konservative Demokraten werfen ihm vor das Thema EU, Transparenz des Staates und Demokratisierung mehr oder weniger abgehakt zu haben. Mehmet Altan, einer der wichtigsten Vordenker einer liberal-demokratischen "zweiten Republik" Türkei verließ wütend die regierungsfreundliche Tageszeitung Star, nachdem ihm nicht erlaubt wurde eine regierungskritische Kolumne zu veröffentlichen. Seitdem klebt die Star-Zeitungspolitik in einem nicht mehr erträglichen Ausmaß sklavisch an den Äußerungen Erdoğans und findet mehrmals am Tag journalistisch wertlose Beweise für die Genialität der Regierung, für die Niederträchtigkeit der CHP und das kurz bevorstehende Ende des PKK-Terrors, wie man der Star-Website entnehmen kann (eine ganze Reihe genialer Star-Kolumnisten wie Mustafa Akyol sei von dieser Kritik ausgenommen). Unlesbar sage ich da nur.

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Meine Antwort auf den offenen Brief auf turkishpress.de an mich

am Montag, 07 Mai 2012. Gepostet in Identität, Türken, Allgemeines

Auf dem Nachrichtenblog turkishpress.de, wo immer wieder Beiträge von mir als Gastbeiträge verlinkt sind, ist ein kurzer, aber sehr kritischer offener Brief an mich erschienen, auf den ich im Folgenden antworte. Diese Antwort ist auch auf turkishpress.de zu finden. Et volià:

Sehr geehrter Milo,

Ich habe Ihren offenen Brief auf turkishpress.de mit Interesse gelesen  – allerdings musste ich mir einige Male die Augen reiben um sicher zu gehen, ob Sie mich darin nicht mit jemandem verwechselt haben. Sie stellen mich in Ihrem Brief in eine Reihe mit Necla Kelek und Bassam Tibi, also namhaften Gegnern religiöser Muslime in Deutschland – und fordern, dass ich aufhören solle mich zum Sprachrohr der Intoleranz zu machen.

Das ist eine ziemlich exakte Umkehrung dessen, was ich in meinen Texten vertrete.

Und Ihre „Beweisführung“ strotzt von persönlichen Angriffen und Gedenkenleseversuchen, aber entbehrt trotz Ansätzen leider gründlich ausgeführter und differenzierter Argumente, mit denen Sie mich eigentlich leicht überzeugen könnten. Sie hätten ruhig einen etwas längeren Text schreiben können, der nicht nur Ihre Empörung, sondern auch Ihre Widerlegung meiner Thesen beinhaltet, ebenso Argumente, die Sie ohne Zweifel besitzen. Im Folgenden möchte ich sowohl Ihre Kritiken diskutieren, als auch einige Anschuldigungen zurückweisen. Zunächst aber möchte ich meinerseits kritisch zu Ihnen anmerken, dass ein offener Brief erst dann richtig charmant wird, wenn da ein Klarname daruntersteht.

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Vorbereitung auf das Leben in der Fabrik

am Mittwoch, 08 Februar 2012. Gepostet in Identität, Erziehung, Bildung

"Indem sie in der Schule schlecht sind und 'versagen', bereiten sie sich auf das Leben vor, dass sie in der Fabrik erwartet."

Mit diesem Satz fasste eine Erziehungswissenschaftlerin das Ergebnis von Studien des Sozialforschers Paul Willis aus den 70ern zu Kindern der Arbeiterschicht in England zusammen. Er hatte darin festgestellt, dass das widerständige Verhalten dieser Kinder in der Schule einhergeht mit einer Identifikation mit der Kultur der Arbeiterschicht und einer damit korrespondierenden Auflehnung gegen den schulischen Druck zur Anpassung an die etablierte Mittelschicht. Parallel zur Überzeugung dieser Mittelschicht fremd und nicht für die Schule geschaffen zu sein fand sich bei ihnen ein an der Arbeiterkultur ausgerichtetes Männlichkeitsideal und die hoffnungsvolle Aussicht in der Fortführung der Biografie ihrer Väter ebenfalls auf eigenen Füßen zu stehen und Familien gründen zu können.

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Von wegen zerrissen: Auf zum großen Mahle!

am Sonntag, 17 Juli 2011. Gepostet in Identität, Denker, Inspirationen

Wenn man sich so wie ich nicht wirklich hin- und hergerissen zwischen den beiden Kulturen fühlt, sondern das Zugehörigkeitsproblem per theoretisch reflektierter Definition und lebenspraktisch abgehärtetem Dickkopf zugunsten einer privat zentrierten und kulturübergreifend ausgerichteten Heiterkeit abgeschafft hat, dann tut es zur Befriedung des inneren Skeptikers hin und wieder ganz gut erfahrene Gewährsmänner für dieses Unterfangen zu finden. Heute ist wieder Goethe meine Wahl.

Folgende einleitende drei Strophen aus dem Nachlass zum West-östlichen Divan geben ganz gut die auch von mir angenommene und dringend weiterempfohlene These wieder, dass man einen Platz in der Welt suchen sollte, vom dem aus man gierig und maximal vom Reichtum beider Kulturen profitieren kann. Gerne füge ich dem meine sicherlich gewagte These hinzu, dass in jeder der speziell mich betreffenden Kulturen viele Dinge besonders ausgeprägt sind, die in der anderen jeweils nur schwach schimmern oder gänzlich verkümmert sind.

Was erscheint da noch klüger, als sich von den schwierigen und weniger sympathischen Seiten der jeweiligen Kulturen begründet abzuwenden und sich stattdessen eine nachvollziehbare, von Theorie geleitete und an den praktischen Erfahrungen ständig nachkorrigierte Synthese aus den starken Seiten beider Kulturen zu erlauben? Außer Faul- und Feigheit: gar nichts! Et voilà:

 

"So der Westen wie der Osten
Geben Reines dir zu kosten.
Laß die Grillen, lass die Schale,
Setze dich zum großen Mahle:
Mögst auch im Vorübergehn
Diese Schüssel nicht verschmähn.

Wer sich selbst und andre kennt
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.

Sinnig zwischen beiden Welten
Sich zu wiegen laß ich gelten;
Also zwischen Ost- und Westen
Sich bewegen, sei's zum Besten!"

(Goethe: Aus dem Nachlass zum West-östlichen Divan)

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Als Yusuf wieder zur Gitarre griff - ein Kommentar

am Samstag, 30 April 2011. Gepostet in Identität, Islamisches Recht, Musik, Islamisches Leben

"Ich glaube, dass Musik vor allem eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Viele Muslime haben ihre Vorbehalte gegen Musik, weil sie Musik nicht wirklich kennen. Sie identifizieren Musik mit etwas, das ihnen fremd ist. Ich habe ja selbst jahrelang einer sehr starken konservativen Strömung im Islam gehorcht, die besagte, dass Musik verboten ist. Aber dann habe ich mich schlau gemacht und realisiert, dass die Wirklichkeit ganz anders ist. Es war ja auch das islamische Spanien, über das mit der Gitarre das Instrument nach Europa kam, auf dem heute die Rockmusik basiert. Nein, eine der großen Naturschönheiten in Gottes Universum ist nun mal die Musik." (Yusuf Islam, 2011)

Cat Stevens hatte nach seinem Übertritt zum Islam als Yusuf Islam seiner ehemaligen Musik mit Gitarren und profanen Texten abgeschworen. Dafür konnte man nun religiösen Gesängen von Yusuf Islam lauschen, die schlicht, wunderschön, aber auch betont weltabgewandt waren. Instrumente waren bei ihm lange Zeit nicht zu hören, und seine konsequente Beschränkung auf Percussion-Instrumente wie Trommeln zeigte vor allem eines: Hier sollte Musik so betrieben werden, dass man vom Standpunkt des klassischen islamischen Rechts der Rechtsgelehrten keine prinzipiellen Einwände erheben konnte.

Ich verstand Yusuf Islams damalige Sensibilität diesbezüglich, und respektierte sie - zumal er ja einen spirituellen Neuanfang in absoluter Reinheit suchte, und seine neue Musik ja gerade auch den  religiösen Muslime verständlich machen wollte.

Aber mich, der ich mich selbst als leidenschaftlichen  Musiker und zugleich als praktizierenden Muslim verstand, hat seine klare Beschränkung auf klassisch-fiqh-kompatible Musik auch etwas traurig gemacht, wenn nicht gar verletzt. Zu gerne hätte ich damals ein paar originelle Worte von ihm über Musik gehört - Worte, die über die klassischen Meinungen von Religionsgelehrten über die schädlichen Seiten von Musik hinausgingen. Für viele von ihnen gab es nämlich eine untrennbare Verbindung zwischen dem Musizieren an sich, und den der Musik von Menschen auferlegten Bedeutungen und Verwendungen für verschiedenste Formen von Unterhaltung, die moralisch bedenklich oder gar verwerflich sein konnten.

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Nicht schweigen, sondern reden über die deutsch-türkisch-islamische Identität (im Deutschlandradio Kultur)

am Donnerstag, 17 März 2011. Gepostet in Identität, Integration, Islamisches Leben

Am 17. März war ich mit folgendem Beitrag im Politischen Feuilleton im Deutschlandradio Kultur zu lesen und zu hören:

Deutschlandweit entstehen Lehrstühle für islamische Theologie und Islamunterricht wird als ordentliches Lehrfach eingeführt. Während dessen streiten sich unsere Spitzenpolitiker in regelmäßigen Abständen darüber, ob denn der Islam nun ein Teil deutscher Kultur sei oder nicht. Eigentlich sollte die Frage heute eher lauten, in welchem Sinne, und weniger, ob er ein Teil Deutschlands ist.

Wer verneint, dass der Islam hierzulande dazugehört, beschwört meist eine Leitkultur oder eine kulturelle Identität, in der allein Platz für urdeutsche und christliche, keinesfalls aber für muslimische Elemente ist. Gleichzeitig wird die Rolle des Islams bei Integrationsproblemen oft maßlos überschätzt. Die Botschaft lautet: Ohne Islam wäre alles viel besser in Deutschland. Eine solche Botschaft bleibt freilich nicht folgenlos.

Nicht nur religiöse, sondern auch liberale und säkulare Muslime empören sich und suchen zunehmend Halt in ihrer vermuteten eigenen kulturellen Identität. Unter dem Eindruck der Integrationsdebatte festigt sich auch bei ihnen der Eindruck, dass der Islam die Grenze zwischen Deutschen und beispielsweise Türken markiere. Aber ist das wirklich so?

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Was ist meine Kultur?

am Freitag, 07 Januar 2011. Gepostet in Identität, Inspirationen

„Meine Kultur ist die Logik, mit deren Hilfe ich die Welt ordne.

 

Diese Logik habe ich nach und nach erlernt vom Augenblick meiner Geburt an,

 

und zwar durch die Gesten, die Worte und die Zuwendung derer, die mich umgaben;

 

durch ihren Blickkontakt, den Ton ihrer Stimmen;

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Die Kinder des Korans

am Samstag, 25 Dezember 2010. Gepostet in Identität, Islam, Integration, Menschenrechte, Bildung, Islamkritik, Koran, Islamisches Recht, Islamisches Leben, Geschlechter

1. Vom Anfang aller Dinge

Der Koran ist das heilige Buch des Islams. Und sein Studium ist eine äußerst lohnenswerte Sache. Als ich als Schüler eines Tages über mein Taschengeld hinaus Geld für einige neue C64-Monatsmagazine benötigte, unterbreitete ich meinem Vater einen perfiden Deal: Ich bot ihm an den Ayat-al Kursi, das ist der Thronvers des Korans, auf arabisch auswendig zu lernen – wenn ich dafür mit einer irdischen Belohnung seinerseits rechnen durfte. Etwas verwirrt sagte er zu, und nach zwei Stunden konnte ich den relativ langen Vers auswendig. Überhaupt memorierte ich auch sonst die Suren, die man für verschiedenste Gebete benötigte, am liebsten daheim in Eigenarbeit – und für gewöhnlich ohne irdische Entlohnungen. Wenn man viele Suren im Original auswendig konnte, dann erlangte man nicht nur die Anerkennung der Erwachsenen, sondern auch das Wohlgefallen Gottes.

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Die Kinder des Korans 1: Vom Anfang aller Dinge

am Samstag, 25 Dezember 2010. Gepostet in Identität, Islam, Integration, Koran

Der Koran ist das heilige Buch des Islams. Und sein Studium ist eine äußerst lohnenswerte Sache. Als ich als Schüler eines Tages über mein Taschengeld hinaus Geld für einige neue C64-Monatsmagazine benötigte, unterbreitete ich meinem Vater einen perfiden Deal: Ich bot ihm an den Ayat-al Kursi, das ist der Thronvers des Korans, auf arabisch auswendig zu lernen – wenn ich dafür mit einer irdischen Belohnung seinerseits rechnen durfte. Etwas verwirrt sagte er zu, und nach zwei Stunden konnte ich den relativ langen Vers auswendig. Überhaupt memorierte ich auch sonst die Suren, die man für verschiedenste Gebete benötigte, am liebsten daheim in Eigenarbeit – und für gewöhnlich ohne irdische Entlohnungen. Wenn man viele Suren im Original auswendig konnte, dann erlangte man nicht nur die Anerkennung der Erwachsenen, sondern auch das Wohlgefallen Gottes.

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Barış Manço bei Alfred Biolek (1982)

am Donnerstag, 23 Dezember 2010. Gepostet in Identität, Türken, Inspirationen, Musik

Meine Güte, was habe ich denn da entdeckt! Hätte es jemand je für möglich gehalten, dass Barış Manço, einer der Meister des Anadolu Rock (Anatolischer Rock) tatsächlich mal bei Alfred Biolek zu Besuch war? Und das im Jahr 1982. Damals war ich drei Jahre alt! Wie soll ich da nun den Nostalgie-Flash unterdrücken?

Barış Manço kommt das Verdienst zu eine völlig eigene Synthese aus Elementen anatolischer und kosmpolitischer Kultur geschaffen zu haben, pompös und barocken, aber immer auch kultig, authentisch und voller Liebe zum Menschen. Er war Musiker, Schauspieler und ein exzellenter Entertainer, der in diversen Fernsehsendungen den Türken die Kulturen der Welt nahebrachte, und umgekehrt auch in allen Teilen der Welt, insbesondere in Fernost, Fans für seinen anatolischen Rock gewann (hier eine Manço-Sendung in Sri Lanka). Ein meisterhafter Brückenbauer, mutig und rebellisch, aber selten grundlos provozierend. Indem er die türkische Kultur musikalisch mit der Welt verheiratete, leistete der Kosmopolit für das Image der Türken weltweit einen weitaus größeren Dienst, als es Beschwörer des Türkentums je vermocht hätten. Manço starb 1999 im frühen Alter von 56 Jahren an einem Herzinfarkt. Ich hätte ihn sehr gerne kennen gelernt.

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Vor dem Tribunal der Kulturwächter

am Sonntag, 10 Oktober 2010. Gepostet in Identität, Islam, Integration, Islamkritik

Es vergeht mittlerweile kaum eine Woche, in der nicht ein neuer Streit um die Muslime in Deutschland vom Zaun gebrochen wird. Eine der Fragen, die ich mir dabei stelle, lautet: Wie wirken sich diese hoch erregten Debatten eigentlich auf das Verhältnis der Muslime Deutschlands zur Mehrheitsgesellschaft aus? Von vielen muslimischen Bürgern - auch von jenen, die als integriert und säkular gelten - ist in solchen Zeiten zu hören, dass sie sich schon seit langem nicht mehr so türkisch, muslimisch oder einfach nur fremd in Deutschland gefühlt haben. Auch wenn dies emotional nachvollziehbar ist - ist das im Grunde nicht eine Fluchtreaktion? Eine Reaktion, die alles, wofür zahllose Deutsche wie Türken seit Jahrzehnten gemeinsam gearbeitet haben, auf einen Schlag für gescheitert erklärt?

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Zum Essay "Vom Dualismus und dem Kalifen Umar"

am Freitag, 08 Oktober 2010. Gepostet in Identität, Islam, Integration, Bildung, Islamkritik

Vor fast drei Jahren nahm ich mit meinem Essay "Vom Dualismus und dem Kalifen Umar" am Studierendewettbewerb des Bundesinnenministeriums teil. Auf diesen Wettbewerb bin ich damals durch einen Hinweis von Michael Blume im Verteiler der Christlich-Islamischen-Gesellschaft (CIG) aufmerksam geworden. Er selbst hatte dort schon einmal einen Preis gewonnen und wollte die Leser der Rundmail dazu einladen es selbst auch zu versuchen. Das Thema des Jahres lautete anlässlich der vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble initiierten Deutschen Islamkonferenz "Muslime in Deutschland - Deutsche Muslime". In einer Nacht-und-Nebel-Aktion schrieb ich meinen ersten an die Öffentlichkeit gerichteten Text über den Islam in Deutschland zusammen.  Letztlich gewann ich in der Kategorie Essays/Reportagen einen dritten Preis. Diesen Text habe ich jetzt an dieser Stelle eingestellt. Eine Pointe hierbei: Es war ein Christ, der mich auf die Idee brachte über Muslime zu schreiben. Vielen Dank, Michael!

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Vom Dualismus und dem Kalifen Umar

am Freitag, 08 Oktober 2010. Gepostet in Identität, Islam, Integration, Bildung, Islamkritik

I. Deutschland retten – aber vor was?

Plötzlich legte der Seminarleiter eine Folie mit einer vollständig in Burka gehüllten Frau auf. Unter dem Gewand streckte sie ihre Hand heraus und dem Betrachter bohrte sich der Anblick ihres vestümmelten Daumens ins Auge. Die Taliban hatten ihn abgeschlagen, weil sie ihn lackiert hatte. Übergroß, geradezu bedrohlich ragte das Bild von der geschundenen Frau über meinen Kopf. In der vorigen Woche hatte ich im Weltreligionenseminar ein Einführungsreferat über islamische Theologie und Mystik gehalten. Heute sollte ich zum Thema Mann und Frau im Islam referieren - und dies war nun die unerwartete Stimulanzie dazu. Lange hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich die Koranverse zum Thema systematisieren kann, um anschließend einige traditionelle und zeitgenössische Interpretationen vorzustellen. Das erfreuliche Ergebnis sollte sein, dass der Koran durchaus in einem sehr emanzipatorischen Sinne ausgelegt werden kann. Und nun dieses deplazierte Foto, das von mir offensichtlich einige Betroffenheitsbekundungen abverlangte.

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Wie man sich Osmanen heranzieht

am Dienstag, 17 August 2010. Gepostet in Identität, Erziehung, Türken, Bildung

Vom 7.1.2010

Der Unterricht bei Frau Rieger* an der städtischen Realschule hat gerade begonnen. Und wie die vor wenigen Wochen eingeschulten Fünftklässler am lauten und bestimmten Tonfall der Deutsch- und Geschichtslehrerin, die zugleich Schulleiterin ist, erkennen können, gibt es zuvor etwas Wichtiges zu klären. In die Richtung von Fatih blickend fängt Frau Rieger an:

„Bevor wir anfangen will ich etwas sagen. Sei dir über einige Sachen im Klaren, Fatih. Diese wären, dass ich gesehen habe, dass du in den Pausen die Mädchen belästigst und schlägst. Du kannst dieses Verhalten in der Türkei bei euren Frauen an den Tag legen. Aber mit deutschen Mädchen und Frauen kannst du nicht so umgehen wie mit türkischen Frauen.”

Völlig verwirrt widerspricht Fatih den Beschuldigungen, doch gegen diese mutige Kulturkämpferin, die dem Türken endlich klar machen will, dass hier nicht türkische, sondern deutsche Gepflogenheiten gelten, ist nicht anzukommen. Die Situation endet mit einer Ankündigung von Strafmaßnahmen bei wiederholtem Fehlverhalten und einem weinenden Fünftklässler, der zum ersten Mal einige längst fällige Worte über den fundamentalen Unterschied zwischen den beiden Kulturen, in denen er groß wird, belehrt wird.

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Drei Zugänge zum islamischen Recht

am Dienstag, 17 August 2010. Gepostet in Identität, Islam, Islamisches Recht

Vom 12.09.2009

(Fortsetzung von: Apostaten zum Tode verurteilt - durch den Islam?)

Die Situation des heutigen Islam wird meiner Meinung nach etwas klarer, wenn man drei Arten von Zugängen zum islamischen Recht unterscheidet:

1) Das islamische Recht der klassischen Rechtsgelehrten. Dazu zähle ich das systematische Recht der Rechtsschulen, wie man es in Fiqh-Handbüchern nachlesen kann. Ein großer Teil davon ist unproblematisch, insbesondere was die Gottesdienste (’ibadat) und gewisse Grundwerte und -normen in verschiedenen Lebensbereichen betrifft. Mit unproblematisch meine ich: Die meisten Muslime kämen mit ihnen klar, wenn sie davon bescheid wüssten. Aber im klassischen islamischen Recht gibt es auch schwierige Punkte, die daraus resultieren, dass man z. B. das Frauenbild oder das Verhältnis zum nicht muslimischen Ausland wie es vor über tausend Jahren war, einseitig in den Koran und den Propheten hineinprojiziert hat um es anschließend für alle Zeiten zu universalisieren. Hier ist dringender Revisionsbedarf angesagt, wenn der Islam heute würdig repräsentiert werden soll. Das Beispiel der Todesstrafe für Apostaten zeigt recht deutlich, dass auch klassisch orientierte Gelehrte wie Karaman damit so ihre Schwierigkeiten zu haben scheinen. Das bringt mich auch schon zum zweiten Zugang:

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