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Islamisches Leben

Zum Geburtstag des Propheten: Ein "Mevlid" von Goethe

am Sonntag, 13 Februar 2011. Gepostet in Islamisches Leben, Denker, Inspirationen

Kandiliniz mübârek olsun - eine gesegnte Lichternacht... Die islamische Frömmigkeit gedenkt vielerorts in der heutigen Nacht (23. Jan. 2013) des Geburtstages des Propheten Mohammed. Ich habe das zum Anlass genommen folgenden älteren Text oben einzustellen...

Im Folgenden präsentiere ich euch eine meiner Lieblings-Neuentdeckungen der letzten Monate, nämlich ein Gedicht von Goethe, das vom Propheten Mohammed handelt und mich immer wieder überwältigt. Denn es drückt etwas über den Propheten aus, was auch ich empfinde, aber wofür ich ehrlich gesagt nicht die passenden Worte finde.

Zum Hintergrund: Goethe arbeitete in seinem 23. Lebensjahr an einer Tragödie, in der der Prophet Mohammed die Hauptrolle spielen sollte. Dieses Werk wurde nicht vollendet, jedoch sind einige Fragmente davon erhalten. Über diese schreibt Katharina Mommsen: "Schon bezüglich dieser Fragmente ist jedoch zu sagen, dass sie die bedeutsamste Huldigung darstellen, die jemals ein Dichter in Deutschland dem Begründer des Islam dargebracht hat." (Goethe und der Islam, S. 48). Damit ist insbesondere das Preislied "Mahomets Gesang" gemeint.

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Zum Ramadan-Abschluss

am Samstag, 18 August 2012. Gepostet in Islamisches Leben, Allgemeines

Hier einige Gedanken zum Abschluss des Ramadan vom Mitblogger Erbil, die er als Kommentar zu meinem Ramadan-Artikel verfasst hat:

"Selam lieber Hakan und die anderen Leser dieses wunderbaren Blogs,

ich möchte gerne noch meine Gedanken zu dieser vorzüglich umfassenden, jedoch nicht überladenen Beschreibung des Ramadan hinzufügen.

Jahrelang habe ich als Heranwachsender im Elternhaus (klassisch, türkische Gastarbeiterfamilie mit tscherkessischen Wurzeln) gefastet. Mit dem Auszug zum Studium und des damit einhergehenden Schleifenlassen des Fastens und anderen Gewohnheiten, hatte ich die letzten Jahre nicht mehr gefastet. Auch nachdem ich selbst Vater geworden war, wollte sich nicht mehr so richtig ein Bezug zum Fasten einstellen.
So langsam, mit 40 Jahren, viel Nachdenken und Versuchen der Selbstreflektion, lerne ich es aber neu kennen und schätzen. Es gibt einen weiteren - wie mir scheint - wichtigen Aspekt des Fastens. Die Entschleunigung und das Ablegen von viel mentalem Ballast, der uns umgibt und ständig anhaftet. Auch dieser wird mit weggehungert.

Neben dem Geist verschärft sich u.a. auch der Geruchssinn wieder.
Spaziergänge vor dem Fastenbrechen mit bewusstem Riechen werden so wieder zu einem ganz besonderen Erlebnis."

Ich kann dem nur noch hinzufügen, dass auch ich bei Spaziergängen während dem Fasten immer wieder auf verborgene, aber sehr interessante Details in den Straßen, Häusern und Gärten auf meinen täglichen Routen aufmerksam werde.

In diesem Sinne, auf ein neues, entschleunigtes Jahr ohne mentalen Ballast, und mit viel Zeit für seine Liebsten und die wesentlichen Dingen im Leben.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Ramadan-Fest vom Sonntag bis zum Dienstag.

Bayramınız mübarek olsun, 'îd mubârak!

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Einen gesegneten Ramadan!

am Freitag, 20 Juli 2012. Gepostet in Islamisches Leben, Türkçe

Es folgt ein sehr amüsanter Motivationstext (auf Türkisch) zum heute beginnenden Sommer-Ramadan eines muslimischen Autors, der freitags bei Taraf unter dem Pseudonym "Ramazan Rasım" schreibt. Einfach toll! Ich habe aus diesem Text folgendes Motto für diesen Ramadan abgeleitet: Vergiss die bescheuerten Debatten den Medien und strafe sie mit maximaler Gleichgültigkeit. Genieße die kommende Zeit der frühmorgendlichen Sahurs, der abendlichen Iftars, der täglichen Gemeinschaft mit Familie und Freunden. Stelle dich der sicher auch anstrengenden Momente (aber scheue dich auch nicht im Zweifelsfall die Erleichterungen im Sinne der ebenfalls gebotenen Gesunderhaltung zu nutzen). Nutze die Chance zu einem spirituellen Neubeginn und einer Neubesinnung. Mache das, was sonst niemand macht, und wofür man dich eigentlich für verrückt erklären müsste. Und lass dir von nichts und niemandem die Laune verderben. Und gedenke deiner ersten Ramadanerfahrungen in deiner Kindheit. In diesem Sinne: allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Ramadan! (hier noch ein Text von mir zum Ramadan).

Ramazan Rasım schreibt:

"Bugün itibariyle kampa giriyoruz.

Bir ay boyunca nefisler sıkı bir idman yapacak, kondisyon tutacak.

Midemiz köfte, bağırsağımız şeftali, boğazımız karpuz isteyecek. Kulağımıza gelen yakası açılmadık bir havadis, başka kulaklara yayılmak için dilimizi kamaştıracak. Trafikte önümüze kıran şoför hakkında beynimiz her zamankinden daha yaratıcı küfürler bulacak. Aklımıza hiç denenmemiş “bugün işe gelemiyorum” yalanı gelecek. Beş insan büyüklüğündeki Adriana Lima, kuma uzandığı billboarddan gözlerimize davetkâr bir bakış fırlatacak.

O sırada Allahu Tealanın sesini duyacağız yine: Âdem oğlunun her ameli kendisi için, yalnız orucu benim içindir.

O halde oruç “Allah’ı mı daha çok seviyorsun nefsini mi?” sorusuna verilen en net yanıttır.

Etrafınızda size acıyan dostlarınız olacak. Onlara “Bana acımayın. Ben Afrikalı bir aç değil, cennette (eğer tabii TOKİ oraya da el atmazsa) villalar inşa ettiren kurnaz bir müteşebbisim” deyin.

“İftara kaç saat kaldı” diye güya sizinle dayanışmaya çalışırken gerilimi artıranlar olacak. Onlara “Allah’a hesap vermeye kaç saat kaldı” gibi kontr ataklarla karşılık verin.

Sık sık “Bu sıcakta vallahi işiniz zor” diyip vahlananlar olacak. Onlara “Vallahi size de helal olsun, o sıcaklarda sizin işiniz de zor olacak” diye takılın. (Tamam, tamam çok kötücül oldu, o kadarını yapmayın bari)

O kadar saat aç kaldıktan sonra tam sofra başına oturmuşken “Ama öyle çeşit çeşit yemeklerle oruç açılmaz” diye bir de takva dersi verenleri ise o taze patlıcanla, biberle yapılmış çömlekteki yaz güvecinden aldığınız ilk lokmadan sonra hatırlamayacaksınız bile.

Ağzınızın suyunu sildiyseniz devam edebiliriz.

Televizyonlardaki “muhabbetle kalın”lı, “değerli hocam”lı, altın varaklı programlardan, laik gazetelerin hidayet promosyonlarından, “Kabe’nin yolları bölük bölüktür” kıvamındaki Ramazan sayfalarından, “oruçlu adam dehşet saçtı” haberlerinden uzak durun.

İlahi Taraf geldi, batıl zail oldu.

Bizzat Allah için tuttuğunuz orucunuzla aranıza, Çanakkale’de cepheye gidiyormuş telaşesinde oruca hazırlık tavsiyeleri veren doktorları, orucu neyi bozup neyin bozmadığı konusundaki örnek vakaları artık ancak bilim kurgunun konusu olabilecek fıkıhçıları sokmayın.

İftar sofralarında kolektif oyuna, sahur sofralarında taktiğe, teravih için seçilen camide hatim indirilip indirilmediğine aman dikkat.

Geriye kalıyor 15 saatlik bir açlık. Bu yazıyı okurken bile 2 dakikası geçiverdi baksanıza.

Yeis yok. Yapamam, edemem yok. Yeşil sahanın ortasında omuz omuza verip birbirimize söz veriyoruz. Nefs İdman Yurdu Spor olarak yeni oruç sezonuna hazırız. Bu sezon gözümüzü kupaya diktik. Kadir Gecesi gülen taraf inşallah biz olacağız.

Haydi göreyim sizi. Ama bir zahmet iftardan sonra..."

(Quelle: www.taraf.com.tr)

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Der Koran über die Diener des Erbarmers

am Sonntag, 20 Mai 2012. Gepostet in Islamisches Leben, Koran, Inspirationen

Hier die eingängige koranische Beschreibung der Diener des Erbarmers ('ibâd ar-Rahmân) aus Sure 25, Verse 63-76. Ich möchte diese Verse als Einladung an mich lesen mein eigenes spirituelles und moralisches Selbst an diesen durchaus zeitlosen Kriterien zu messen und zu erziehen (Anmerkungen folgen).

"Und Diener des Erbarmers sind diejenigen, welche auf Erden bescheiden auftreten; wenn die Ahnungslosen sie anreden, entbieten sie ihnen den Friedensgruß.

Und diejenigen, welche die Nacht verbringen, vor ihrem Herrn sich niederwerfend und (im Gebet) stehend.

Und diejenigen, welche bitten: 'O unser Herr! Wende von uns die Strafe der Hölle ab; denn diese Strafe ist ewige Pein. Schlimm als Bleibe und Ruhestatt!'

Und diejenigen, welche beim Spenden weder verschwenderisch noch geizig sind, sondern die richtige Mitte dazwischen einhalten;

und diejenige, welche neben Gott keinen anderen Gott anrufen und niemand töten, wo Gott doch zu töten verboten hat, außer nach Recht und Gesetz;

und die keine Unzucht begehen; Wer solches tut, findet Strafe. Verdoppelt soll ihm die Strafe am Tage der Auferstehung werden, und er soll entehrt ewig darin verweilen.

Außer denen, die bereuen und glauben und gute Werke tun; denn deren Böses wird Gott in Gutes umwandeln. Und Gott ist verzeihend und barmherzig.

Und wer bereut und Gutes tut, der wendet sich Gott zu.

Und diejenigen, die kein falsches Zeugnis ablegen.

Und diejenigen, welche mit Würde weitergehen, wenn sie unterwegs frivole Reden hören.

Und diejenigen, die nicht wie taub und blind niederfallen, wenn sie mit der Botschaft ihres Herrn ermahnt werden.

Und diejenigen, welche bitten: 'O unser Herr! Gib uns an unseren Ehepartnern und Nachkommen Augentrost, und mache uns zu Vorbildern für die Gottesfürchtigen!'

Das sind jene, die mit den obersten Gemächern (des Paradieses) für ihre Standhaftigkeit belohnt werden und dort mit Willkommensgrüßen und im Frieden empfangen werden sollen.

Ewig sollen sie dort verweilen - eine schöne Ruhestatt und Bleibe..."

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Fünf Thesen zur Debatte über "liberalen" und "konservativen" Islam

am Donnerstag, 17 Mai 2012. Gepostet in Islamisches Leben, Islam, Islamisches Recht, Theologie

Ich hatte kürzlich auf dem Zukunftsforum Islam der Bundeszentrale für Politische Bildung die Gelegenheit mit Aiman Mazyek (Zentralrat der Muslime), Suleiman Wilms (Islamische Zeitung) und Lamya Kaddor (Liberal-Islamischer Bund) an einem spannenden und brisanten Podiumsgespräch teilzunehmen. Dabei ging es um ein aktuelles Streit- und Reizthema innerhalb der muslimischen Communitiy in Deutschland, nämlich um die Frage nach der Möglichkeit eines "liberalen Islams" in Abgrenzung zu einem "konservativen Islam" (ich bevorzuge die Gänsefüßchenschreibweise, da diese Begrifflichkeiten zwar populär, aber aus nachvollziehbaren Gründen umstritten sind).

Serdar hat auf seinem Blog die wichtigsten Beiträge zu dieser Debatte verlinkt. Ich empfehle jedem an der Debatte Interessierten die Linkliste gründlich durchzuarbeiten um zu sehen, was eigentlich verhandelt werden soll, und in was für einem angespannten Zustand sich die Debatte dank der Bemühungen der Beteiligten  befindet. Das Podiumsgespräch war meines Wissens das erste Mal, dass sich einige der Gegner öffentlich im Gespräch begegneten. Ich selbst nahm als verbands- und vereinsunabhängiger Muslim teil, der wohl am ehesten als konservativer Muslime mit liberaler Ausrichtung zu bezeichnen wäre (oder doch eher als liberaler Muslim mit konservativer Ausrichtung? Ach es ist ein Elend mit den Begriffen...).

Auch wenn es sich bei vielen Fragen dabei um Scheinprobleme oder rein politische Machtinteressen handeln sollte - im innersten Kern der Sache geht es um essenzielle Fragen, die alle Muslime auf die eine oder andere Weise beschäftigen und betreffen, und die es wert sind durchdacht zu werden. Diese essenziellen Fragen ("Was fordert der Islam hier und heute vom Muslim? Was hat er im Umkehrschluss anzubieten?") gehören zu den wichtigsten Themen meines Blogs. Im Folgenden stelle ich euch meine ersten fünf Thesen zur Debatte vor, die ich auf dem Podium vertreten habe. Was meint ihr dazu? Ihr dürft sie zerreißen, falls es euch gelingt (aber bitte mit Argumenten!). To be continued inşallah...

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Gedanken zu Sure 4, Vers 34: Über das Verhältnis von Islam und Grundgesetz (Teil 4)

am Freitag, 27 April 2012. Gepostet in Islamisches Leben, Islam, Menschenrechte, Islamkritik, Geschlechter, Theologie

Jeglicher Versuch einer Reform islamischer Praxis, und sei sie noch so gut begründet, ist stets begleitet von einer Reihe weiterer Diskussionen. Eine davon hat ihre Wurzeln in muslimischen Kreisen - sie artikuliert die Befürchtung, dass jede emanzipatorische Neubestimmung islamischer Praxis letztlich auf eine völlig Angleichung an die westliche Moderne hinausläuft. Die andere Diskussion hat ihre Wurzeln in der Integrationsdebatte - sie fordert, dass die islamische Theologie in gewisser Weise nach Maßgabe des Grundgesetzes umgeschrieben werden muss. Im Folgenden möchte ich in wenigen Sätzen zeigen, dass diese Diskussionen beiderseits oft am eigentlichen Kern der Sache vorbeigehen. Genaugenommen will ich die Themen hier nur kurz anschneiden.

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Warum man laut Râbi'a Gott anbeten sollte

am Montag, 09 April 2012. Gepostet in Islamisches Leben, Inspirationen, Sinn des Lebens

Dies ist eine der berühmtesten Erzählungen über die islamische Sufi-Meisterin Râbi'a al-'Adawiyya (gest. 801 n. Chr.), die auf den Punkt bringt, was das höchste Ziel des Muslims sein sollte:

"Man sah sie in den Straßen von Basra, mit einem Eimer in der einen Hand und einer Fackel in der anderen. Gefragt, was das bedeute, antwortete sie: Ich will Wasser in die Hölle gießen und Feuer an das Paradies legen, damit diese beiden Schleier verschwinden und niemand mehr Gott aus Furcht vor der Hölle oder in der Hoffnung aufs Paradies anbete, sondern nur noch um Seiner ewigen Schönheit will."

(zitiert nach Annemarie Schimmel: Gärten der Erkenntnis, S. 21)

Hier noch etwas von mir: Jenseits, Pflichtstreben und Glücksstreben bei Kant und im Koran

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Einspruch, verehrter Rat der Ulema! – Eine Polemik anlässlich des Weltfrauentags

am Sonntag, 01 April 2012. Gepostet in Islamisches Leben, Menschenrechte, Islamkritik, Fundamentalismus, Geschlechter

Pünktlich zum Weltfrauentag standen in zwei muslimischen Ländern zwei wichtige politische Stellungnahmen zur Lage der Frauen im Mittelpunkt. Die eine ist ein Gesetz der türkischen Regierung zur Bekämpfung von Gewalt gegenüber Frauen. Der Gesetzestext ist erfreulich eindeutig: „Der Gewalt gegenüber Frauen begegnet man am häufigsten innerhalb der Familie. Dabei nimmt diese physische und psychologische Formen an, aber auch die Form wirtschaftlicher Vorenthaltung und sexueller Gewalt.“ Und: „Gewalt gegenüber Personen ist eine Menschenrechtsverletzung.“ Ferner: „Es gehört zu den Verantwortungen des Staates die Gleichheit von Mann und Frau herzustellen und die Menschenrechte der Frau unter Schutz zu stellen.“ Ein Gesetz, unterschrieben von überwiegend praktizierenden Muslimen und vom türkischen Parlament einstimmig angenommen - begründet unter Verweis auf universelle Menschenrechte, die nicht nachträglich durch Verweis auf scheinbar religiöse Prinzipien unterhöhlt werden. Der aufgeführte Maßnahmenkatalog ist umfangreich und beinhaltet Präventiv- wie Interventionsmaßnahmen und thematisiert ausführlich den Schutz der Frau ebenso wie die Verfolgung gewalttätiger und –bereiter Männer. Beeindruckt hat mich das Problembewusstsein und die Eindeutigkeit des Gesetzes, dessen Botschaft zusammengefasst so lauten könnte: Wir haben ein echtes Problem mit ehelicher Gewalt und unsere Aufgabe ist es diese ohne Wenn und Aber zu bekämpfen. Man darf zurecht erwarten, dass dies einen Wendepunkt im türkischen Umgang mit dem Problem des entarteten orientalischen Patriarchats darstellt. Bravo!

Fast zeitgleich hat der afghanische Präsident Karzai ein Edikt des die Regierung beratenden Gelehrtenrats veröffentlicht und bestätigt, das zwar noch nicht juristisch bindend ist, aber offensichtlich die weitere Richung der afghanischen Frauenpolitik vorgibt. Offensichtlich zielt letztere auf eine Aussöhnung mit den Taliban ab. In Pragraph 5 heißt es, dass „die heilige Religion des Islam“ - im Unterschied zu anderen Zivilisationen und Gesellschaften in Vergangenheit und Gegenwart - der Frau „bürgerliche und soziale Rechte“ und „menschlichen Wert und Ehre zugesprochen“ habe. Nach einer Auflistung einiger dieser Rechte kommen jedoch eifrige „Aber“s: Laut den eindeutigen Versen aus Sure 4 (Verse 1 und insbesondere 34) sei der Mann „primär“ und die Frau „sekundär“. Das Tätigen von Aussagen, die diesen Koranversen widersprechen, sei zu vermeiden. Selbstverständlich verbiete die Scharia auch das Schlagen von Frauen – außer wenn ein aus Sicht der Scharia legitimer Grund vorläge. Diese Gründe seien im Koran genannt.

Die Botschaft lautet also: Liebe Muslime und Musliminnen, macht eucht nichts vor. Euer Heiliges Buch hat den Mann der Frau vorgezogen. Darum darf der Mann seine Frau bei legitimen Gründen durchaus schlagen. Da der Koran all dies eindeutig geregelt hat und heilig ist, obliegt es euch zu diesen Dingen zu schweigen.

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Ein gesegnetes Opferfest!

am Sonntag, 06 November 2011. Gepostet in Islamisches Leben, Allgemeines

Liebe Leserinnen und Leser,

heute ist der Beginn des viertägigen islamischen Opferfestes - dies möchte ich zum Anlass nehmen euch allen für das rege interesse an meinem kleinen Blog zu danken, auch wenn ich seit einigen Wochen aufgrund von Zeitknappheit keinen neuen Beitrag mehr einstellen konnte. Eine Reihe von Beiträgen ist noch in Vorbereitung und harrt einer letzten Bearbeitung.

Euch allen nunmehr besinnliche Tage und ein gesegnetes Opferfest (sofern relevant für euch)! Bis Mittwoch kann man übrigens seinen muslimischen Bekannten zu diesem Fest gratulieren, das die Opfergeschichte Abrahams aufgreift und zeitlich zum Ende der Pilgerfahrt in Mekka stattfindet.

Bayramınız mübarek olsun!

Eid mubârak!

Herzliche Grüße & Selâm,

Hakan Turan

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Antwort auf islamkritische Einwände gegen "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?" (1)

am Sonntag, 18 September 2011. Gepostet in Islamisches Leben, Islamkritik, Koran

Mein vor ca. 4 Wochen veröffentlichter Text "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?" ist über 800 mal angeklickt worden. Wie erwartet habe ich für ihn neben Zuspruch auch Kritiken erhalten. Und wie ich bereits vermutet hatte, kam eine grundsätzliche Kritik an meinem Ergebnis, dass es kein islamisch-religiöses Hindernis für eine Freundschaft mit Nichtmuslimen gibt, nicht von muslimischer, sondern von islamkritischer Seite. Beim Verfassen einer Antwort auf ein dahingehendes Posting des Mitbloggers Micheal merkte ich, dass diese schon fast zu lang für einen Kommentar wird. Darum habe ich daraus einen Text gemacht. Folgender Text bezieht sich unmittelbar auf "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen" und auf Micheals ersten Kommentar dazu. Et voilá:

Grüß dich Micheal,

hier einige kritische Anmerkungen meinerseits zu einigen deiner durchaus diskussionswürdigen Kritikpunkten. Der Übersichtlichkeit zuliebe habe ich meine Antwort thematisch gegliedert und zitiere dabei jeweils aus deinem ersten Kommentar. Leider muss ich erst mit einer Kritik an deinem Stil beginnen.

1. Kritik an deiner Diskurshaltung und Zurückweisung deines Psychologismus

Du schreibst:

„Mal wieder ein zum scheitern verurteilter Versuch den Islam, so wie er in Koran und Sunna steht, zwanghaft ins schöne zu interpretieren. „

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Grußbotschaft des Bundespräsidenten zum Ramadanfest

am Dienstag, 13 September 2011. Gepostet in Islamisches Leben, Integration

Für alle, die es nicht mitbekommen haben - dies war die Grußbotschaft unseres Bundespräsidenten Christian Wulff zum diesjährigen Ramadanfest vor zwei Wochen:

„Wer dieses Jahr den Ramadan begangen hat, musste oft große Kraft aufbringen: weil die Fastenzeit in einen Sommer fiel, dem ein ganz besonderer Frühling vorausgegangen war, der arabische Frühling. Seine Stürme haben die Welt verändert.

Aus Gesprächen mit Muslimen in Deutschland weiß ich: Vielen ist das religiöse Innehalten schwer gefallen angesichts der aufwühlenden Berichte aus Nordafrika, die uns Tag für Tag erreichen. Einerseits wecken die jungen Demokratiebewegungen immense Hoffnungen und den Wunsch, beim Neubeginn dabei zu sein. Andererseits wachsen auch die Sorgen um Angehörige und Freunde, die in der alten Heimat für die Freiheit ihr Leben riskieren. Deshalb werden die Iftar-Essen 2011 nicht überall so ausgelassen sein können wie in anderen Jahren.

Umso mehr wünsche ich allen, die das Fest des Fastenbrechens feiern, dass Ihnen diese Stunden im Kreis der Familie neue Zuversicht schenken. Und ich hoffe, dass auch nach Ende des Ramadan eine seiner wichtigsten Botschaften in unsere Gesellschaft ausstrahlt: das aufmerksame Miteinander, die Bereitschaft zum Geben und zum eigenen Verzicht.

Ich bin voller Hochachtung für jeden, der sich in diesem Geist, mit Mut und Menschlichkeit in die Gemeinschaft einbringt. Viele Muslime tun das immer wieder aufs Neue und fördern damit auch den Zusammenhalt in Deutschland. Der 30. August ist eine gute Gelegenheit, dafür Danke zu sagen!“

Herzlichen Dank, Herr Wulff!

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Kann ein Mensch zugleich glauben und zweifeln?

am Samstag, 27 August 2011. Gepostet in Islamisches Leben, Erziehung, Koran, Inspirationen, Theologie

Der Prophet Abraham ist eine der Schlüsselfiguren des Korans und in vielerlei Hinsicht der Prototyp des idealen gottergebenen Gläubigen. Dass dieser Glaube einerseits Ergebenheit (arabisch: islâm) erfordert, bedeutet mitnichten, dass dafür erst die Vernunft aufgeopfert werden müsste. Folgende für mich persönlich sehr bedeutsame Passage im Koran verdeutlicht, dass es weder unerwünscht, noch Sünde ist selbst an die Selbstverständlichkeiten des Glaubens offensiv genau jene Fragen zu richten, die einen - aus welchen Gründen auch immer - beschäftigen (nach Henning/Hofmann - Einfügungen von mir) :

"Und als Abraham sprach: 'Mein Herr, zeige mir, wie du die Toten lebendig machst!',

sprach er [Gott]: 'Glaubst du etwa noch nicht?'

Er [Abraham] sagte: 'Doch! Aber ich möchte in meinem Herzen ganz sicher sein...." (2:260)

Dies als beruhigender Hinweis an all jene, die sich als gläubig verstehen, aber zugleich offene Fragen oder Anflüge von Zweifeln innerhalb ihres Glaubens haben, die ihnen als Zeichen eines schwachen Glaubens vorkommen und sie deswegen unglücklich machen - und als Warnung an all jene, die versuchen geraden den jungen Fragenden ein schlechtes Gewissen für ihre legitime Neugier zu machen. Wenn selbst der Prophet Abraham, der im Koran als gutes Vorbild für die Muslime gilt, seinen Herren und Schöpfer respektvoll, aber ohne Umschweife dazu auffordert seinem Herzen Sicherheit (oder: Befriedigung) durch - in diesem Fall - empirische Erkenntnis zu schenken, dann kann es auch uns nicht verwehrt sein genau dort gezielt Nachforschungen anzustellen, wo wir Fragen haben und das Bedürfnis nach Klärung und Sicherheit verspüren. Ich will im Übrigen nicht behaupten, dass Abraham Zweifel im heutigen Wortsinn hatte, sondern nur, dass seine Frage an Gott eine Verwandschaft hat mit der fragenden Stimme im Gläubigen, die bei dem einen öfter, bei dem anderen seltener auftaucht und nach Antworten sucht. Ob man diese Fragen als Zweifel bezeichnen will, ist aus meiner Sicht eine Frage der Definition und daher nicht so interessant. Mir geht es hier um etwas anderes: Die Suche nach einer Einheit von Herz und Verstand ist zu wertvoll, als dass sie aufgrund mangelnder Unterstützung von außen vorzeitig abgebrochen werden sollte. Andererseits kann man als Gläubiger bei dieser Suche wiederum Beistand im Glauben suchen, oder wie es in zwei prägnanten koranischen Gebeten heißt:

"Mein Herr! Mehre mein Wissen!" - "rabbî zid nî 'ilmâ" (20:114)

"Mein Herr! Gib mir Urteilskraft und vereinige mich mit den Rechtschaffenen" - "rabbî hablî hukman va alhiqnî bis-salihîn" (26:83)

In diesem Sinne...

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Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?

am Montag, 15 August 2011. Gepostet in Islamisches Leben, Christentum, Integration, Islamkritik, Koran, Fundamentalismus, Islamisches Recht, Judentum

In meiner Grundschulzeit waren alle Nationalitäten in meinem Freundeskreis vertreten: Deutsche, Italiener, Spanier, Portugiesen – allesamt Klassenkameraden, mit denen wir vormittags auf dem Pausenhof herumrannten und nachmittags entweder am C64 saßen und Giana Sisters spielten oder draußen die Gegend unsicher machten. Türken waren nahezu keine vorhanden. Mein bester Freund war ein Italiener. Er stand mir mit Fäusten bei, als mich zwei deutsche Klassenkameraden fast täglich auf dem Schulweg verprügelten – ich hatte ihren Zorn auf mich gezogen, als ich ihnen unüberlegt erzählt hatte, dass Türken viel mutiger seien als Deutsche. Einer von ihnen hat mich zwanzig Jahre später zu seiner Hochzeit eingeladen. Gelegentlich war ich bei dem Italiener daheim zu Gast beim Abendessen. Oft schlenderten wir vor Sonnenuntergang über die Felder und unterhielten uns über die Heimatstädte unserer Eltern oder über unsere Traumberufe. Er wollte damals Architekt werden und ich Arzt.

Meine Eltern schätzten meinen guten Kontakt zu meinen Klassenkameraden und ich hätte nicht gedacht, dass ich damit jemandes Missfallen erregen könnte – bis ich eines Tages von einem älteren Türken, der sich mit dem in den 90ern aufsteigenden politischen Islam in der Türkei identifizierte, etwas zu hören bekam, was mir das Blut in den Adern gefrieren ließ:

„Du kannst mit diesen Leuten nicht befreundet sein – denn im Koran steht: Nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden. Sie sind einander Freunde.“

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Das arabische Wunder (Sigrid Hunke)

am Dienstag, 05 Juli 2011. Gepostet in Islamisches Leben, Inspirationen, Wissenschaft

Ein guter Freund hat mich mal gefragt, woher ich eigentlich meinen Optimismus in Sachen Vermittlung zwischen den Kulturen und einer zeitgemäßen Aufarbeitung des Islams bezöge, wo sich da draußen doch oft ein frustrierendes und trostloses Bild böte. Nun, vielleicht vermitteln folgende Zeilen von Sigrid Hunke zur Geschichte von Wissenschaft und Gelehrsamkeit im Islam einen Eindruck davon, was meinen Optimismus antreibt (wobei dieses Thema bei weitem nicht meine einzige Motivationsquelle ist). Dazu sei gesagt, dass ich so etwas durchaus differenziert betrachte - ich hasse es zu idealisieren, vielleicht weil mir Wahrheit attraktiver erscheint als Einfachheit. Ferner verwende ich das Folgende nicht um mich stolz auf eine Vergangenheit zu machen oder um etwaige Komplexe gegenüber dem "Westen" zu verarbeiten - warum sollte ich denn auch, sehe ich mich doch mit als ein Teil dieses Westens!

Nein, ich fasse das Folgende als ganz konkrete Handlungsaufforderung an mich selbst auf, freilich unter heutigen Bedingungen und unter Abstraktion vom damaligen politischen Kontext. Und das meine ich verdammt ernst. Der Inhalt folgender Zeilen gehört mit zu meinen Kriterien, an dem ich jeden messe, der heute im Namen des Islams reden möchte. Wer nicht den Horizont und den Glauben hat das Folgende als ernsthafte Perspektive auch für hier und heute zu betrachten, den nehme ich einfach nicht zu ernst. Punkt.

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Wohin mit Geert Wilders? Oder: Koranische Prinzipien zum Umgang mit Provokationen und Beleidigungen des Islams

am Samstag, 04 Juni 2011. Gepostet in Islamisches Leben, Menschenrechte, Islamkritik, Koran, Fundamentalismus, Islamisches Recht, Weltpolitik

Aus aktuellem Anlass (Freispruch des Anti-Islamers Geert Wilders - ein anregender Kommentar von Serdar Güneş dazu hier) habe ich diesen Text nach oben gezogen. Et voilà:

 

"Und wenn du jene siehst, welche über unsere Botschaft spöttisch reden,
dann kehre dich von ihnen ab, bis sie ein anderes Gespräch beginnen..." (6:68)

"Das Gute und das Böse sind fürwahr nicht gleich.
Wehre (das Böse) mit Besserem ab,
und schon wird der, zwischen dem und dir Feindschaft war,
dir wie ein echter Freund werden.
Aber dies geschieht nur denjenigen, die standhaft sind,
ja nur Menschen von besonderer Begnadung." (41:34-36)

"Und Diener des Erbarmers sind diejenigen,
welche auf Erden bescheiden auftreten;
wenn die Ahnungslosen sie [provozierend] anreden,
entbieten sie ihnen den Friedensgruß (qâlû salâmâ)." (25:63)

Diese und weitere Koranverse widerlegen die von vielen Islamisten und Islamkritikern artikulierte Behauptung, dass der Koran keine Feindesliebe kenne und zudem einen unversöhnlichen, oder gar harten Kurs gegen Beleidigungen des Islams vorschreibe. Die Vertreter dieser Position behaupten unter Berufung auf Stimmen aus der islamischen Tradition, dass Toleranzverse wie die obigen mansûkh, d. h. in ihrer Gültigkeit von späteren (Kriegs-)Versen aufgehoben worden seien. Diese Auffassung erweist sich bei einem zweiten gündlicheren Blick auf den Koran als nicht zwingend, vielfach sogar als grundlegend falsch.

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