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Islamkritik

Einführung zur Reihe "Gedanken zu Sure 4, Vers 34"

am Donnerstag, 26 April 2012. Gepostet in Islamkritik, Islam, Geschlechter

Ich habe in meiner Stellungnahme zu einer Veröffentlichung von afghanischen Gelehrten, die die Gewaltanwendung des Mannes gegen seine Ehefrau unter manchen Bedingungen unter expliziter Berufung auf den Koran gutheißt, sowohl ein Verständnis von absolutem Patriarchat mit umfassender Gehorsamspflicht für die Frau, als auch jede Form eines Züchtigungsrechts des Ehemannes zurückgewiesen - und ich habe geschrieben:

"Mir egal ob mit einem Hölzchen, einem Tuch oder mit der bloßen Hand: Ein solches Problemlösungsverfahren hat in unserer heutigen Zeit der Bildung, der Verhandlung und der möglichen finanziellen Unabhängigkeit auch von Frauen nichts mehr zu suchen. Punkt! Aber Moment mal… Aber Moment mal… Stehen all die Dinge, die ich hier kritisiere, nicht alle genauso im Koran? Ist das denn nicht islamischer Konsens seit Urzeiten des Islams? Kann ich als Moslem denn Ansichten, die doch nur denen des Gelehrtenmainstreams entsprechen, derart dreist widersprechen? Ja, und ob ich das kann! Und ich tue dies als gläubiger und praktizierender Muslim, der überzeugt davon ist hierin die universelle Vernunft und den gut verstandenen Koran auf seiner zu Seite haben."

In meiner vierteiligen Textreihe "Gedanken zu Sure 4, Vers 34" möchte ich nun meine Thesen belegen und im Detail darstellen, wie ich zu dieser Position komme.

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Gedanken zu Sure 4, Vers 34, oder: Darf ein muslimischer Mann seine Ehefrau schlagen? - Was die islamische Tradition, das ZIF, Ömer Özsoy und Hayrettin Karaman dazu zu sagen haben (Teil 2)

am Donnerstag, 26 April 2012. Gepostet in Islamkritik, Islam, Menschenrechte, Islamisches Recht, Geschlechter

3) Zugänge zu 4:34 im Hinblick auf die Thematik ehelicher Gewalt

Unser Zwischenfazit lautete: Sure 4, Vers 34 macht die Vorrangstellung des Mannes in der Ehe von praktischen Bedingungen abhängig, am offensichtlichsten von seiner aktuellen Ernährerrolle für seine Frau. Da diese Bedingung hier und heute als weitgehend oder zumindest potenziell überholt gelten kann, wäre es nur eine Konsequenz der inneren Logik von 4:34 auch das aus dem Ernährerstatus gefolgerte Durchsetzungsrecht des Mannes einschließlich eines eventuellen Züchtigungsrechts als hier und heute nicht anwendbar anzusehen.

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Gedanken zu Sure 4, Vers 34: Über das Verhältnis von Islam und Grundgesetz (Teil 4)

am Freitag, 27 April 2012. Gepostet in Islamkritik, Islam, Menschenrechte, Islamisches Leben, Geschlechter, Theologie

Jeglicher Versuch einer Reform islamischer Praxis, und sei sie noch so gut begründet, ist stets begleitet von einer Reihe weiterer Diskussionen. Eine davon hat ihre Wurzeln in muslimischen Kreisen - sie artikuliert die Befürchtung, dass jede emanzipatorische Neubestimmung islamischer Praxis letztlich auf eine völlig Angleichung an die westliche Moderne hinausläuft. Die andere Diskussion hat ihre Wurzeln in der Integrationsdebatte - sie fordert, dass die islamische Theologie in gewisser Weise nach Maßgabe des Grundgesetzes umgeschrieben werden muss. Im Folgenden möchte ich in wenigen Sätzen zeigen, dass diese Diskussionen beiderseits oft am eigentlichen Kern der Sache vorbeigehen. Genaugenommen will ich die Themen hier nur kurz anschneiden.

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Einspruch, verehrter Rat der Ulema! – Eine Polemik anlässlich des Weltfrauentags

am Sonntag, 01 April 2012. Gepostet in Islamkritik, Menschenrechte, Fundamentalismus, Islamisches Leben, Geschlechter

Pünktlich zum Weltfrauentag standen in zwei muslimischen Ländern zwei wichtige politische Stellungnahmen zur Lage der Frauen im Mittelpunkt. Die eine ist ein Gesetz der türkischen Regierung zur Bekämpfung von Gewalt gegenüber Frauen. Der Gesetzestext ist erfreulich eindeutig: „Der Gewalt gegenüber Frauen begegnet man am häufigsten innerhalb der Familie. Dabei nimmt diese physische und psychologische Formen an, aber auch die Form wirtschaftlicher Vorenthaltung und sexueller Gewalt.“ Und: „Gewalt gegenüber Personen ist eine Menschenrechtsverletzung.“ Ferner: „Es gehört zu den Verantwortungen des Staates die Gleichheit von Mann und Frau herzustellen und die Menschenrechte der Frau unter Schutz zu stellen.“ Ein Gesetz, unterschrieben von überwiegend praktizierenden Muslimen und vom türkischen Parlament einstimmig angenommen - begründet unter Verweis auf universelle Menschenrechte, die nicht nachträglich durch Verweis auf scheinbar religiöse Prinzipien unterhöhlt werden. Der aufgeführte Maßnahmenkatalog ist umfangreich und beinhaltet Präventiv- wie Interventionsmaßnahmen und thematisiert ausführlich den Schutz der Frau ebenso wie die Verfolgung gewalttätiger und –bereiter Männer. Beeindruckt hat mich das Problembewusstsein und die Eindeutigkeit des Gesetzes, dessen Botschaft zusammengefasst so lauten könnte: Wir haben ein echtes Problem mit ehelicher Gewalt und unsere Aufgabe ist es diese ohne Wenn und Aber zu bekämpfen. Man darf zurecht erwarten, dass dies einen Wendepunkt im türkischen Umgang mit dem Problem des entarteten orientalischen Patriarchats darstellt. Bravo!

Fast zeitgleich hat der afghanische Präsident Karzai ein Edikt des die Regierung beratenden Gelehrtenrats veröffentlicht und bestätigt, das zwar noch nicht juristisch bindend ist, aber offensichtlich die weitere Richung der afghanischen Frauenpolitik vorgibt. Offensichtlich zielt letztere auf eine Aussöhnung mit den Taliban ab. In Pragraph 5 heißt es, dass „die heilige Religion des Islam“ - im Unterschied zu anderen Zivilisationen und Gesellschaften in Vergangenheit und Gegenwart - der Frau „bürgerliche und soziale Rechte“ und „menschlichen Wert und Ehre zugesprochen“ habe. Nach einer Auflistung einiger dieser Rechte kommen jedoch eifrige „Aber“s: Laut den eindeutigen Versen aus Sure 4 (Verse 1 und insbesondere 34) sei der Mann „primär“ und die Frau „sekundär“. Das Tätigen von Aussagen, die diesen Koranversen widersprechen, sei zu vermeiden. Selbstverständlich verbiete die Scharia auch das Schlagen von Frauen – außer wenn ein aus Sicht der Scharia legitimer Grund vorläge. Diese Gründe seien im Koran genannt.

Die Botschaft lautet also: Liebe Muslime und Musliminnen, macht eucht nichts vor. Euer Heiliges Buch hat den Mann der Frau vorgezogen. Darum darf der Mann seine Frau bei legitimen Gründen durchaus schlagen. Da der Koran all dies eindeutig geregelt hat und heilig ist, obliegt es euch zu diesen Dingen zu schweigen.

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Merahs Terrorhintergründe oder: Steht im Koran, dass Ungläubige zu töten sind?

am Donnerstag, 29 März 2012. Gepostet in Islamkritik, Islam, Koran, Terrorismus

Hier meine sehr kurze Stellungnahme zur These, dass angebliche koranische Aufrufe zur Tötung von Nichtmuslimen die Gründe dafür seien, warum Terroristen wie Mohammed Merah morden (mit Links zu weiterführenden Texten von mir).

Ein Leser kommentierte auf Zeit-Online:

"Auch, wenn es fürchterlich unpopulär sein mag, muss es in Zeiten von vor Erklärungswut und Deutungseifer immer länger werdenden Artikeln,  erlaubt sein, ganz unspektakulär festzustellen: Dass Ungläubige getötet werden sollen, diese Aufforderung ist klar und unmissverständlich im Koran nachzulesen. Aber diese Tatsache ist vermutlich viel zu einfach und zu 'wenig hilfreich', als dass die geistigen Überflieger und Entschlüsseler der großen Zusammenhänge so einen banalen Einwurf akzeptieren würden."

Meine Antwort: Diese Behauptung ist nicht nur einfach, sondern auch falsch.

1) Von allen "Tötungsaufrufen" im Koran lässt sich zeigen, dass diese ausschließlich unter der Prämisse eines tätlichen oder unmittelbar bevorstehenden Angriffs von außen formuliert sind. Selbst in der "radikalsten" Sure 9 findet man diesen Hinweis, wenn es da heißt: "Wollt ihr nicht gegen Leute kämpfen, die ihre Eide [d.h. Friedensverträge mit den Muslimen] gebrochen haben und vorhatten, den Gesandten zu vertreiben, wobei sie zuerst gegen euch (mit Feindseligkeiten) anfingen?" (9:13) Noch viel deutlicher ist dies in anderen Suren, in denen der Krieg thematisiert wird. Der größere textuelle Kontext des Korans verbietet also die von Islamgegnern und muslimischen Fanatikern vorgeschlagene "Koranauslegung" im Sinne eines totalen Krieges gegen "Ungläubige".

2) Das Argument, dass die früheren Friedensverse von den späteren Kriegsversen abrogiert (d. h. abgelöst) worden seien, ist weit verbreitet, funktioniert jedoch nicht. Denn auch die späteren Kriegsverse haben (vgl. 1) einen konkreten textuellen oder historischen Kontext, der einer Auslegung im Sinn eines "totalen Krieges" im Wege steht. Während Muslime dies so verstehen, versuchen Islamkritker uns weiszumachen, dass die Muslime den Islam falsch verstünden, und dass die "Deutung" von Merah und co. die eigentlich islamische sei.

3) Texte haben bei aller Brisanz keine kausale Wirksamkeit, auch wenn sie als heilig gelten. Es ist die vom sozialen Kontext anerkannte, autoritative Deutung, die den meisten Gläubigen als Kern ihrer Religion gilt. Von daher ist es sinnvoller radikale Kreise zu bekämpfen statt ein (durchaus auslegungsbedürftiges) heiliges Buch, das von den wenigsten seiner Anhänger im Sinne Merahs verstanden wird.

4) Die wenigsten Muslime studieren den Korantext. Noch viel weniger radikalisieren sich auf diese Weise. Außerdem wird selbst in Koranschulen nur Koranrezitation und keine gründliche Exegese (Koranauslegung) gelehrt. Darum gehen Argumente der Art "Sure x, Vers y" zur Erklärung von Gewalt und Terror im Namen des Islams in den meisten Fällen ins Leere.

5) Zugegeben: Die Radikalen zitieren gerne Stellen aus dem Koran, scheinbar rein, ohne jede Interpretation. Jedoch ist bereits die gezielte Auswahl einer Hand voll Verse unter Unterschlagung der unmittelbar benachbarten mäßigenden Passagen eine "Interpretation", d. h. im Fall von Merah und Konsorten: eine Verdrehung des eigentlichen Sinnes.

6) Jeder, der den Islam für "schuldig" am Terror erklärt, muss auch erklären, warum Terror im Namen des Islams fast ausschließlich mit bestimmten Richtungen im Islam verknüpft ist (Teile des Wahhabismus/Salafismus) - und warum die Hauptopfer dieser Terroristen wiederum andere Muslime sind. Spätestens hier endet die alleinige Erklärungskraft der Ursachen Koran/Islam, und der soziale und politische Kontext der Täter, der freilich auch radikal-islamische Komponenten haben kann, muss analysiert werden. Und wer sich weigert den gewaltbereiten Fanatiker vom friedlich praktizierenden Muslim zu unterscheiden, hat womöglich gar kein Interesse daran die Terroristen einzukreisen. Denn sie sind erfahrungsgemäß der beste Vorwand um pauschal und kostenlos gegen alle Muslime zu hetzen.

7) Merah hat durchaus etwas mit dem Islam zu tun, und zwar ungefähr soviel wie Anders Breivik mit der Islamkritik, oder wie mordende Neonazis mit Patriotismus.

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Hat der Terrorist Merah etwas mit dem Islam zu tun?

am Freitag, 23 März 2012. Gepostet in Islamkritik, Menschenrechte, Terrorismus, Weltpolitik

Jörg Lau hat auf seinem Blog auf einen guten und fundierten Text von Muhammad Sameer Murtaza hingewiesen, in dem er auf die Notwendigkeit hinweist, den schändlichen Terroranschlag in Toulouse auf jüdische Kinder und einen Lehrer nicht einfach mit der Bemerkung abzutun, dass dies mit dem Islam an sich nichts zu tun habe. Vielmehr sei es auch nötig selbstkritisch nach jenen Stimmen im Islam zu suchen, die als Rechtfertigung für Mörder wie den Terroristen Muhammad Merah dienen. Hier mein eigener kurzer Kommentar zu Laus Text:

"Das hat nichts mit dem Islam zu tun. Man kann es nicht mehr hören…

Hier wurde etwas anderes ausagiert, und das hat eben wohl etwas mit dem Islam zu tun."
(Zitat von Jörg Lau)

Das sehe ich auch so - ich halte es ebenfalls für eine äußert oberflächliche Art des Umgangs mit ideologisch motivierter Gewalt. Dabei kann ich den Ansatz "Das hat nichts mit dem Islam zu tun" aber auch gut verstehen: Er soll deeskalierend wirken und die muslimische Mehrheit in Schutz vor Generalverdacht nehmen. Diese Sorge ist völlig berechtigt und verdient Respekt. Wenn der Begriff Islam im Diskurs schlicht "Islam der muslimischen Mehrheit in Deutschland" meint, würde ich dem Satz sogar zustimmen.

Wenn man jedoch unter Islam einen theologischen Ausgangspunkt versteht, von dem sich auch teils heikle Ideologien ableiten, dann ist die Feststellung, dass man es sich nicht so einfach machen darf, richtig.

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Antwort auf islamkritische Einwände gegen "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?" (1)

am Sonntag, 18 September 2011. Gepostet in Islamkritik, Koran, Islamisches Leben

Mein vor ca. 4 Wochen veröffentlichter Text "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?" ist über 800 mal angeklickt worden. Wie erwartet habe ich für ihn neben Zuspruch auch Kritiken erhalten. Und wie ich bereits vermutet hatte, kam eine grundsätzliche Kritik an meinem Ergebnis, dass es kein islamisch-religiöses Hindernis für eine Freundschaft mit Nichtmuslimen gibt, nicht von muslimischer, sondern von islamkritischer Seite. Beim Verfassen einer Antwort auf ein dahingehendes Posting des Mitbloggers Micheal merkte ich, dass diese schon fast zu lang für einen Kommentar wird. Darum habe ich daraus einen Text gemacht. Folgender Text bezieht sich unmittelbar auf "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen" und auf Micheals ersten Kommentar dazu. Et voilá:

Grüß dich Micheal,

hier einige kritische Anmerkungen meinerseits zu einigen deiner durchaus diskussionswürdigen Kritikpunkten. Der Übersichtlichkeit zuliebe habe ich meine Antwort thematisch gegliedert und zitiere dabei jeweils aus deinem ersten Kommentar. Leider muss ich erst mit einer Kritik an deinem Stil beginnen.

1. Kritik an deiner Diskurshaltung und Zurückweisung deines Psychologismus

Du schreibst:

„Mal wieder ein zum scheitern verurteilter Versuch den Islam, so wie er in Koran und Sunna steht, zwanghaft ins schöne zu interpretieren. „

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Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?

am Montag, 15 August 2011. Gepostet in Islamkritik, Christentum, Integration, Koran, Fundamentalismus, Islamisches Recht, Islamisches Leben, Judentum

In meiner Grundschulzeit waren alle Nationalitäten in meinem Freundeskreis vertreten: Deutsche, Italiener, Spanier, Portugiesen – allesamt Klassenkameraden, mit denen wir vormittags auf dem Pausenhof herumrannten und nachmittags entweder am C64 saßen und Giana Sisters spielten oder draußen die Gegend unsicher machten. Türken waren nahezu keine vorhanden. Mein bester Freund war ein Italiener. Er stand mir mit Fäusten bei, als mich zwei deutsche Klassenkameraden fast täglich auf dem Schulweg verprügelten – ich hatte ihren Zorn auf mich gezogen, als ich ihnen unüberlegt erzählt hatte, dass Türken viel mutiger seien als Deutsche. Einer von ihnen hat mich zwanzig Jahre später zu seiner Hochzeit eingeladen. Gelegentlich war ich bei dem Italiener daheim zu Gast beim Abendessen. Oft schlenderten wir vor Sonnenuntergang über die Felder und unterhielten uns über die Heimatstädte unserer Eltern oder über unsere Traumberufe. Er wollte damals Architekt werden und ich Arzt.

Meine Eltern schätzten meinen guten Kontakt zu meinen Klassenkameraden und ich hätte nicht gedacht, dass ich damit jemandes Missfallen erregen könnte – bis ich eines Tages von einem älteren Türken, der sich mit dem in den 90ern aufsteigenden politischen Islam in der Türkei identifizierte, etwas zu hören bekam, was mir das Blut in den Adern gefrieren ließ:

„Du kannst mit diesen Leuten nicht befreundet sein – denn im Koran steht: Nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden. Sie sind einander Freunde.“

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Wohin mit Geert Wilders? Oder: Koranische Prinzipien zum Umgang mit Provokationen und Beleidigungen des Islams

am Samstag, 04 Juni 2011. Gepostet in Islamkritik, Menschenrechte, Koran, Fundamentalismus, Islamisches Recht, Islamisches Leben, Weltpolitik

Aus aktuellem Anlass (Freispruch des Anti-Islamers Geert Wilders - ein anregender Kommentar von Serdar Güneş dazu hier) habe ich diesen Text nach oben gezogen. Et voilà:

 

"Und wenn du jene siehst, welche über unsere Botschaft spöttisch reden,
dann kehre dich von ihnen ab, bis sie ein anderes Gespräch beginnen..." (6:68)

"Das Gute und das Böse sind fürwahr nicht gleich.
Wehre (das Böse) mit Besserem ab,
und schon wird der, zwischen dem und dir Feindschaft war,
dir wie ein echter Freund werden.
Aber dies geschieht nur denjenigen, die standhaft sind,
ja nur Menschen von besonderer Begnadung." (41:34-36)

"Und Diener des Erbarmers sind diejenigen,
welche auf Erden bescheiden auftreten;
wenn die Ahnungslosen sie [provozierend] anreden,
entbieten sie ihnen den Friedensgruß (qâlû salâmâ)." (25:63)

Diese und weitere Koranverse widerlegen die von vielen Islamisten und Islamkritikern artikulierte Behauptung, dass der Koran keine Feindesliebe kenne und zudem einen unversöhnlichen, oder gar harten Kurs gegen Beleidigungen des Islams vorschreibe. Die Vertreter dieser Position behaupten unter Berufung auf Stimmen aus der islamischen Tradition, dass Toleranzverse wie die obigen mansûkh, d. h. in ihrer Gültigkeit von späteren (Kriegs-)Versen aufgehoben worden seien. Diese Auffassung erweist sich bei einem zweiten gündlicheren Blick auf den Koran als nicht zwingend, vielfach sogar als grundlegend falsch.

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Bedeutet dschihâd im Koran wirklich nur Krieg?

am Samstag, 18 Juni 2011. Gepostet in Islamkritik, Koran, Fundamentalismus, Islamisches Recht

Hier mal ausnahmsweise ein ganz kurzer Kommentar zu einem ganz großen Thema (ich muss mir dringend angewöhnen kürzere Texte zu schreiben): In der Islamkritik und im radikalen Islamismus wird häufig behauptet, dass der Begriff dschihâd im ursprünglichen Islam ausschließlich im Sinne von militärischem Kampf verwendet worden wäre. Erst in der Neuzeit hätte man versucht dschihâd eine andere, friedliche Bedeutung zu geben, etwa als friedlicher Einsatz mit dem Wort für den Glauben, oder die Bekämpfung eigener Gelüste. Der ursprüngliche Islam jedoch verstünde unter dschihâd ausschließlich die Bekriegung und Unterwerfung von „Ungläubigen“. Deswegen solle man nicht so blauäugig sein und lieber Angst vor dem Islam haben und BLA BLA BLA…

Die aufgeführte Behauptung erweist sich bei näherem Hinsehen als falsch, bzw. als Halbwahrheit. Hier der Beweis:

Bereits im Koran wird der Begriff "Dschihad" (arabisch: Anstrengung), ja sogar die Bezeichnung „großer Dschihad“ an (mindestens) einer Stelle eindeutig für das friedliche Verkünden der koranischen Botschaft gegen den Willen der mekkanischen Oligarchie durch den Propheten Mohammed verwendet, nämlich in der mekkanischen Sure 25 (al-furqân):

„So gehorche nicht den Leugnern, sondern setze dich mit ihm [dem Koran] nach Kräften gegen sie ein, mit großem Eifer (dschihâdan kabîran).“ (25:52)

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Necla Kelek kritisch gelesen: Eine Seite aus "Die fremde Braut"

am Mittwoch, 09 März 2011. Gepostet in Islamkritik, Koran, Islamisches Recht, Geschlechter

Nach der Einführung in meine Beschäftigung mit Necla Kelek möchte ich hier auf die Qualität der Koranzitate von Kelek in "Die fremde Braut" (1. Auflage, 2005) eingehen. Da die von ihr angesprochenen Themen äußerst brisant sind, will ich die Gelegenheit jedoch auch nutzen, um mich zu ihrem Inhalt zu äußern. Schließlich will ich es mir nicht zu einfach mit Necla Kelek machen.

Hier geht es mir dennoch primär um die Frage: Wie präzise arbeitet Kelek mit der wichtigsten und am einfachsten zugänglichen Quelle des Islams, nämlich dem Koran? Diese Frage ist deswegen interessant, weil die Bearbeitung der inhaltlichen Fragen deutlich komplexer ist, als das Zitieren von Koranversen. Die Beantwortung dieser einfachen technischen Frage kann uns womöglich etwas über die Qualität ihres Umgangs mit den schwierigeren Themen sagen.

Im Folgenden greife ich aus dem Unterabschnitt "Die Sklavin des Mannes" von "Die fremde Braut" die Seite 165 heraus (1. Auflage, 2005). Auf der besagten Seite finden sich nach meinem Eindruck einige groteske Fehler beim Versuch den Koran zu zitieren und zu interpretieren.

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Gedanken zu Necla Kelek

am Dienstag, 08 März 2011. Gepostet in Islamkritik, Integration

Bei der Lektüre von Patrick Bahners "Die Panikmacher", einer lesenswerten Streitschrift gegen die namhaften Islamkritiker im öffentlichen Diskurs, bin ich wieder neugierig auf meine Aufzeichnungen zu Necla Keleks "Die fremde Braut" geworden, die ich vor einigen Jahren für mein eigenes Archiv angefertigt hatte. Ich will hier künftig das eine oder andere davon kommentiert veröffentlichen. Ich hoffe, dass weder Necla Kelek, noch ihre Sympathisanten so etwas persönlich nehmen. Eine öffentliche und derart einflussreiche Person wie Kelek muss Kritik aushalten - und Necla Kelek hat darin mittlerweile beste Erfahrung und kann darin durchaus als Vorbild dienen.

Damals, als ich ihr Buch las, war ich tief beeindruckt vom Mut und der Selbstlosigkeit Keleks, aber zugleich auch zutiefst enttäuscht von ihrer radikalen Islamfeindlichkeit und ihrer Entschlossenheit den Islam und die Kultur der Muslime ohne jedes Wenn und Aber zu dämonisieren.

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Damascenus vs. Nadschidus oder: Könnte ein Christ je morden?

am Sonntag, 27 Februar 2011. Gepostet in Islamkritik, Christentum, Terrorismus, Fundamentalismus, Weltpolitik

Der aus dem Islam zum Christentum konvertierte Araber Mark Gabriel schreibt in seinem Buch „Motive islamischer Terroristen“ (2007) über den Unterschied zwischen christlichen und islamischen Fundamentalisten:

„Fundamentalistische Christen bilden keine Terrorzellen oder bombardieren Zivilisten, weil Jesus ihnen in dieser Richtung kein Vorbild gegeben hat.“ (S. 164)

Muslimische Fundamentalisten hingegen täten dies selbstverständlicherweise schon – denn sie hätten ja ein heiliges Buch, das zu einem „völlig anderen Lebensstil“ (S. 164) aufrufe als die Bibel.

Das klingt so unschuldig und so überzeugend, dass man vor Rührung schon fast mitkonvertieren möchte. Reibt man sich nach der ersten Entzückung jedoch die Augen, und macht sich die Mühe mal genauer hinzuschauen, dann fällt dieses verklärte Weltbild auch schon in sich zusammen. Da viele Gegner des Islams der felsenfesten Überzeugung sind, dass heutzutage unter den Religionen nur die islamische einen Nährboden für Gewalt bieten kann, muss ich hier leider doch etwas weiter ausholen. Aber es ist zu einem guten Zweck.

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Von Goethe, Wulff und Sarrazin

am Sonntag, 16 Januar 2011. Gepostet in Islamkritik, Bildung, Koran, Denker

Sarrazin: Wulff verharmlost Goethes kritisches Islambild

Thilo Sarrazin hat mit einem Beitrag in der Weihnachtsausgabe der FAZ mit seinen Kritikern und Gegnern in Politik und Medien abgerechnet. Dabei trat gleich in zwei Passagen ein bislang an der Sarrazin-Debatte unbeteiligter Name auf: Johann Wolfgang von Goethe. Hier wird der Dichter zweimal in Stellung gegen Sarrazins Gegener gebracht – zum einen gegen die „deutschen Inquisitoren“, die sein Buch auf den Index gesetzt hätten, zum anderen gegen den Bundespräsidenten Wulff wegen seinen angeblich den Islam verharmlosenden Berufungen auf Goethe. In beiden Kontexten bezieht sich Sarrazin explizit auf das poetische Spätwerk des Dichters, nämlich den West-östlichen Divan. Während im ersteren Fall die Gesinnung der Inquisitoren durch ein Divan-Zitat entlarvt werden soll, steht im letzteren Fall eine Richtigstellung von Goethes Haltung zum Islam im Vordergrund. Denn Wulff habe aufgrund fehlender eigener Bildung auf seiner Türkeireise doch ein Goethe-Zitat so verwendet, dass man dem Dichter eine verharmlosende, oder gar positive Haltung zum Islam hätte unterstellen können.

Wulff hatte in seiner Begrüßungsrede auf einem Kammerkonzert in der Istanbuler Irenenkirche folgende – laut Sarrazin nur scheinbar versöhnliche – Zeilen aus dem Divan zitiert:

„Gottes ist der Orient!

Gottes ist der Okzident!

Nord- und südliches Gelände

Ruht im Frieden seiner Hände.“

Sarrazin ist empört über eine derart verantwortungslose Verwendung von Goethe-Zitaten und schlägt vor, man solle doch Wulff „Goethes ‚West-östlichen Divan‘ schenken, damit er nicht mehr verharmlosend daraus zitiert.“ Die von ihm mittlerweile verachtete Staatsspitze habe also nicht nur sein Buch nicht gelesen, sondern auch Goethe nicht verstanden. Das soll wohl bedeuten, dass Goethe in Wirklichkeit ein Vorläufer der heutigen Islamkritiker war, und schon damals das wusste, was man heute leider nicht mehr sagen darf, nämlich dass der Islam letztlich eine totalitäre Bedrohung für die christlich-abendländische Zivilisation darstelle. Goethe soll dies zu einer Zeit verstanden haben, in der der Zerfall des Osmanischen Reiches bereits in vollem Gange war und die Kolonialisierung der islamischen Welt durch europäische Großmächte gerade seine ersten Vorboten aussandte. Dazu hätte man in der Tat sehr „hellsichtig“ sein müssen.

Aber mit einem bloßen Hinweis auf diese Umstände zur Zeit Goethes ist Sarrazins islamkritisches Goethebild gewiss noch nicht widerlegt. Immerhin wartet Sarrazin mit deftigen Goethe-Zitaten auf, die in nichts dem heutigen Ton entschiedener Islamkritiker nachstehen. So zitiert Sarrazin aus Goethes „Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des West-östlichen Divans“ die Anmerkung, die Religion der Muslime lasse „ihren Bekenner nicht aus einer dumpfen Beschränktheit heraus“. Knapp, knackig, politisch inkorrekt – was will man mehr? Außerdem schreibe Goethe ja auch: „Der Stil des Koran ist seinem Inhalt und Zweck gemäß streng, groß, furchtbar“. Ein erschütterndes Ergebnis also. Der Koran: furchtbar! Der islamische Glaube: dumpfe Beschränktheit! Und damit scheint die Schlacht auch schon geschlagen: Sarrazin hat Wulff peinlichster Unkenntnisse bezüglich Goethes Haltung zum Islam überführt. Schenkt also Wulff einen Divan! Denn, so Sarrazin: „von der totalitären Gefahr dieser Religion [des Islams] verstand er [Goethe] vor zweihundert Jahren mehr als heute die Redenschreiber unseres Bundespräsidenten.“

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Die Kinder des Korans

am Samstag, 25 Dezember 2010. Gepostet in Islamkritik, Islam, Integration, Menschenrechte, Identität, Bildung, Koran, Islamisches Recht, Islamisches Leben, Geschlechter

1. Vom Anfang aller Dinge

Der Koran ist das heilige Buch des Islams. Und sein Studium ist eine äußerst lohnenswerte Sache. Als ich als Schüler eines Tages über mein Taschengeld hinaus Geld für einige neue C64-Monatsmagazine benötigte, unterbreitete ich meinem Vater einen perfiden Deal: Ich bot ihm an den Ayat-al Kursi, das ist der Thronvers des Korans, auf arabisch auswendig zu lernen – wenn ich dafür mit einer irdischen Belohnung seinerseits rechnen durfte. Etwas verwirrt sagte er zu, und nach zwei Stunden konnte ich den relativ langen Vers auswendig. Überhaupt memorierte ich auch sonst die Suren, die man für verschiedenste Gebete benötigte, am liebsten daheim in Eigenarbeit – und für gewöhnlich ohne irdische Entlohnungen. Wenn man viele Suren im Original auswendig konnte, dann erlangte man nicht nur die Anerkennung der Erwachsenen, sondern auch das Wohlgefallen Gottes.

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