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Islamkritik

Antwort auf islamkritische Einwände gegen "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?" (1)

am Sonntag, 18 September 2011. Gepostet in Islamkritik, Koran, Islamisches Leben

Mein vor ca. 4 Wochen veröffentlichter Text "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?" ist über 800 mal angeklickt worden. Wie erwartet habe ich für ihn neben Zuspruch auch Kritiken erhalten. Und wie ich bereits vermutet hatte, kam eine grundsätzliche Kritik an meinem Ergebnis, dass es kein islamisch-religiöses Hindernis für eine Freundschaft mit Nichtmuslimen gibt, nicht von muslimischer, sondern von islamkritischer Seite. Beim Verfassen einer Antwort auf ein dahingehendes Posting des Mitbloggers Micheal merkte ich, dass diese schon fast zu lang für einen Kommentar wird. Darum habe ich daraus einen Text gemacht. Folgender Text bezieht sich unmittelbar auf "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen" und auf Micheals ersten Kommentar dazu. Et voilá:

Grüß dich Micheal,

hier einige kritische Anmerkungen meinerseits zu einigen deiner durchaus diskussionswürdigen Kritikpunkten. Der Übersichtlichkeit zuliebe habe ich meine Antwort thematisch gegliedert und zitiere dabei jeweils aus deinem ersten Kommentar. Leider muss ich erst mit einer Kritik an deinem Stil beginnen.

1. Kritik an deiner Diskurshaltung und Zurückweisung deines Psychologismus

Du schreibst:

„Mal wieder ein zum scheitern verurteilter Versuch den Islam, so wie er in Koran und Sunna steht, zwanghaft ins schöne zu interpretieren. „

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Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?

am Montag, 15 August 2011. Gepostet in Islamkritik, Christentum, Integration, Koran, Fundamentalismus, Islamisches Recht, Islamisches Leben, Judentum

In meiner Grundschulzeit waren alle Nationalitäten in meinem Freundeskreis vertreten: Deutsche, Italiener, Spanier, Portugiesen – allesamt Klassenkameraden, mit denen wir vormittags auf dem Pausenhof herumrannten und nachmittags entweder am C64 saßen und Giana Sisters spielten oder draußen die Gegend unsicher machten. Türken waren nahezu keine vorhanden. Mein bester Freund war ein Italiener. Er stand mir mit Fäusten bei, als mich zwei deutsche Klassenkameraden fast täglich auf dem Schulweg verprügelten – ich hatte ihren Zorn auf mich gezogen, als ich ihnen unüberlegt erzählt hatte, dass Türken viel mutiger seien als Deutsche. Einer von ihnen hat mich zwanzig Jahre später zu seiner Hochzeit eingeladen. Gelegentlich war ich bei dem Italiener daheim zu Gast beim Abendessen. Oft schlenderten wir vor Sonnenuntergang über die Felder und unterhielten uns über die Heimatstädte unserer Eltern oder über unsere Traumberufe. Er wollte damals Architekt werden und ich Arzt.

Meine Eltern schätzten meinen guten Kontakt zu meinen Klassenkameraden und ich hätte nicht gedacht, dass ich damit jemandes Missfallen erregen könnte – bis ich eines Tages von einem älteren Türken, der sich mit dem in den 90ern aufsteigenden politischen Islam in der Türkei identifizierte, etwas zu hören bekam, was mir das Blut in den Adern gefrieren ließ:

„Du kannst mit diesen Leuten nicht befreundet sein – denn im Koran steht: Nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden. Sie sind einander Freunde.“

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Wohin mit Geert Wilders? Oder: Koranische Prinzipien zum Umgang mit Provokationen und Beleidigungen des Islams

am Samstag, 04 Juni 2011. Gepostet in Islamkritik, Menschenrechte, Koran, Fundamentalismus, Islamisches Recht, Islamisches Leben, Weltpolitik

Aus aktuellem Anlass (Freispruch des Anti-Islamers Geert Wilders - ein anregender Kommentar von Serdar Güneş dazu hier) habe ich diesen Text nach oben gezogen. Et voilà:

 

"Und wenn du jene siehst, welche über unsere Botschaft spöttisch reden,
dann kehre dich von ihnen ab, bis sie ein anderes Gespräch beginnen..." (6:68)

"Das Gute und das Böse sind fürwahr nicht gleich.
Wehre (das Böse) mit Besserem ab,
und schon wird der, zwischen dem und dir Feindschaft war,
dir wie ein echter Freund werden.
Aber dies geschieht nur denjenigen, die standhaft sind,
ja nur Menschen von besonderer Begnadung." (41:34-36)

"Und Diener des Erbarmers sind diejenigen,
welche auf Erden bescheiden auftreten;
wenn die Ahnungslosen sie [provozierend] anreden,
entbieten sie ihnen den Friedensgruß (qâlû salâmâ)." (25:63)

Diese und weitere Koranverse widerlegen die von vielen Islamisten und Islamkritikern artikulierte Behauptung, dass der Koran keine Feindesliebe kenne und zudem einen unversöhnlichen, oder gar harten Kurs gegen Beleidigungen des Islams vorschreibe. Die Vertreter dieser Position behaupten unter Berufung auf Stimmen aus der islamischen Tradition, dass Toleranzverse wie die obigen mansûkh, d. h. in ihrer Gültigkeit von späteren (Kriegs-)Versen aufgehoben worden seien. Diese Auffassung erweist sich bei einem zweiten gündlicheren Blick auf den Koran als nicht zwingend, vielfach sogar als grundlegend falsch.

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Bedeutet dschihâd im Koran wirklich nur Krieg?

am Samstag, 18 Juni 2011. Gepostet in Islamkritik, Koran, Fundamentalismus, Islamisches Recht

Hier mal ausnahmsweise ein ganz kurzer Kommentar zu einem ganz großen Thema (ich muss mir dringend angewöhnen kürzere Texte zu schreiben): In der Islamkritik und im radikalen Islamismus wird häufig behauptet, dass der Begriff dschihâd im ursprünglichen Islam ausschließlich im Sinne von militärischem Kampf verwendet worden wäre. Erst in der Neuzeit hätte man versucht dschihâd eine andere, friedliche Bedeutung zu geben, etwa als friedlicher Einsatz mit dem Wort für den Glauben, oder die Bekämpfung eigener Gelüste. Der ursprüngliche Islam jedoch verstünde unter dschihâd ausschließlich die Bekriegung und Unterwerfung von „Ungläubigen“. Deswegen solle man nicht so blauäugig sein und lieber Angst vor dem Islam haben und BLA BLA BLA…

Die aufgeführte Behauptung erweist sich bei näherem Hinsehen als falsch, bzw. als Halbwahrheit. Hier der Beweis:

Bereits im Koran wird der Begriff "Dschihad" (arabisch: Anstrengung), ja sogar die Bezeichnung „großer Dschihad“ an (mindestens) einer Stelle eindeutig für das friedliche Verkünden der koranischen Botschaft gegen den Willen der mekkanischen Oligarchie durch den Propheten Mohammed verwendet, nämlich in der mekkanischen Sure 25 (al-furqân):

„So gehorche nicht den Leugnern, sondern setze dich mit ihm [dem Koran] nach Kräften gegen sie ein, mit großem Eifer (dschihâdan kabîran).“ (25:52)

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Necla Kelek kritisch gelesen: Eine Seite aus "Die fremde Braut"

am Mittwoch, 09 März 2011. Gepostet in Islamkritik, Koran, Islamisches Recht, Geschlechter

Nach der Einführung in meine Beschäftigung mit Necla Kelek möchte ich hier auf die Qualität der Koranzitate von Kelek in "Die fremde Braut" (1. Auflage, 2005) eingehen. Da die von ihr angesprochenen Themen äußerst brisant sind, will ich die Gelegenheit jedoch auch nutzen, um mich zu ihrem Inhalt zu äußern. Schließlich will ich es mir nicht zu einfach mit Necla Kelek machen.

Hier geht es mir dennoch primär um die Frage: Wie präzise arbeitet Kelek mit der wichtigsten und am einfachsten zugänglichen Quelle des Islams, nämlich dem Koran? Diese Frage ist deswegen interessant, weil die Bearbeitung der inhaltlichen Fragen deutlich komplexer ist, als das Zitieren von Koranversen. Die Beantwortung dieser einfachen technischen Frage kann uns womöglich etwas über die Qualität ihres Umgangs mit den schwierigeren Themen sagen.

Im Folgenden greife ich aus dem Unterabschnitt "Die Sklavin des Mannes" von "Die fremde Braut" die Seite 165 heraus (1. Auflage, 2005). Auf der besagten Seite finden sich nach meinem Eindruck einige groteske Fehler beim Versuch den Koran zu zitieren und zu interpretieren.

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Gedanken zu Necla Kelek

am Dienstag, 08 März 2011. Gepostet in Islamkritik, Integration

Bei der Lektüre von Patrick Bahners "Die Panikmacher", einer lesenswerten Streitschrift gegen die namhaften Islamkritiker im öffentlichen Diskurs, bin ich wieder neugierig auf meine Aufzeichnungen zu Necla Keleks "Die fremde Braut" geworden, die ich vor einigen Jahren für mein eigenes Archiv angefertigt hatte. Ich will hier künftig das eine oder andere davon kommentiert veröffentlichen. Ich hoffe, dass weder Necla Kelek, noch ihre Sympathisanten so etwas persönlich nehmen. Eine öffentliche und derart einflussreiche Person wie Kelek muss Kritik aushalten - und Necla Kelek hat darin mittlerweile beste Erfahrung und kann darin durchaus als Vorbild dienen.

Damals, als ich ihr Buch las, war ich tief beeindruckt vom Mut und der Selbstlosigkeit Keleks, aber zugleich auch zutiefst enttäuscht von ihrer radikalen Islamfeindlichkeit und ihrer Entschlossenheit den Islam und die Kultur der Muslime ohne jedes Wenn und Aber zu dämonisieren.

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Damascenus vs. Nadschidus oder: Könnte ein Christ je morden?

am Sonntag, 27 Februar 2011. Gepostet in Islamkritik, Christentum, Terrorismus, Fundamentalismus, Weltpolitik

Der aus dem Islam zum Christentum konvertierte Araber Mark Gabriel schreibt in seinem Buch „Motive islamischer Terroristen“ (2007) über den Unterschied zwischen christlichen und islamischen Fundamentalisten:

„Fundamentalistische Christen bilden keine Terrorzellen oder bombardieren Zivilisten, weil Jesus ihnen in dieser Richtung kein Vorbild gegeben hat.“ (S. 164)

Muslimische Fundamentalisten hingegen täten dies selbstverständlicherweise schon – denn sie hätten ja ein heiliges Buch, das zu einem „völlig anderen Lebensstil“ (S. 164) aufrufe als die Bibel.

Das klingt so unschuldig und so überzeugend, dass man vor Rührung schon fast mitkonvertieren möchte. Reibt man sich nach der ersten Entzückung jedoch die Augen, und macht sich die Mühe mal genauer hinzuschauen, dann fällt dieses verklärte Weltbild auch schon in sich zusammen. Da viele Gegner des Islams der felsenfesten Überzeugung sind, dass heutzutage unter den Religionen nur die islamische einen Nährboden für Gewalt bieten kann, muss ich hier leider doch etwas weiter ausholen. Aber es ist zu einem guten Zweck.

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Von Goethe, Wulff und Sarrazin

am Sonntag, 16 Januar 2011. Gepostet in Islamkritik, Bildung, Koran, Denker

Sarrazin: Wulff verharmlost Goethes kritisches Islambild

Thilo Sarrazin hat mit einem Beitrag in der Weihnachtsausgabe der FAZ mit seinen Kritikern und Gegnern in Politik und Medien abgerechnet. Dabei trat gleich in zwei Passagen ein bislang an der Sarrazin-Debatte unbeteiligter Name auf: Johann Wolfgang von Goethe. Hier wird der Dichter zweimal in Stellung gegen Sarrazins Gegener gebracht – zum einen gegen die „deutschen Inquisitoren“, die sein Buch auf den Index gesetzt hätten, zum anderen gegen den Bundespräsidenten Wulff wegen seinen angeblich den Islam verharmlosenden Berufungen auf Goethe. In beiden Kontexten bezieht sich Sarrazin explizit auf das poetische Spätwerk des Dichters, nämlich den West-östlichen Divan. Während im ersteren Fall die Gesinnung der Inquisitoren durch ein Divan-Zitat entlarvt werden soll, steht im letzteren Fall eine Richtigstellung von Goethes Haltung zum Islam im Vordergrund. Denn Wulff habe aufgrund fehlender eigener Bildung auf seiner Türkeireise doch ein Goethe-Zitat so verwendet, dass man dem Dichter eine verharmlosende, oder gar positive Haltung zum Islam hätte unterstellen können.

Wulff hatte in seiner Begrüßungsrede auf einem Kammerkonzert in der Istanbuler Irenenkirche folgende – laut Sarrazin nur scheinbar versöhnliche – Zeilen aus dem Divan zitiert:

„Gottes ist der Orient!

Gottes ist der Okzident!

Nord- und südliches Gelände

Ruht im Frieden seiner Hände.“

Sarrazin ist empört über eine derart verantwortungslose Verwendung von Goethe-Zitaten und schlägt vor, man solle doch Wulff „Goethes ‚West-östlichen Divan‘ schenken, damit er nicht mehr verharmlosend daraus zitiert.“ Die von ihm mittlerweile verachtete Staatsspitze habe also nicht nur sein Buch nicht gelesen, sondern auch Goethe nicht verstanden. Das soll wohl bedeuten, dass Goethe in Wirklichkeit ein Vorläufer der heutigen Islamkritiker war, und schon damals das wusste, was man heute leider nicht mehr sagen darf, nämlich dass der Islam letztlich eine totalitäre Bedrohung für die christlich-abendländische Zivilisation darstelle. Goethe soll dies zu einer Zeit verstanden haben, in der der Zerfall des Osmanischen Reiches bereits in vollem Gange war und die Kolonialisierung der islamischen Welt durch europäische Großmächte gerade seine ersten Vorboten aussandte. Dazu hätte man in der Tat sehr „hellsichtig“ sein müssen.

Aber mit einem bloßen Hinweis auf diese Umstände zur Zeit Goethes ist Sarrazins islamkritisches Goethebild gewiss noch nicht widerlegt. Immerhin wartet Sarrazin mit deftigen Goethe-Zitaten auf, die in nichts dem heutigen Ton entschiedener Islamkritiker nachstehen. So zitiert Sarrazin aus Goethes „Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des West-östlichen Divans“ die Anmerkung, die Religion der Muslime lasse „ihren Bekenner nicht aus einer dumpfen Beschränktheit heraus“. Knapp, knackig, politisch inkorrekt – was will man mehr? Außerdem schreibe Goethe ja auch: „Der Stil des Koran ist seinem Inhalt und Zweck gemäß streng, groß, furchtbar“. Ein erschütterndes Ergebnis also. Der Koran: furchtbar! Der islamische Glaube: dumpfe Beschränktheit! Und damit scheint die Schlacht auch schon geschlagen: Sarrazin hat Wulff peinlichster Unkenntnisse bezüglich Goethes Haltung zum Islam überführt. Schenkt also Wulff einen Divan! Denn, so Sarrazin: „von der totalitären Gefahr dieser Religion [des Islams] verstand er [Goethe] vor zweihundert Jahren mehr als heute die Redenschreiber unseres Bundespräsidenten.“

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Die Kinder des Korans

am Samstag, 25 Dezember 2010. Gepostet in Islamkritik, Islam, Integration, Menschenrechte, Identität, Bildung, Koran, Islamisches Recht, Islamisches Leben, Geschlechter

1. Vom Anfang aller Dinge

Der Koran ist das heilige Buch des Islams. Und sein Studium ist eine äußerst lohnenswerte Sache. Als ich als Schüler eines Tages über mein Taschengeld hinaus Geld für einige neue C64-Monatsmagazine benötigte, unterbreitete ich meinem Vater einen perfiden Deal: Ich bot ihm an den Ayat-al Kursi, das ist der Thronvers des Korans, auf arabisch auswendig zu lernen – wenn ich dafür mit einer irdischen Belohnung seinerseits rechnen durfte. Etwas verwirrt sagte er zu, und nach zwei Stunden konnte ich den relativ langen Vers auswendig. Überhaupt memorierte ich auch sonst die Suren, die man für verschiedenste Gebete benötigte, am liebsten daheim in Eigenarbeit – und für gewöhnlich ohne irdische Entlohnungen. Wenn man viele Suren im Original auswendig konnte, dann erlangte man nicht nur die Anerkennung der Erwachsenen, sondern auch das Wohlgefallen Gottes.

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Die Kinder des Korans 3: Innere Zusammenhänge im Koran

am Samstag, 25 Dezember 2010. Gepostet in Islamkritik, Menschenrechte, Koran, Islamisches Recht, Geschlechter

Doch was steht denn nun „wirklich“ in Sure x, Vers y? Immerhin ist trotz dem Gesagten nicht zu leugnen, dass alle heutigen Islamkonzepte, einschließlich der problematisch aromatisierten, in irgendeiner Form auch auf den Koran referieren. Die wegweisende Einsicht für mich lautete wohl: Das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis unter Muslimen ist viel zu komplex, um jedes praktische Problem im Umfeld des Islams als Abbild von Verhältnissen im Koran erklären zu können. So führen viele Muslime sogar den Koran selbst als Korrektiv von so mancher islamisch geglaubten Haltung und Praxis an. Beispielsweise betonen zeitgenössische Koranexegeten und Islamgelehrte wie Süleyman Ateş oder Hayrettin Karaman, dass Todesstrafen für Abtrünnige und verheiratete Ehebrecher dem Wortlaut des Korans widersprechen und somit abzulehnen sind – und stellen sich damit gegen weit verbreitete Auffassungen im klassischen islamischen Recht. Dabei verstehen sich viele dieser reformorientierten Gelehrten oft nicht einmal als Reformer.

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Die Kinder des Korans 4: Der historische Kontext des Korans

am Samstag, 25 Dezember 2010. Gepostet in Islamkritik, Islam, Menschenrechte, Koran, Islamisches Recht

Dies führt uns zu einem weiteren natürlichen Kontext der Koranverse, nämlich zu ihrem historischen Hintergrund. Bis man als Laie auf diesen stößt, vergeht in der Regel viel Zeit, da er dem Text nicht immer unmittelbar entnommen werden kann. Dafür ermöglicht er Antworten auf eine Reihe von Fragen, die textimmanent schwer bis gar nicht zu beantworten wären. Denn der Koran spricht nicht nur in eine sehr spezielle historische Situation hinein, sondern artikuliert sich zwangsweise auch in den Kategorien der vorislamischen Verhältnisse auf der arabischen Halbinsel. So erklären sich viele Muslime z. B. die Tatsache, dass der Koran die Sklaverei humanisiert, aber nicht grundsätzlich verboten hat, durch historische Gegebenheiten, die kein nachhaltiges Verbot ermöglicht hätten. Die gewiesene Richtung zur Sklavenbefreiung sei aber relativ klar – daher entspräche es durchaus den Intentionen der Religion die Sklaverei gänzlich abzuschaffen. Warum – so könnte man nun fragen – sollte man nicht auch bei anderen Themen so argumentieren können? Die kritische Frage dabei lautet, wie weit man den historischen Kontext des Korans über die Unmittelbarkeit seiner wörtlichen Aussagen stellen darf (oder will).

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Wie islamfeindlich sind die Deutschen wirklich?

am Samstag, 16 Oktober 2010. Gepostet in Islamkritik, Integration

In großen Teilen der muslimischen Bevölkerung machen sich aufgrund der immer schonungsloseren Debatte über die Muslime Deutschlands Enttäuschung und Unsicherheit breit. Zwei repräsentative Studien haben nun Zahlen veröffentlicht, die einen Eindruck von der anwachsenden Islamfeindlichkeit in Deutschland vermitteln sollen. Der ersten von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Auftrag gegebenen Studie zufolge, in der es primär um den Rechtsextremismus in Deutschland ging, würde mehr als die Hälfte der Deutschen eine erhebliche Einschränkung der Religionsausübung für Muslime befürworten. Der anderen von der ARD in Auftrag gegebenen Studie nach wünsche sich jeder dritte Deutsche ein Deutschland ganz ohne den Islam.

Ein Muslim, der all dies unter dem Eindruck der aktuellen Integrationsdebatten zu hören bekommt, könnte naheliegenderweise so denken: "Wenn über die Hälfte der deutschen Bevölkerung mir am liebsten mit staatlicher Gewalt verbieten würde völlig friedlichen religiösen Verpflichtungen nachzugehen - was kann ich dann noch von diesem Land für mich und meine Kinder erwarten? Statt die zunehmende Islamfeindlichkeit zu bekämpfen, dreschen nun auch die Politiker um die Wette auf uns ein. Warum soll ich da nicht auch lieber auf vorsichtige Distanz zu den Deutschen gehen, die offensichtlich außer Verachtung nichts für mich übrig haben, auch wenn ich mir nichts zu schulden kommen lasse?"

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Vor dem Tribunal der Kulturwächter

am Sonntag, 10 Oktober 2010. Gepostet in Islamkritik, Islam, Integration, Identität

Es vergeht mittlerweile kaum eine Woche, in der nicht ein neuer Streit um die Muslime in Deutschland vom Zaun gebrochen wird. Eine der Fragen, die ich mir dabei stelle, lautet: Wie wirken sich diese hoch erregten Debatten eigentlich auf das Verhältnis der Muslime Deutschlands zur Mehrheitsgesellschaft aus? Von vielen muslimischen Bürgern - auch von jenen, die als integriert und säkular gelten - ist in solchen Zeiten zu hören, dass sie sich schon seit langem nicht mehr so türkisch, muslimisch oder einfach nur fremd in Deutschland gefühlt haben. Auch wenn dies emotional nachvollziehbar ist - ist das im Grunde nicht eine Fluchtreaktion? Eine Reaktion, die alles, wofür zahllose Deutsche wie Türken seit Jahrzehnten gemeinsam gearbeitet haben, auf einen Schlag für gescheitert erklärt?

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Zum Essay "Vom Dualismus und dem Kalifen Umar"

am Freitag, 08 Oktober 2010. Gepostet in Islamkritik, Islam, Integration, Identität, Bildung

Vor fast drei Jahren nahm ich mit meinem Essay "Vom Dualismus und dem Kalifen Umar" am Studierendewettbewerb des Bundesinnenministeriums teil. Auf diesen Wettbewerb bin ich damals durch einen Hinweis von Michael Blume im Verteiler der Christlich-Islamischen-Gesellschaft (CIG) aufmerksam geworden. Er selbst hatte dort schon einmal einen Preis gewonnen und wollte die Leser der Rundmail dazu einladen es selbst auch zu versuchen. Das Thema des Jahres lautete anlässlich der vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble initiierten Deutschen Islamkonferenz "Muslime in Deutschland - Deutsche Muslime". In einer Nacht-und-Nebel-Aktion schrieb ich meinen ersten an die Öffentlichkeit gerichteten Text über den Islam in Deutschland zusammen.  Letztlich gewann ich in der Kategorie Essays/Reportagen einen dritten Preis. Diesen Text habe ich jetzt an dieser Stelle eingestellt. Eine Pointe hierbei: Es war ein Christ, der mich auf die Idee brachte über Muslime zu schreiben. Vielen Dank, Michael!

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Vom Dualismus und dem Kalifen Umar

am Freitag, 08 Oktober 2010. Gepostet in Islamkritik, Islam, Integration, Identität, Bildung

I. Deutschland retten – aber vor was?

Plötzlich legte der Seminarleiter eine Folie mit einer vollständig in Burka gehüllten Frau auf. Unter dem Gewand streckte sie ihre Hand heraus und dem Betrachter bohrte sich der Anblick ihres vestümmelten Daumens ins Auge. Die Taliban hatten ihn abgeschlagen, weil sie ihn lackiert hatte. Übergroß, geradezu bedrohlich ragte das Bild von der geschundenen Frau über meinen Kopf. In der vorigen Woche hatte ich im Weltreligionenseminar ein Einführungsreferat über islamische Theologie und Mystik gehalten. Heute sollte ich zum Thema Mann und Frau im Islam referieren - und dies war nun die unerwartete Stimulanzie dazu. Lange hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich die Koranverse zum Thema systematisieren kann, um anschließend einige traditionelle und zeitgenössische Interpretationen vorzustellen. Das erfreuliche Ergebnis sollte sein, dass der Koran durchaus in einem sehr emanzipatorischen Sinne ausgelegt werden kann. Und nun dieses deplazierte Foto, das von mir offensichtlich einige Betroffenheitsbekundungen abverlangte.

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