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Islamisches Leben

Yusuf Islam alias Cat Stevens über Musik, Islam und Spiritualität

am Samstag, 30 April 2011. Gepostet in Islamisches Leben, Musik

Dim lights

Yusuf Islam alias Cat Stevens: Father & Son (2008)

 

In der Süddeutschen Zeitung vom 1. April 2011 ist ein Interview mit Yusuf Islam (Künstlername: Yusuf) alias Cat Stevens erschienen, in dem es unter anderem um sein Verständnis von Islam und Musik geht. Das hat mich so begeistert, dass ich das Bedürfnis hatte einige Passagen davon wiederzugeben und einen Kommentar zu verfassen. Diesem Bedürfnis werde ich jetzt mit eurer Erlaubnis nachkommen. Et voilà:

"Im Interview mit Andrian Kreye spricht der Sänger Yusuf, ehemals Cat Stevens, über die Sinnsuche in der Popkultur der 1960er Jahre, über den Weg vom Buddhismus zum Islam und warum er nach 35 Jahren wieder auf Tournee geht.

Der Sänger Yusuf nannte sich früher Cat Stevens und galt als einer der wichtigsten Liedermacher der 1960er Jahre. Im Dezember 1977 bekehrte er sich zum Islam, nannte sich Yusuf Islam und kehrte der Musik den Rücken. Nun nennt er sich nur noch Yusuf, lebt mit seiner Familie in Dubai und kommt im Mai nach 35 Jahren erstmals wieder auf Deutschlandtournee. Da wird er wenige neue und viele seiner alten Songs spielen, wie "Morning Has Broken", "Moon Shadow" und "Peace Train".

Warum gehen Sie wieder auf Tour?

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Als Yusuf wieder zur Gitarre griff - ein Kommentar

am Samstag, 30 April 2011. Gepostet in Islamisches Leben, Identität, Islamisches Recht, Musik

"Ich glaube, dass Musik vor allem eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Viele Muslime haben ihre Vorbehalte gegen Musik, weil sie Musik nicht wirklich kennen. Sie identifizieren Musik mit etwas, das ihnen fremd ist. Ich habe ja selbst jahrelang einer sehr starken konservativen Strömung im Islam gehorcht, die besagte, dass Musik verboten ist. Aber dann habe ich mich schlau gemacht und realisiert, dass die Wirklichkeit ganz anders ist. Es war ja auch das islamische Spanien, über das mit der Gitarre das Instrument nach Europa kam, auf dem heute die Rockmusik basiert. Nein, eine der großen Naturschönheiten in Gottes Universum ist nun mal die Musik." (Yusuf Islam, 2011)

Cat Stevens hatte nach seinem Übertritt zum Islam als Yusuf Islam seiner ehemaligen Musik mit Gitarren und profanen Texten abgeschworen. Dafür konnte man nun religiösen Gesängen von Yusuf Islam lauschen, die schlicht, wunderschön, aber auch betont weltabgewandt waren. Instrumente waren bei ihm lange Zeit nicht zu hören, und seine konsequente Beschränkung auf Percussion-Instrumente wie Trommeln zeigte vor allem eines: Hier sollte Musik so betrieben werden, dass man vom Standpunkt des klassischen islamischen Rechts der Rechtsgelehrten keine prinzipiellen Einwände erheben konnte.

Ich verstand Yusuf Islams damalige Sensibilität diesbezüglich, und respektierte sie - zumal er ja einen spirituellen Neuanfang in absoluter Reinheit suchte, und seine neue Musik ja gerade auch den  religiösen Muslime verständlich machen wollte.

Aber mich, der ich mich selbst als leidenschaftlichen  Musiker und zugleich als praktizierenden Muslim verstand, hat seine klare Beschränkung auf klassisch-fiqh-kompatible Musik auch etwas traurig gemacht, wenn nicht gar verletzt. Zu gerne hätte ich damals ein paar originelle Worte von ihm über Musik gehört - Worte, die über die klassischen Meinungen von Religionsgelehrten über die schädlichen Seiten von Musik hinausgingen. Für viele von ihnen gab es nämlich eine untrennbare Verbindung zwischen dem Musizieren an sich, und den der Musik von Menschen auferlegten Bedeutungen und Verwendungen für verschiedenste Formen von Unterhaltung, die moralisch bedenklich oder gar verwerflich sein konnten.

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Der Anfang aller Dinge, oder: Lesen Muslime wirklich den Koran?

am Freitag, 08 April 2011. Gepostet in Islamisches Leben, Koran

Es wird oft behauptet, Muslime würden den Koran lesen. Der Koran sei ihr heiliges Buch: das reine, ewig gültige Wort Gottes, das alle Lebensbereiche regele und für den Moslem immer das letzte Wort habe. Was sonst sollten Muslime also lesen, wenn nicht den Koran? Außerdem werde doch an Koranschulen eben der Koran gelesen und studiert. Und es gäbe ja sogar Muslime, die den gesamten Koran auswendig beherrschten. Was könnte da noch falsch sein an der Feststellung, dass Muslime den Koran lesen?

Ganz einfach: Diese Behauptung beruht auf dem verbreiteten Irrtum, dass Muslime, die im Koran lesen, den Koran so lesen, wie man ein Buch für gewöhnlich liest: entschlüsselnd, verstehend, nachvollziehend. In Wirklichkeit lesen die meisten Muslime den Koran, so sie ihn denn lesen, im arabischen Original, also in einer Sprache, die sie nicht verstehen, aber dessen Schriftzeichen sie studieren und richtig auszusprechen lernen. Aber warum machen sie so etwas? Weil den Muslimen nicht nur der Inhalt, sondern schon der Wortlaut und somit insbesondere auch der Klang des Korans als göttlichen Ursprungs gilt.

Sein Klang, seine rhythmische Intensität, seine immanente Musik – sie alle machen ein Erleben des Korans aus, das nur der kennt, der die intimsten Momente islamischer Kultur miterlebt hat. Auch, wenn man den Koran nicht melodisch nach allen Rezitationsregeln des tadschvīd rezitiert, sondern ihn nur vor sich hin murmelt, wie es im Gebet meistens der Fall ist, macht man dies doch im Bewusstsein, dass da etwas von der Koranrezitation in das Herz und die Seele durchdringt und diese in einen Ort der Heilung und der Gegenwart Gottes verwandelt. Dieser durchaus mystische Gedanke hat seine theologische Basis, auch im klassischen sunnitischen Islam.

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Nicht schweigen, sondern reden über die deutsch-türkisch-islamische Identität (im Deutschlandradio Kultur)

am Donnerstag, 17 März 2011. Gepostet in Islamisches Leben, Integration, Identität

Am 17. März war ich mit folgendem Beitrag im Politischen Feuilleton im Deutschlandradio Kultur zu lesen und zu hören:

Deutschlandweit entstehen Lehrstühle für islamische Theologie und Islamunterricht wird als ordentliches Lehrfach eingeführt. Während dessen streiten sich unsere Spitzenpolitiker in regelmäßigen Abständen darüber, ob denn der Islam nun ein Teil deutscher Kultur sei oder nicht. Eigentlich sollte die Frage heute eher lauten, in welchem Sinne, und weniger, ob er ein Teil Deutschlands ist.

Wer verneint, dass der Islam hierzulande dazugehört, beschwört meist eine Leitkultur oder eine kulturelle Identität, in der allein Platz für urdeutsche und christliche, keinesfalls aber für muslimische Elemente ist. Gleichzeitig wird die Rolle des Islams bei Integrationsproblemen oft maßlos überschätzt. Die Botschaft lautet: Ohne Islam wäre alles viel besser in Deutschland. Eine solche Botschaft bleibt freilich nicht folgenlos.

Nicht nur religiöse, sondern auch liberale und säkulare Muslime empören sich und suchen zunehmend Halt in ihrer vermuteten eigenen kulturellen Identität. Unter dem Eindruck der Integrationsdebatte festigt sich auch bei ihnen der Eindruck, dass der Islam die Grenze zwischen Deutschen und beispielsweise Türken markiere. Aber ist das wirklich so?

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Was tun bei S-Bahn-Prügeleien zwischen Punks und Kanaken? (für Fortgeschrittene)

am Montag, 21 Februar 2011. Gepostet in Islamisches Leben, Integration, Türken, Kurzgeschichte, Arif

Neulich stieg Arif an einem freitag Abend in die Stuttgarter S-Bahn und ärgerte sich über laute Jugendliche, die sich in der Bahn mit diversen Alkoholika vollaufen ließen – trotz des ausgeschriebenen Verbots von Alkoholkonsum in öffentlichen Verkehrsmitteln. In seinem Rucksack schleppte er schon den ganzen Tag ein Buch über kulturelle Identität und seinen Laptop mit sich herum, auf dem er in freien Minuten Texte über Identitätsfragen schrieb. Nach dem Umsteigen stand er am Ende eines vollen S-Bahn-Wagens. Auf den einander zugewandten Sitzmöglichkeiten auf der linken und rechten Seite des Zuges wechselten sich von Haltestelle zu Haltestelle junge Fahrgäste ab.

Zuletzt hatte sich ein korpulenter Punk mit zwei Mädchen auf die linke Bankreihe gesetzt. Arif dachte sich, dieser Punk hätte gut als Ausstellungsstück in die aktuelle Ausstellung in der Stuttgarter Staatsgalerie über Menschenbilder aus verschiedenen den Jahrhunderten gepasst. Interessiert zählte er seine Gesichtspiercings und studierte seinen ehrwürdigen, in Violett- und Rosatönen schillernden Irokesenschnitt. Auf seinem Rücken prangte ein großer Aufnäher, auf dem ein Hakenkreuz abgebildet war, das in einen Mülleimer geworfen wurde. Der Punk hieß Marcel – und war betrunken genug, dass ihm nicht auffiel, dass Arif ihn von der Seite musterte.

Beim nächsten Halt sollte sich die gegenüberliegende Bankreihe ebenfalls füllen. Herein kamen drei junge Südländer mit Halsketten und sportlichem Outift und. Erst dachte Arif, das sind bestimmt Türken, bis er bei zweien, nämlich Özgür und Murat, Halskettenanhänger mit Kurdistanumrissen erblickte. Aha. Kurden waren das also. Sie konnten aber sicher auch Türkisch. Der dritte der Runde hieß Zamir und hatte kurzes blondes Haar. Weiter hinten saß noch ein Italiener names Alfonso, der später noch eine Rolle spielen wird. Özgür und Zamir setzten sich auf die rechte Bankreihe.

Und was tat Murat?

Na, was wohl!

Er stellte sich genau in die Mitte des Wagens, griff nach zwei Halteschlaufen an der Decke – und begann Klimmzüge zu machen. Eins, und zwei, und drei, und vier… Marcel und die beiden Mädchen auf der einen, Zamir und Özgür auf der anderen Seite sahen dem Treiben zu. „Ein Überzeugungskanake durch und durch - wenn das mal gut geht“, dachte sich Arif.

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Zum Geburtstag des Propheten: Ein "Mevlid" von Goethe

am Sonntag, 13 Februar 2011. Gepostet in Islamisches Leben, Denker, Inspirationen

Im Folgenden präsentiere ich euch eine meiner Lieblings-Neuentdeckungen der letzten Monate, nämlich ein Gedicht von Goethe, das vom Propheten Mohammed handelt und mich immer wieder überwältigt. Denn es drückt etwas über den Propheten aus, was auch ich empfinde, aber wofür ich ehrlich gesagt nicht die passenden Worte finde.

Zum Hintergrund: Goethe arbeitete in seinem 23. Lebensjahr an einer Tragödie, in der der Prophet Mohammed die Hauptrolle spielen sollte. Dieses Werk wurde nicht vollendet, jedoch sind einige Fragmente davon erhalten. Über diese schreibt Katharina Mommsen: "Schon bezüglich dieser Fragmente ist jedoch zu sagen, dass sie die bedeutsamste Huldigung darstellen, die jemals ein Dichter in Deutschland dem Begründer des Islam dargebracht hat." (Goethe und der Islam, S. 48). Damit ist insbesondere das Preislied "Mahomets Gesang" gemeint.

In dessen ursprünglicher Version wechseln sich der Vetter des Propheten und seine Tochter, Ali und Fatima, als Sprecher ab. Der Inhalt ist eine Preisung des Propheten, der symbolisch als eine Felsenquelle beschrieben wird, die sich nach Gott, versinnbildlicht durch einen Ozean, zurücksehnt und auf dem Weg dorthin seine Brüder mitnehmen möchte und dabei erfolgreich ist.

In der späteren Fassung ließ Goethe den Bezug zum ursprünglichen Handlungsrahmen in der Tragödie weg und das Gedicht stand nur noch für sich da, ohne Sprecher (vgl. z. B. die Weltbild-Ausgabe von Goethes gesammelten Werken, Bd. 1, S. 218). Was übrig geblieben ist, ist ein durch und durch europäischer Lobgesang für den Propheten, gedichtet von einem Nichtmuslim, der es verstand sich über die Kulturgrenzen hinweg in islamisches Denken und Fühlen hineinzuversetzen.

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Die Kinder des Korans

am Samstag, 25 Dezember 2010. Gepostet in Islamisches Leben, Islam, Integration, Menschenrechte, Identität, Bildung, Islamkritik, Koran, Islamisches Recht, Geschlechter

1. Vom Anfang aller Dinge

Der Koran ist das heilige Buch des Islams. Und sein Studium ist eine äußerst lohnenswerte Sache. Als ich als Schüler eines Tages über mein Taschengeld hinaus Geld für einige neue C64-Monatsmagazine benötigte, unterbreitete ich meinem Vater einen perfiden Deal: Ich bot ihm an den Ayat-al Kursi, das ist der Thronvers des Korans, auf arabisch auswendig zu lernen – wenn ich dafür mit einer irdischen Belohnung seinerseits rechnen durfte. Etwas verwirrt sagte er zu, und nach zwei Stunden konnte ich den relativ langen Vers auswendig. Überhaupt memorierte ich auch sonst die Suren, die man für verschiedenste Gebete benötigte, am liebsten daheim in Eigenarbeit – und für gewöhnlich ohne irdische Entlohnungen. Wenn man viele Suren im Original auswendig konnte, dann erlangte man nicht nur die Anerkennung der Erwachsenen, sondern auch das Wohlgefallen Gottes.

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Die Kinder des Korans 2: Erste Gehversuche mit dem Koran

am Samstag, 25 Dezember 2010. Gepostet in Islamisches Leben, Islam, Türken, Bildung, Koran

Innerlich von der Integrität des Korans überzeugt entschied ich mich in den nächsten Jahren dazu, den augenscheinlichen Skandalen der mir heiligen Schrift nachzugehen. Schließlich waren sich doch Feind und Freund wenigstens darin einig, dass der Koran die höchste Instanz im Islam darstellt. Das Brett, das ich da bohren wollte, entpuppte sich jedoch als dicker als gedacht. Mein Projekt drohte schon zu Beginn daran zu scheitern, dass kaum ein Muslim um mich herum, gleichgültig wie gebildet oder religiös er war, über Korankenntnisse verfügte, die merklich über das Wissensniveau meiner ambitionierten Grundschullehrerin hinausgingen. Selbst in den Koranschulen stand damals wie heute die unmittelbare Bedeutung der studierten Koranpassagen nicht auf dem Programm. Hüben wie drüben dient der Koran in erster Linie als kanonischer Text des arabischsprachigen Gottesdienstes und als Gegenstand vorzüglicher Rezitationskunst.

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"Wo bleibt bei den Muslimen die Freude und das Lachen?"

am Samstag, 23 Oktober 2010. Gepostet in Islamisches Leben, Islam

Vor kurzem meinte ein deutscher Bekannter zu mir: „Wir lernen unsere ganze Schulzeit über nichts über die Lebensweise der Muslime. Und dann erwartet man von uns, dass wir uns ein Urteil darüber bilden.“ Treffender könnte man die Situation vieler Deutscher, wenn es um den Islam geht, kaum ausdrücken. Nicht nur die muslimischen, sondern auch die deutschstämmigen Bürger stehen heute unter einem massiven Druck Stellung zum Islam, zu den Muslimen, zur Scharia oder zu sonst etwas islamisch und fremd Klingendem beziehen zu müssen.

Dieser Druck wird vor allem von den Medien, von Intellektuellen und von ihnen nacheifernden Politikern ausgeübt – von Stellen, die uns heute einen künstlichen Zeitgeist aufreden, statt nüchtern die Zeichen der Zeit zu lesen. Statt eine Aufklärung über die Muslime bzw. über das pluralistische Deutschland zu befördern, schreiben viele von ihnen einen sehr negativen Islam-Mythos weiter, der wirksam einer kulturellen Selbstüberhöhung dient, aber durch den man keinen realistischen Eindruck von den echten Lebensweisen der Muslime Deutschlands und ihren Denk- und Gefühlswelten bekommen kann.

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Essay: Der Ramadan

am Freitag, 24 September 2010. Gepostet in Islamisches Leben

9.9.2009 von Hakan Turan

Mein Text Der Ramadan, nunmehr eingestellt unter den Essays, ist einer meiner ältesten Texte - die erste Fassung stammt aus dem Jahr 2000. Seitdem ist er an mehreren Stellen veröffentlicht und verlinkt worden.

In diesem Text wird das Fasten sowohl hinsichtlich der Ilmihal-Aspekte (Wie fastet man?) und des historischen Hintergrundes betrachtet, als auch hinsichtlich seiner spirituellen Seiten (Warum fastet man? Was für innerliche Entwicklungen kann das Fasten auslösen?). Während die erstere Seite das äußere des Ritus behandelt, geht es im zweiten Aspekt um die innere Seite. Das mit der äußeren und inneren Seiten des Islam ist so eine Sache für sich.

Während wir von den Nichtmuslimen oftmals erwarten, dass sie sich mit dem eigentlichen Kern des Islam befassen sollen, ehe sie über ihn urteilen, pflegen wir selbst kaum die Auseinandersetzung mit diesem eigentlichen Kern. Ein großer Teil der Aufmerksamkeit der Muslime richtet sich auf die formalen Aspekte des Fastens und überhaupt der Religion, sodass vor allem für die junge Generation der Muslime in Deutschland die emotionale (türkisch: hissi oder duygusal) und spirituelle (türkisch: manevi) Seite der islamischen Religion nur schwer einsehbar ist. Aber dabei ist dies doch das eigentlich Entscheidende: Wenn die Religion gerade für die Jugendlichen eine Quelle von Sinnstiftung, seelischer Reifung, innerer Harmonie, und Glückseligkeit sein soll, dann darf religiöses Fühlen und Erleben nicht auf das Einhalten von Regeln beschränkt werden. Aber letzteres geschieht meinem Eindruck nach in traditionellen Kreisen allzu oft - sicherlich ohne bewussten Vorsatz.

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Der Ramadan

am Freitag, 08 Oktober 2010. Gepostet in Islamisches Leben, Islam

1. Einleitung

Über eine Milliarde Muslime weltweit begehen alljährlich den Fastenmonat Ramadan. Wie das Fasten zu einem wichtigen Aspekt des muslimischen Lebens und Empfindens wurde, wie es im Einzelnen praktiziert wird und welche Rolle der Ramadan für das spirituelle und soziale Leben der Muslime spielt, soll im Folgenden dargestellt werden.  

1.1. Der historische Hintergrund

Das Wort Ramadan ist arabischen Ursprungs. Der Ramadan ist der 9. Monat des Mondkalenders, in dem Mohammed mit 40 Jahren sein erstes Offenbarungserlebnis hatte: „Lies im Namen deines Herren, welcher schuf; welcher den Menschen schuf aus einem Embryo; Lies; denn dein Herr ist der Allgütige, der den Menschen mit der Feder lehrt; den Menschen lehrt, was er nicht weiß.“ (96:1-5) . Diese Offenbarung war der Beginn seiner Prophetenschaft, während der er die Religion des Islam verkündete. Solche ihm im Laufe von 22 Jahren immer wieder zuteil gewordenen Offenbarungen fügten sich zum Koran zusammen und begleiteten die im Wachsen befindliche junge Gemeinde. Eineinhalb Jahre nach dem Auszug der muslimischen Gemeinde nach Medina, zu der sie sich angesichts der Verfolgung in Mekka gezwungen sah, verkündete der Prophet eine neue Offenbarung, die da besagte: „O ihr Gläubigen! Das Fasten ist euch vorgeschrieben worden, so wie es denjenigen vor euch vorgeschrieben wurde.“ (2:183). Somit wurde das Fasten als dritte der fünf Säulen des Islam zum festen Bestandteil des Lebens der Muslime. Desweiteren wird in dem Vers darauf Bezug genommen, dass das Fasten bereits im Alten und Neuen Testament als eine Form des Gottesdienstes und der Buße vor Gott Erwähnung fand. Der Ablauf und die Regeln des islamischen Fastens wurden im Koran und der Praxis des Propheten (arabisch: Sunna) definiert. Der Monat Ramadan, in dem ja in der laylat al-qadr, in der Nacht der Bestimmung,  die Erstoffenbarung des Koran stattgefunden hatte, wurde im Koran als der vorgeschriebene Zeitraum zum Fasten bestimmt. Seitdem fasten alle Muslime weltweit so, wie es Mohammed, seine Familie und seine Gefährten vor 1400 Jahren schon taten. Der Ramadan wird von den Muslimen stets mit Freude erwartet und als ein Neuanfang betrachtet, der dem Menschen immer wieder eine neue  Möglichkeit bietet, an Leib und Seele zu genesen und die Nähe zu Gott wiederzufinden.

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Türkisch-islamische Kultur und Heavy-Metal?

am Freitag, 24 September 2010. Gepostet in Islamisches Leben, Integration, Identität, Musik

31.8.2009 von Hakan Turan

Dies ist eine sehr persönliche Geschichte über einen praktizierenden Muslim, der Heavy-Metal-Musiker aus Leidenschaft war. Also:

Als diesem Muslim und zweien seiner Kumpels in jungen Jahren im Englischunterricht in der neunten Klasse mal langweilig war, kamen sie auf die Idee eine Heavy-Metal-Band zu gründen. Die großen Vorbilder hießen Manowar, Blind Guardian, Iron Maiden und Metallica. Sie brachten sich selbst das Musizieren bei: Der Muslim schnappte sich eine E-Gitarre, der Österreicher (zugleich Atheist) sang und der Deutsche (Christ) setzte sich an die Drums. Gemeinsam schrieb man in stundenlangen Songwriting-Sessions lange und komplizierte Lieder, die so kompliziert waren, dass ihre ungeübten Finger es kein einziges Mal schafften einen Song fehlerfrei zu spielen. Aber die Songs hatten auf sie eine geradezu magische Wirkung auf sie, so blickte man über technische Probleme vorerst bereitwillig hinweg…
Man traf sich wöchentlich im Proberaum des örtlichen Jugendhauses, musizierte, sprang durch die Gegend und träumte von ersten Auftritt, der dann tatsächlich auch stattfand, auch wenn sich Lead-Sänger und Gitarrist einen Tag zuvor einen roten Ausschalg zuzogen und nunmehr gepudert spielen mussten…

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