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Inspirationen

Von Kirche, Koran und Orgelmusik

am Dienstag, 07 Mai 2013. Gepostet in Inspirationen, Islam, Christentum, Sinn des Lebens

Gerade kam ich aus einer Veranstaltung an der Uni Tübingen und lief an der Stiftskirche vorbei, da musste ich ruckartig umdrehen und direkt in die Kirche hineinlaufen, und zwar zwischen die Bänke genau in ihre Mitte. Ich warf meinen Rucksack hin, schloss die Augen und ließ mich elektrisieren. Jemand spielte hier Orgel, aber nicht von der fröhlich in Dur trällernden Sorte, sondern, wie soll ich sagen, düster, erhaben, und majestätisch, in jedem Fall so, dass die tiefen Basstöne die Bauchregionen zum Beben bringen. Da wusste ich, ich muss jetzt sofort diesen Text schreiben. So griff der für mich unsichtbare Orgelspieler in seine Tasten, während ich auf der anderen dem mit einem Eindreschen in die Tasten meines Laptops antwortete. Dies Musik war in jedem Fall laut – aber die Lautstärke war der Wucht der Musik angemessen.

Ich war praktisch alleine hier, alleine mit dieser genialen Musik und dem klanglich perfekt dazupassenden Raum. Muslime sagen Kirchen nach, sie seien kalt und düster. Das trifft für den ersten Eindruck von dieser Kirche sicherlich zu. Doch schätze ich nicht nur die Atmosphäre von Geborgenheit und Demut, wie man sie in unseren Moscheen vorfindet, sondern auch diese eher dunkle Atmosphäre. Ja, sie ist kühl, aber gerade in Verbindung mit dieser Musik ist sie mir alles andere als unsympathisch. Sie transportiert nichts Bösartiges, sondern weckt in mir tiefe Ehrfurcht vor etwas Verborgenem und Allgegenwärtigen. Die bombastischen Orgeltöne verschwimmen manchmal ineinander, sodass das ungeübte Ohr Disharmonien vermutet, wo in Wirklichkeit verschiedene Melodiebögen zu einer gewalten Welle zusammenschmelzen um dann mit großer Wucht auf das Ufer einstürzen. Solche Orgelmusik ist religiöser Heavy-Metal.

So ähnlich stelle ich mir auch das Universum vor: wie ein großes Konzert, das in allen Tonlagen singt und faucht, aber dabei nie seine mathematische Harmonie verliert. Zwischendurch wird es still, verstummt aber nie ganz. Ein Wechsel von bedachten und stürmischen Zeiten, von Höhen und Tiefen, von Glück und Leid, von Vergänglichkeit und Wiederkehr. Ein Konzert, das von Erhabenheit, Größe und dem Mysterium handelt. Dieses Mysterium ist mir nur zu kleinen Teilen verständlich – zu seinen anderen Teilen erzwingt es meine Demut, eine Demut, mit der ich meinen Frieden gemacht habe und die den Kern meiner Religiösität ausmacht. Sie vergegenwärtigt mir täglich meine Rolle als sterblicher Winzling in dieser Welt, und dass das kosmische Konzert auch dann ertönt, wenn wir nicht da sind – und dass ich großen Gewinn habe, wenn ich davon koste, solange es mir möglich ist.

Genau in so einem Moment möchte ich das ganze Universum über mir sehen, und ich möchte mich wie auf einem Gebetsteppich zu Boden werfen vor der Macht, die die physikalische Welt webt und formt. Mich ganz klein machen und mir dabei die Größe des Meisters der Schöpfung vorstellen. Des Schöpfers und Erhalters der kleinsten und größten Dinge. Nur vor diesem werfe ich mich nieder – und tanke dabei Kraft, um mich vor nichts anderem niederwerfen zu müssen. Triebfeder sind in solchen großartigen Momenten nicht das, was die Menschen sehen wollen oder sollen, auch nicht Angst oder Verzweiflung, sondern Liebe und Leidenschaft, die Sehnsucht des Tropfens nach dem Ozean, eine Sehnsucht, die tief in mir steckt, und deren Ausbildung und Entwicklung ich als Zweck des Glaubens vermute. So möchte ich gerne werden und bleiben: suchend und flehend, betrachtend und genießend, heiter und von Freude erfüllt, selbst wenn die Entropie täglich an mir nagt, selbst in Momenten finsterster Dunkelheit. Gebt nie die Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit auf, heißt es im Koran.

Und wenn ich die wuchtigen Klängen durch den Raum schallen hören, meine ich zu verstehen, was in den heiligen Büchern gemeint ist, wenn sie berichten, wie Himmel und Erde Gott lobpreisen. So möchte eine Stimme in mir rufen: Sterne, Bäume, Wälder, Seen – lasst mich teilhaben an eurem Lobgesang! Ich möchte in euren Chor einstimmen, wie die Berge Davids es taten. Ich möchte den Götzen in mir bezwingen, dem närrischen Tanz um das goldene Kalb in mir ein Ende bereiten, um Raum zu machen für den Einen. Und wenn ich dabei immer wieder scheitere: Ihr seid meine Zeugen, dass ich eifersüchtig auf euren Lobgesang war! Aber selbst der schwachen Seele ist Barmherzigkeit in Aussicht gestellt.

So stehe ich inmitten dieser Kirche und staune darüber, wie gut man religiöse und spirituelle Gefühle auch ohne Worte und Symbole transportieren kann. Ein Blick auf die Symbole hier würde mich vielleicht irrtieren, oder gar ablenken. Denn ich verstehe sie nicht, auch wenn ich sie gut kenne und ein Stück weit erklären könnte. Sie bleiben mir dennoch fremd. Ich respektiere die Wege der anderen. Aber ich gehe meinen eigenen Weg.

Eben dies verstehe ich unter Toleranz: etwas Anderes, mir gar Fremdes wohlwollend zuzulassen, die Aufrichtigkeit seiner Anhänger zu würdigen, und der Sache selbst Achtung entgegenbringen, wo der Koran ja selbst untersagte die Götzen des Götzendieners zu schmähen. Ja, ich will die aufrichtige Sache der anderen achten - auch wenn ich sie nicht verstehe, oder mir aneignen will. Wozu auch verstehen wollen, ist dies doch meist nur eine Strategie sich das andere durch scheinbares Verstehen Untertan zu machen – entweder durch arrogante Vereinnahmung, oder durch von Halbbildung getriebene Ablehnung.

Ich glaube, dass von den verschiedenen koranischen Ansätzen hierzu der universellste Satz jener ist, der aussagt, dass Gott, wenn er es gewollt hätte, nur eine einzige religiöse Gemeinschaft zugelassen hätte, und dass er selbst die Menschen über ihre Uneinigkeiten aufklären wird, die bis zur Begegnung mit ihrem Herren untereinander im Guten wetteifern sollen, statt dämlich und besserwisserisch miteinander zu streiten. Warum sollte ich da vorschnell eingreifen wollen durch ein von meinen Vorurteilen und meinem Unwissen geleiteten „Verstehen“ als Außenstehender, statt einfach meinen von mir bevorzugten Weg weiterzugehen?

So gehe ich also meinen Weg, begegne jedoch am Wegrand immer wieder Dingen der anderen, die ich gerne in meine eigenen Schatzkammern aufnehme. Ich verstehe mir als Sammler, der täglich eingeladen ist zu großem Mahle bei Westen wie Osten. Und ich weiß, ich spreche nur für mich, wenn ich frage: Kann es irgendetwas Besseres als das auf dieser Welt geben?

Ich suche dabei sowohl Momente der rationalen Erkenntnis, aber auch der Entzückung und spirituellen Erfüllung. Und ich setze diese Fundstücke um den Kern meines Glaubens zu einem großen Ganzen zusammen.

Zeigt mir einen Weg, der für mich besser ist als dieser, und ich will ihn gehen!

Und sie passen zusammen, diese Teile, ja mehr noch: Sie berichten mir von der selben Geschichte. Zumindest glaube ich, dass es so ist. Und es ist ein Glaube, der mich weit getragen hat.

Stringtheoretiker veranschaulichen ihr Modell von der physikalischen Welt manchmal mit einer vielsaitigen Gittare. Die Welt entsteht und erwacht zu Leben, sobald Gott deren Saiten zum Erklingen bringt und sie weiter tönen lässt.

Von wegen, die Naturgesetze seien kalt und unpersönlich! Und von wegen, die Welt erscheine umso absurder, je besser wir sie verstehen!

Im Gegenteil: Die verblüffende Verstehbarkeit bzw. Beschreibbarkeit so vieler Sachverhalte in der physikalischen Welt, die nichts mir unserem biologischen Überleben zu tun haben – von Quantenfeldern bis zur kosmischen Hintergrundstrahlung – ist eine entscheidende Berechtigung für mich diese Welt als Schleier von etwas Erhabenem dahinter aufzufassen. Von etwas, das irgendetwas mit uns zu tun hat. Es ist zwar nicht Mensch, aber auch nicht allein unpersönliches Ding. Vielmehr vermute ich dahinter die Wurzel aller Dinge, unbeschränkt und erhaben, mit der man über verborgene innere Wege in Verbindung treten kann. Erlebnisse, die mal mehr, mal weniger von intesiven Emotionen begleitet sein können.

Und diesmal ist mir das in einer Kirche widerfahren – ausgerechnet, als ich gerade auf dem Weg in eine Moschee war!

Der Koran sagt: Wenn Gott Aggressoren keinen Einhalt geboten hätte, dann wären Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen Gottes Name häufig genannt wird, bestimmt zerstört worden. Ist es vielleicht dieser Moment, von dem diese koranische Aussage handelt? Und ein Hadith lehrt mich, dass die gesamte Schöpfung ein einziges Gotteshaus, ein einziger Tempel des Einen ist. Der Islam hat mich entbunden von der Anbetung von Orten und Dingen. Er hat meine Aufmerksamkeit auf Himmel und Erde gelenkt. Und mich gelehrt, dass der Gottesdienstwillige nicht Sonne und Mond, sondern einzig deren Schöpfer, also die fundamentalste aller Ursachen verehren und anbeten soll. Diese so beschriebene Welt ist gut und sie ist voller natürlicher Gebetsnischen – Nischen, die in meiner Welt nicht nur die Form von gebetstauglichen Orten, sondern auch von ergreifender Musik, oder spirituellen Momenten annehmen können.

Und ja: Es muss die selbe Welt sein, von der die mathematischen Modelle der theoretischen Physik, die gewaltige Orgel hier und die koranische Besingung des Einen, der uns näher als unsere Halsschlagader ist, letztlich handeln! Meine Sehnsucht gilt der Schauung dieser Einheit. Diese Schauung erfolgt aber nicht allein durch Vernunft. Nein, Vernunft hat hier höchtstens vorbereitenden Charakter, der die Wellen bis zum Ufer treibt und dann das Aufschlagen dem unabwendbaren Lauf der Dinge überlässt - ein Ereignis, das verkannt würde, wenn es einfach nur „begriffen“ wird. Also weg mit den Griffeln! Vernunftlose Erkenntnis nannte Tolstoi dieses Erleben – etwas, das er nach vielen Jahren der Glaubensskepsis und Depression als Wiedererwachen seines Kindheitsglaubens erfuhr. Dieser lange absente Glaube war zu ihm in fortgeschrittenem Alter in gereifter Form wiedergekehrt – und er wandte sich der Theologie und der Traditionskritik zu. Aber was die ungebändigte Freude am Glauben anbelangt, war er wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt.

Von vernunftloser Erkenntnis sprach Tolstoi also - vernunftlos bedeutet hier jedoch nicht etwa vernunftwidrig, oder von einer Art, dass man sich einbildet etwas zu sehen, oder zu hören, was nicht da ist. Vielmehr ist damit ein höchst subjektiver, spontaner und intimer Moment gemeint, in dem sich das Verhältnis des Endlichen und Kleinen zum Unermesslichen zeigt, also ein Moment, in dem man Zeuge der Einbettung des Vergänglichen in das Unvergängliche zu werden scheint.

Ja, es ist ein schwer fassbarer Eindruck, es ist subjektiv, aber zeigt sich mir und anderen als nicht minder real und beständig als andere alltägliche Erfahrungen. Eben eine solche Qualität kann jedoch nur erlebt, und nicht berechnet werden. Ist sie vielleicht ein Nachhall der tief irgendwo in unsere Seele (was immer das auch ist) eingravierten Begegnung mit unserem Schöpfer vor unsem irdischen Dasein, in der Gott zu den Seelen sprach Bin ich nicht euer Herr, worauf diese antworteten Ja, das bist du.Ich weiß freilich nicht, ob es eine solche Erinnerung ist, wie Mystiker vielleicht vermuten würden. Aber ich weiß, dass das, was manche als Ehrfurcht vor dem Leben und andere als Ehrfurcht vor dem Menschen bezeichnen, in meiner Welt ihre Wurzel in der Ehrfurcht vor dem Schöpfer hat. Liebe zu den Geschöpfen um deren Schöpfer willen – so umschreiben es die anatolischen Mystiker.

Die ersten Teilnehmer des Abendgottesdienstes treffen ein. Ich verlasse diese Kirche, dankbar für diese unglaubliche halbe Stunde, und gehe erfüllt und zufrieden meinen eigenen Weg...

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Zum Geburtstag des Propheten: Ein "Mevlid" von Goethe

am Sonntag, 13 Februar 2011. Gepostet in Inspirationen, Denker, Islamisches Leben

Kandiliniz mübârek olsun - eine gesegnte Lichternacht... Die islamische Frömmigkeit gedenkt vielerorts in der heutigen Nacht (23. Jan. 2013) des Geburtstages des Propheten Mohammed. Ich habe das zum Anlass genommen folgenden älteren Text oben einzustellen...

Im Folgenden präsentiere ich euch eine meiner Lieblings-Neuentdeckungen der letzten Monate, nämlich ein Gedicht von Goethe, das vom Propheten Mohammed handelt und mich immer wieder überwältigt. Denn es drückt etwas über den Propheten aus, was auch ich empfinde, aber wofür ich ehrlich gesagt nicht die passenden Worte finde.

Zum Hintergrund: Goethe arbeitete in seinem 23. Lebensjahr an einer Tragödie, in der der Prophet Mohammed die Hauptrolle spielen sollte. Dieses Werk wurde nicht vollendet, jedoch sind einige Fragmente davon erhalten. Über diese schreibt Katharina Mommsen: "Schon bezüglich dieser Fragmente ist jedoch zu sagen, dass sie die bedeutsamste Huldigung darstellen, die jemals ein Dichter in Deutschland dem Begründer des Islam dargebracht hat." (Goethe und der Islam, S. 48). Damit ist insbesondere das Preislied "Mahomets Gesang" gemeint.

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Gedankensplitter über Himmel, Erde, und das dazwischen

am Donnerstag, 03 Januar 2013. Gepostet in Inspirationen, Theologie, Philosophie

Das ist aus meinem Twitter-Experiment herausgekommen. Ich habe immer dann geschrieben, wenn mich etwas beschäftigt hat: Bei der Arbeit, beim Nachdenken, beim Nachrichtenlesen, beim Abgammeln - die Reihenfolge lautet: je weiter unten, umso älter. Man bedenke, dass Tweets auf Twitter auf 140 Buchstaben beschränkt sind. Here we go:

1. Der effektivste Weg den Islam zu beleidigen: Allen sagen, dass man ein Moslem ist, und sich anschließend benehmen wie ein Gorilla.

2. Religion: Nicht Enttäuschung über das, was uns fehlt, sodern Dankbarkeit für das, was uns bleibt..


3. Religion: Nicht Enttäuschung über das, was uns fehlt, sodern Dankbarkeit für das, was uns bleibt.. (Oh, das war eine Wiederholung merke ich gerade...)


4. Religion: Nicht wissen, was Gott ist, sondern wissen, wie man sich zu ihm verhält. Das Verhalten definiert die Beziehung, nicht das Wissen..


5. Denken: Sich im Raum der Gedanken orientieren. Gedanken: Gegenstände unseres Geistes. Unser Geist: Der Boden, an dem sich der Spaten biegt..


6. Kann man denken, ohne sich innerlich an einem imaginären Publikum orientieren zu müssen? Andererseits: Kann man überhaupt ohne andere denken?

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Der Koran über die Diener des Erbarmers

am Sonntag, 20 Mai 2012. Gepostet in Inspirationen, Koran, Islamisches Leben

Hier die eingängige koranische Beschreibung der Diener des Erbarmers ('ibâd ar-Rahmân) aus Sure 25, Verse 63-76. Ich möchte diese Verse als Einladung an mich lesen mein eigenes spirituelles und moralisches Selbst an diesen durchaus zeitlosen Kriterien zu messen und zu erziehen (Anmerkungen folgen).

"Und Diener des Erbarmers sind diejenigen, welche auf Erden bescheiden auftreten; wenn die Ahnungslosen sie anreden, entbieten sie ihnen den Friedensgruß.

Und diejenigen, welche die Nacht verbringen, vor ihrem Herrn sich niederwerfend und (im Gebet) stehend.

Und diejenigen, welche bitten: 'O unser Herr! Wende von uns die Strafe der Hölle ab; denn diese Strafe ist ewige Pein. Schlimm als Bleibe und Ruhestatt!'

Und diejenigen, welche beim Spenden weder verschwenderisch noch geizig sind, sondern die richtige Mitte dazwischen einhalten;

und diejenige, welche neben Gott keinen anderen Gott anrufen und niemand töten, wo Gott doch zu töten verboten hat, außer nach Recht und Gesetz;

und die keine Unzucht begehen; Wer solches tut, findet Strafe. Verdoppelt soll ihm die Strafe am Tage der Auferstehung werden, und er soll entehrt ewig darin verweilen.

Außer denen, die bereuen und glauben und gute Werke tun; denn deren Böses wird Gott in Gutes umwandeln. Und Gott ist verzeihend und barmherzig.

Und wer bereut und Gutes tut, der wendet sich Gott zu.

Und diejenigen, die kein falsches Zeugnis ablegen.

Und diejenigen, welche mit Würde weitergehen, wenn sie unterwegs frivole Reden hören.

Und diejenigen, die nicht wie taub und blind niederfallen, wenn sie mit der Botschaft ihres Herrn ermahnt werden.

Und diejenigen, welche bitten: 'O unser Herr! Gib uns an unseren Ehepartnern und Nachkommen Augentrost, und mache uns zu Vorbildern für die Gottesfürchtigen!'

Das sind jene, die mit den obersten Gemächern (des Paradieses) für ihre Standhaftigkeit belohnt werden und dort mit Willkommensgrüßen und im Frieden empfangen werden sollen.

Ewig sollen sie dort verweilen - eine schöne Ruhestatt und Bleibe..."

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Warum man laut Râbi'a Gott anbeten sollte

am Montag, 09 April 2012. Gepostet in Inspirationen, Sinn des Lebens, Islamisches Leben

Dies ist eine der berühmtesten Erzählungen über die islamische Sufi-Meisterin Râbi'a al-'Adawiyya (gest. 801 n. Chr.), die auf den Punkt bringt, was das höchste Ziel des Muslims sein sollte:

"Man sah sie in den Straßen von Basra, mit einem Eimer in der einen Hand und einer Fackel in der anderen. Gefragt, was das bedeute, antwortete sie: Ich will Wasser in die Hölle gießen und Feuer an das Paradies legen, damit diese beiden Schleier verschwinden und niemand mehr Gott aus Furcht vor der Hölle oder in der Hoffnung aufs Paradies anbete, sondern nur noch um Seiner ewigen Schönheit will."

(zitiert nach Annemarie Schimmel: Gärten der Erkenntnis, S. 21)

Hier noch etwas von mir: Jenseits, Pflichtstreben und Glücksstreben bei Kant und im Koran

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Yunus Emre und der grenzenlose Fürst

am Mittwoch, 28 März 2012. Gepostet in Inspirationen, Sinn des Lebens, Theologie

Das Auge, das Dich sah -
Was soll es noch betrachten?
Die Seele, die Dich fühlt,
Soll sie des Leibes achten?

Du bist ein reicher Fürst
Hast Grenze nicht noch Ende,
Der Stift beschreibt Dich nicht -
Wie soll's die Zunge sagen?

Wer Dir zum Diener ward,
Wer Dir sein Herz geschenkt,
Wer Dich im Herzen fand -
Wohin soll er noch reisen?

(Übersetzung eines Gedichts des anatolischen Mystikers und Volksdichters Yunus Emre (gest. ca. 1321 n. Chr), in: Annemarie Schimmel, Ausgewählte Gedichte von Yunus Emre, Köln 1991, S.119)

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Avicenna mit sechzehn Jahren

am Dienstag, 06 Dezember 2011. Gepostet in Inspirationen, Wissenschaft

Dies ist eine meiner Lieblingsstellen aus Ibn Sinas autobiografischem Bericht:

"Ich aber widmete mich dem Studium der Bücher,

der Grundtexte wie der Kommentare,

aus den Gebieten der Naturwissenschaft und Metaphysik,

und die Tore der Wissenschaft taten sich vor mir auf..."

(nach Gotthard Strohmaier: Avicenna, München 2006, S.23)

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Steve Jobs über das Wesentliche im Leben (Standford-Rede 2005)

am Freitag, 07 Oktober 2011. Gepostet in Inspirationen, Sinn des Lebens

Weder interessiere ich mich für Apple, noch für von Medien inszenierte Hypes um prominente Persönlichkeiten. Doch nun habe ich mir, nachdem alle Welt vom kürzlich verstorbenen Apple-Begründer Steve Jobs spricht, doch noch seine im Jahr 2005 vor College-Absolventen in Standford gehaltene Rede durchgelesen - und war begeistert. Die Rede ist freilich sehr zugespitzt und idealisiert, aber eben doch auch begeisternd, weil Jobs hier aus eigener Erfahrung berichtend den Blick auf einige wesentliche Dinge im Leben herausarbeitet - dabei geht es um größere Zusammenhänge im Leben, Liebe und Tod. Und mal ehrlich: Muss man nicht manche Dinge zuspitzen, damit sie aus dem Einheitsbrei des Alltags hervorstechen und Wirkung zeigen? Es folgt eine Übersetzung der Rede von Steve Jobs in einer etwas gekürzten Übersetzung des dpa. Hier geht es zum Originaltext auf der Seite der Stanford University und hier zum Video auf Youtube. Einfach toll!

"Ich fühle mich geehrt, heute mit Ihnen bei der Abschlussfeier in einer der besten Universitäten der Welt zu sein. Ich habe nie eine Hochschule abgeschlossen. Um ehrlich zu sein, jetzt komme ich einer College-Abschlussfeier noch am nächsten. Heute möchte ich Ihnen drei Geschichten aus meinem Leben erzählen. Das ist alles. Keine große Sache. Nur drei Geschichten.

Bei der ersten geht es darüber, die Punkte zu verbinden.

Ich habe das Reed College nach sechs Monaten verlassen, und dann noch 18 Monate frei besucht, bevor ich das Studium endgültig abgebrochen habe. Warum habe ich nicht weitergemacht?

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In Gedanken versunkener Derwisch

am Montag, 12 September 2011. Gepostet in Inspirationen, Kunst

Mit freundlicher Genehmigung des großartigen türkischen Malers Ilhami Atalay, eines in der Türkei vom laizistischen Establishment und muslimischen Mainstream allein Gelassenen (alle Rechte vorbehalten)

 

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Schönes Istanbul!

am Mittwoch, 31 August 2011. Gepostet in Inspirationen, Türkei

Ich sitze gerade in einem schattigen Café unmittelbar beim Dolmabahçe-Palast am Ufer des Bosporus. Es ist angenehm warm und sonnig - eine milde Brise sorgt für die nötige Erfrischung. Große Möwen zeichnen virtuos geschwungene Linien an den Himmel und kommen uns manchmal so nah, dass man unwillkürlich zusammenzuckt. Die Wellen des Wassers wiegen unentwegt und klatschen sanft auf das bemooste Stein am Ufer. Auf der anderen Seite des goldenen Horns zeichnet sich die Silhouette der Hagia Sophia und der Sultanahmet Moschee ab. Dampfer, Schiffe und Boote ziehen in verschiedenste Richtungen friedlich über den Kanal. Hinter mir erzählt eine ältere türkische Frau mit grandios verrauchter Stimme ihrer Freundin unterhaltsame Geschichten und ich muss immer wieder über ihr heiser-heiteres Gelächter schmunzeln. Ein Tisch weiter sitzt eine Familie und wartet auf ihren Schwarztee, während eine Katze bedächtig zwischen ihren Stühlen umherschleicht.

Am Ende des Cafés steht eine geradezu barockene Moschee, die nur aus einer Kuppel und dem darunterliegenden würfelförmigen Bau zu bestehen scheint und mit reichlich viel Fenstern versehen ist. Teilweise kann man durch die Moschee geradezu hindurchsehen. Mit der halbkreisförmigen Fensterführung erinnert sie mich an eine große englische Turmuhr, an eine Art Big Ben. Die Moschee ist europäisch inspiriert, so wie auch der prunkvolle Dolmabahçe-Palast zu meiner Linken, den die Osmanen in der Mitte des 19. Jahrunderts bauen ließen. Sowohl das Äußere des Palastes, als auch der Moschee weisen eine Art Barock- bzw. Jugendstil auf, der detailreich, aber farblich schlicht und hell gehalten ist. Das erinnert mich sehr an den Stil, der mich schon in meiner barockenen Geburtsstadt Ludwigsburg begeistert und geprägt hat.

Kaum zu glauben, dass die osmanischen Kalifen am Bosporus im 19. Jahrhundert von dieser Kunst offensichtlich ebenso fasziniert waren, wie ich es heute oft bin. Nun sitze ich hier also im Café zwischen barocken-osmanischer Baukunst, zu meiner Rechten lockt mich ein köstlicher Kaffee, der Gebetsruf ertönt gerade von allen Seiten, vor mir steht ein Laptop mit geladenen Akkus, und mit meinen Beinen gegen den Bospours ausgestreckt denke ich mir: Würde man mich in erschöpften Momenten fragen, wo ich gerne wäre, dann würde ich womöglich einen Ort wie diesen beschreiben...

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Kann ein Mensch zugleich glauben und zweifeln?

am Samstag, 27 August 2011. Gepostet in Inspirationen, Erziehung, Koran, Islamisches Leben, Theologie

Der Prophet Abraham ist eine der Schlüsselfiguren des Korans und in vielerlei Hinsicht der Prototyp des idealen gottergebenen Gläubigen. Dass dieser Glaube einerseits Ergebenheit (arabisch: islâm) erfordert, bedeutet mitnichten, dass dafür erst die Vernunft aufgeopfert werden müsste. Folgende für mich persönlich sehr bedeutsame Passage im Koran verdeutlicht, dass es weder unerwünscht, noch Sünde ist selbst an die Selbstverständlichkeiten des Glaubens offensiv genau jene Fragen zu richten, die einen - aus welchen Gründen auch immer - beschäftigen (nach Henning/Hofmann - Einfügungen von mir) :

"Und als Abraham sprach: 'Mein Herr, zeige mir, wie du die Toten lebendig machst!',

sprach er [Gott]: 'Glaubst du etwa noch nicht?'

Er [Abraham] sagte: 'Doch! Aber ich möchte in meinem Herzen ganz sicher sein...." (2:260)

Dies als beruhigender Hinweis an all jene, die sich als gläubig verstehen, aber zugleich offene Fragen oder Anflüge von Zweifeln innerhalb ihres Glaubens haben, die ihnen als Zeichen eines schwachen Glaubens vorkommen und sie deswegen unglücklich machen - und als Warnung an all jene, die versuchen geraden den jungen Fragenden ein schlechtes Gewissen für ihre legitime Neugier zu machen. Wenn selbst der Prophet Abraham, der im Koran als gutes Vorbild für die Muslime gilt, seinen Herren und Schöpfer respektvoll, aber ohne Umschweife dazu auffordert seinem Herzen Sicherheit (oder: Befriedigung) durch - in diesem Fall - empirische Erkenntnis zu schenken, dann kann es auch uns nicht verwehrt sein genau dort gezielt Nachforschungen anzustellen, wo wir Fragen haben und das Bedürfnis nach Klärung und Sicherheit verspüren. Ich will im Übrigen nicht behaupten, dass Abraham Zweifel im heutigen Wortsinn hatte, sondern nur, dass seine Frage an Gott eine Verwandschaft hat mit der fragenden Stimme im Gläubigen, die bei dem einen öfter, bei dem anderen seltener auftaucht und nach Antworten sucht. Ob man diese Fragen als Zweifel bezeichnen will, ist aus meiner Sicht eine Frage der Definition und daher nicht so interessant. Mir geht es hier um etwas anderes: Die Suche nach einer Einheit von Herz und Verstand ist zu wertvoll, als dass sie aufgrund mangelnder Unterstützung von außen vorzeitig abgebrochen werden sollte. Andererseits kann man als Gläubiger bei dieser Suche wiederum Beistand im Glauben suchen, oder wie es in zwei prägnanten koranischen Gebeten heißt:

"Mein Herr! Mehre mein Wissen!" - "rabbî zid nî 'ilmâ" (20:114)

"Mein Herr! Gib mir Urteilskraft und vereinige mich mit den Rechtschaffenen" - "rabbî hablî hukman va alhiqnî bis-salihîn" (26:83)

In diesem Sinne...

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Wenn alle Meere Tinte wären...

am Montag, 08 August 2011. Gepostet in Inspirationen, Koran

"Sehr ihr denn nicht, dass euch Gott alles in den Himmeln und auf Erden dienstbar machte und Seine Gnade über euch ausgoss, sichtbar und unsichtbar? ..." (31:20)

 

"Und wenn alle Bäume auf Erden Schreibfedern wären und das Meer (als Tinte) danach von sieben Meeren nachgefüllt würde: Gottes Worte wären nicht erschöpft! Siehe, Gott ist mächtig und weise." (31:27)

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Von wegen zerrissen: Auf zum großen Mahle!

am Sonntag, 17 Juli 2011. Gepostet in Inspirationen, Identität, Denker

Wenn man sich so wie ich nicht wirklich hin- und hergerissen zwischen den beiden Kulturen fühlt, sondern das Zugehörigkeitsproblem per theoretisch reflektierter Definition und lebenspraktisch abgehärtetem Dickkopf zugunsten einer privat zentrierten und kulturübergreifend ausgerichteten Heiterkeit abgeschafft hat, dann tut es zur Befriedung des inneren Skeptikers hin und wieder ganz gut erfahrene Gewährsmänner für dieses Unterfangen zu finden. Heute ist wieder Goethe meine Wahl.

Folgende einleitende drei Strophen aus dem Nachlass zum West-östlichen Divan geben ganz gut die auch von mir angenommene und dringend weiterempfohlene These wieder, dass man einen Platz in der Welt suchen sollte, vom dem aus man gierig und maximal vom Reichtum beider Kulturen profitieren kann. Gerne füge ich dem meine sicherlich gewagte These hinzu, dass in jeder der speziell mich betreffenden Kulturen viele Dinge besonders ausgeprägt sind, die in der anderen jeweils nur schwach schimmern oder gänzlich verkümmert sind.

Was erscheint da noch klüger, als sich von den schwierigen und weniger sympathischen Seiten der jeweiligen Kulturen begründet abzuwenden und sich stattdessen eine nachvollziehbare, von Theorie geleitete und an den praktischen Erfahrungen ständig nachkorrigierte Synthese aus den starken Seiten beider Kulturen zu erlauben? Außer Faul- und Feigheit: gar nichts! Et voilà:

 

"So der Westen wie der Osten
Geben Reines dir zu kosten.
Laß die Grillen, lass die Schale,
Setze dich zum großen Mahle:
Mögst auch im Vorübergehn
Diese Schüssel nicht verschmähn.

Wer sich selbst und andre kennt
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.

Sinnig zwischen beiden Welten
Sich zu wiegen laß ich gelten;
Also zwischen Ost- und Westen
Sich bewegen, sei's zum Besten!"

(Goethe: Aus dem Nachlass zum West-östlichen Divan)

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Das arabische Wunder (Sigrid Hunke)

am Dienstag, 05 Juli 2011. Gepostet in Inspirationen, Islamisches Leben, Wissenschaft

Ein guter Freund hat mich mal gefragt, woher ich eigentlich meinen Optimismus in Sachen Vermittlung zwischen den Kulturen und einer zeitgemäßen Aufarbeitung des Islams bezöge, wo sich da draußen doch oft ein frustrierendes und trostloses Bild böte. Nun, vielleicht vermitteln folgende Zeilen von Sigrid Hunke zur Geschichte von Wissenschaft und Gelehrsamkeit im Islam einen Eindruck davon, was meinen Optimismus antreibt (wobei dieses Thema bei weitem nicht meine einzige Motivationsquelle ist). Dazu sei gesagt, dass ich so etwas durchaus differenziert betrachte - ich hasse es zu idealisieren, vielleicht weil mir Wahrheit attraktiver erscheint als Einfachheit. Ferner verwende ich das Folgende nicht um mich stolz auf eine Vergangenheit zu machen oder um etwaige Komplexe gegenüber dem "Westen" zu verarbeiten - warum sollte ich denn auch, sehe ich mich doch mit als ein Teil dieses Westens!

Nein, ich fasse das Folgende als ganz konkrete Handlungsaufforderung an mich selbst auf, freilich unter heutigen Bedingungen und unter Abstraktion vom damaligen politischen Kontext. Und das meine ich verdammt ernst. Der Inhalt folgender Zeilen gehört mit zu meinen Kriterien, an dem ich jeden messe, der heute im Namen des Islams reden möchte. Wer nicht den Horizont und den Glauben hat das Folgende als ernsthafte Perspektive auch für hier und heute zu betrachten, den nehme ich einfach nicht zu ernst. Punkt.

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Der Koran über das Universum, den Menschen und den Sinn des Lebens

am Mittwoch, 22 Juni 2011. Gepostet in Inspirationen, Koran, Sinn des Lebens

"Sehen die Leugner denn nicht, dass die Himmel und die Erde eine einzige Masse waren, die Wir (Gott) spalteten,

und dass Wir dann aus dem Wasser alles Lebendige entstehen ließen?

Wollen sie denn nicht glauben?

Und Wir setzten festgegründete Berge auf die Erde, damit sie nicht mit ihnen wanke.

Und Wir machten auf ihr breite Täler als Wege, damit sie sich zurechtfinden.

Und Wir machten den Himmel zu einem wohlbehüteten Dach. Doch sie kehren sich von seinen Zeichen ab.

Und Er ist es, der die Nacht erschuf und den Tag, die Sonne und den Mond; jeder schwebt auf seiner Bahn.

Und Wir gaben auch vor dir (o Mohammed) keinem Menschen Unsterblichkeit.

Darum werden sie wohl ewig leben, während du stirbst?

Ein jeder wird den Tod erleiden.

Und Wir stellen euch auf die Probe, mit Bösem und Gutem.

Und zu uns kehrt ihr zurück." (Der Koran, 21:30-35)

(nach Henning/Hofmann)

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