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Weltpolitik

Wer hat Angst vor den Islamisten?

am Montag, 09 Juli 2012. Gepostet in Weltpolitik, Islam, Fundamentalismus

Hier einige Auszüge eines provozierenden und gelungenen Beitrags von Jan Ross auf Zeit-Online über die (nicht nur) westliche Angst vor den Islamisten in den arabischen Ländern, die spätestens mit der Wahl des Muslimbruders Mursi zum ägyptischen Staatschef grundsätzlich problematisiert werden muss. Es liegt an der westlichen Öffentichkeit bei ihrer Auseinandersetzung mit der islamischen Welt über ihren Schatten zu springen und feinere, aber dringend nötige Differenzierungen vorzunehmen. Islamismus ist nicht mehr gleich Islamismus.

Ross selbst diskutiert in diesem Zusammenhang die Frage, warum der Westen religiöse Prediger mehr fürchtet als putschende Generäle, und weist unter Vergleich mit Entwicklungen der Sozialdemokraten in Deutschland auf das bereits absehbare Wandlungspotenzial des Islamismus hin.

Eines ist klar geworden: Das Phänomen des Islamismus hat eine breite Basis in der islamischen Welt, jedoch weniger in seinen radikalen Formen. Es liegt an den religiösen und lange entmündigten Muslimen die Konzpete von politischem Islam, Demokratie, säkularem Staatswesen, und lokalen Traditionen einer systematischen Neubetrachtung zu unterziehen, denn in nicht allzu ferner Zukunft werden sie selbst die volle Verantwortung für die Politik ihrer Länder tragen. Die Türken haben diese Erfahrung gemacht - und gesehen, dass sie noch einen langen und wenig berechnbaren Weg vor sich haben. Es folgen nun einige Auszüge aus dem Beitrag von Jan Ross mit meiner Empfehlung den gesamten Artikel zu lesen:

"...Es gibt keinen Weg zur Demokratie in den arabischen Ländern, der am politischen Islam vorbeiführt. Demokratie heißt nun einmal Volksherrschaft, und wenn das Volk mehrheitlich oder zu großen Teilen kulturell und religiös konservativ ist, dann muss das in seinen Wahlentscheidungen und in der Politik seiner Repräsentanten zur Geltung kommen. Es ist falsch und gefährlich, diese Tendenzen zu ignorieren oder zu unterdrücken. Als den algerischen Islamisten 1991 von einem putschenden Militär ihr Wahlsieg gestohlen worden war, folgte ein langer, barbarisch blutiger Bürgerkrieg...

Man darf die Lern- und Anpassungsfähigkeit der islamistisch geprägten Politiker nicht unterschätzen. Auch sie leben nicht mehr im Jahr 1979, als in Teheran der prowestliche Schah gestürzt wurde und der Ajatollah Chomeini seine Gottes- und Schreckensherrschaft errichtete. Nirgendwo in der arabischen Welt gilt heute das Mullah-Regime noch als Vorbild und Erfolgsgeschichte, auch bei den Muslimbrüdern und ihren Gesinnungsfreunden nicht...

Die allmähliche Zivilisierung radikaler Ideologien kennt Europa aus seiner eigenen Geschichte. August Bebel, den die deutsche Sozialdemokratie als ihren Gründervater verehrt, hat bis an sein Lebensende nicht offiziell mit dem dogmatischen Marxismus gebrochen. Noch 1903 erklärte er: »Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaft und Staatsordnung bleiben, um sie in ihren Existenzbedingungen zu untergraben, und sie, wenn ich kann, beseitigen.« Da war die SPD faktisch schon eine reformerisch-parlamentarische Partei. Nur hat sie erst später die Kraft gefunden, ausdrücklich von ihrer Klassenkampfdoktrin Abschied zu nehmen...

Die modernen Islamisten machen jetzt ihre ersten Erfahrungen mit der Macht – und die Welt macht die ersten Erfahrungen mit der Macht dieser Islamisten. Auf Demokratie und Menschenrechte und, in Ägypten, auf den Frieden mit Israel haben sie sich verpflichtet; daran sind sie gebunden, und daran soll man sie messen. Wachsam, aber nicht feindselig..."

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Hat der Terrorist Merah etwas mit dem Islam zu tun?

am Freitag, 23 März 2012. Gepostet in Weltpolitik, Menschenrechte, Islamkritik, Terrorismus

Jörg Lau hat auf seinem Blog auf einen guten und fundierten Text von Muhammad Sameer Murtaza hingewiesen, in dem er auf die Notwendigkeit hinweist, den schändlichen Terroranschlag in Toulouse auf jüdische Kinder und einen Lehrer nicht einfach mit der Bemerkung abzutun, dass dies mit dem Islam an sich nichts zu tun habe. Vielmehr sei es auch nötig selbstkritisch nach jenen Stimmen im Islam zu suchen, die als Rechtfertigung für Mörder wie den Terroristen Muhammad Merah dienen. Hier mein eigener kurzer Kommentar zu Laus Text:

"Das hat nichts mit dem Islam zu tun. Man kann es nicht mehr hören…

Hier wurde etwas anderes ausagiert, und das hat eben wohl etwas mit dem Islam zu tun."
(Zitat von Jörg Lau)

Das sehe ich auch so - ich halte es ebenfalls für eine äußert oberflächliche Art des Umgangs mit ideologisch motivierter Gewalt. Dabei kann ich den Ansatz "Das hat nichts mit dem Islam zu tun" aber auch gut verstehen: Er soll deeskalierend wirken und die muslimische Mehrheit in Schutz vor Generalverdacht nehmen. Diese Sorge ist völlig berechtigt und verdient Respekt. Wenn der Begriff Islam im Diskurs schlicht "Islam der muslimischen Mehrheit in Deutschland" meint, würde ich dem Satz sogar zustimmen.

Wenn man jedoch unter Islam einen theologischen Ausgangspunkt versteht, von dem sich auch teils heikle Ideologien ableiten, dann ist die Feststellung, dass man es sich nicht so einfach machen darf, richtig.

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Erdoğans Dschihad für den Laizismus (und seine Probleme)

am Dienstag, 20 September 2011. Gepostet in Weltpolitik, Christentum, Menschenrechte, Türkei

Der säkulare und liberale Kolumnist Şahin Alpay bringt in seiner heutigen Kolumne in der Zaman auf den Punkt, worin das politische Kapital der Türkei für die Zukunft des Mittleren Ostens liegt, nämlich im Angebot eines Staatsmodells, das demokratisch und religionsfreundlich, aber zugleich säkular ist. Laizismus wird in diesem Text übrigens ebenso wie in den (stellenweise konfusen) Äußerungen des Premierministers im Sinne eines solchen religionsfreundlichen aber säkularen Staates verstanden, und nicht in der üblichen Bedeutung eines (restriktiven) Laizismus.

Alpay weist am Ende seines Textes auf den entscheidenden Schwachpunkt von Erdoğans Engagament hin: Die Türkei ist noch nicht so weit, dass sie anderen Ländern besten Gewissens Vorlesungen in Sachen demokratischer Staatsführung halten kann. Zugleich ist jedoch zu bedenken, dass sich die Türkei in den letzten Jahren um eine Aufwertung bis Gleichstellung der nichtmuslimischen Minderheiten bemüht, d.h.: die Richtung der Entwicklung ist gut. Gemessen an den Standards europäischer Demokratie sind diese Entwicklungen nichts, worauf man wirklich stolz sein könnte, zumal diese in einer echten Demokratie selbstverständlich sein sollten und meistens noch nicht einmal abgeschlossen sind. Im Vergleich zur restriktiven Minderheitenpolitik der alten Türkei, deren Hauptschmiede säkulare Nationalisten waren, und in Anbetracht der tief verankerten Vorurteile großer Teile der türkischen Bevölkerung gegenüber ihren Minderheiten sind dies jedoch beachtliche und innenpolitisch riskante Schritte (vgl. folgende Links). Es sind also die historisch-kulturellen und politischen  Voraussetzungen der Türkei, in deren Kontext von beachtlichen Fortschritten gesprochen werden kann.

Hier einige Beispiele: Die einst enteigneten nichtmuslimischen Stiftungen erhalten große Teile ihrer einstigen Güter zurück (hier, hier und hier), Nichtmuslime werden vom türkischen Außenminister explizit dazu aufgefordert sich um staatliche Stellen in der türkischen Botschaft zu bewerben (Kommentar hier), die griechisch-orthodoxe Gemeinde durfte zum ersten Mal seit über 80 Jahren wieder Gottedienste im historischen Sumela-Kloster abhalten (hier und hier) und es sollen rechtliche Schritte gegen Verhetzung der Minderheiten eingeleitet werden (hier). Dies sind Schritte, die jeder Demokrat unterstützen muss, wenn er von der Türkei zurecht noch viel mehr Schritte in Richtung Demokratisierung verlangt.

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Erdoğan wirbt in den Ländern des arabischen Frühlings für den Laizismus

am Sonntag, 18 September 2011. Gepostet in Weltpolitik, Türkei

Es folgt meine Übersetzung der Äußerungen des türkischen Premierministers Erdoğan zum Thema Laizismus auf einer Pressekonferenz in Libyen während seiner Tour durch einige Länder des arabischen Frühlings (Tunesien, Ägypten, Libyen). Das ist wohl der beste Beweis dafür, dass mit dem Zusammenbruch des klassischen Kemalismus auch der klassische Islamismus in der Türkei endgültig Geschichte ist. In den islamischen Ländern reagierte man auf Erdoğans unerwartet enthusiastisches Plädoyer teils mit Widerspruch, z. B. von Seiten der ägyptischen Muslimbruderschaft. Manche islamische Intellektuelle in der Türkei sehen Erdoğans Versuch das nunmehr moderate, spezifisch türkische Laizitätskonzept zu exportieren ebenfalls kritisch. Hierzu wäre noch anzumerken, dass Erdoğan zwar Laizismus (türkisch: laiklik) sagte, aber offensichtlich eher den säkularen Staat meinte, der zwar religiös neutral ist, aber das Thema Religion nicht kategorisch aus der Öffentlichkeit ausschließt.

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Die Truppen Assads ziehen sich nach dem Besuch des türkischen Außenministers aus Hama zurück

am Donnerstag, 11 August 2011. Gepostet in Weltpolitik, Türkei

Ahmet Davutoğlu

Hinweis (21. Aug.): Der folgende Text war schon kurze Zeit nach seiner Veröffentlichung nicht mehr aktuell, da Assad sich bar jeder Vernunft und Einsicht gezeigt hat, den Krieg gegen sein eigenes Volk zu beenden. Der ersten Entspannung in Hama folgten sofort wieder Massaker in anderen Städten, die bis heute anhalten. Insofern lese man diesen Text lediglich als Schnappschuss einer Situation, die in mir für einen Moment Hoffnung auf Besserung der Situation der syrischen Oppositionellen geweckt hatte, die jedoch gnadenlos enttäuscht wurde. Vielleicht war es naiv bei jemandem wie Assad auf Einsicht zu hoffen, aber zuletzt stirbt eben die Hoffnung...

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Wohin mit Geert Wilders? Oder: Koranische Prinzipien zum Umgang mit Provokationen und Beleidigungen des Islams

am Samstag, 04 Juni 2011. Gepostet in Weltpolitik, Menschenrechte, Islamkritik, Koran, Fundamentalismus, Islamisches Recht, Islamisches Leben

Aus aktuellem Anlass (Freispruch des Anti-Islamers Geert Wilders - ein anregender Kommentar von Serdar Güneş dazu hier) habe ich diesen Text nach oben gezogen. Et voilà:

 

"Und wenn du jene siehst, welche über unsere Botschaft spöttisch reden,
dann kehre dich von ihnen ab, bis sie ein anderes Gespräch beginnen..." (6:68)

"Das Gute und das Böse sind fürwahr nicht gleich.
Wehre (das Böse) mit Besserem ab,
und schon wird der, zwischen dem und dir Feindschaft war,
dir wie ein echter Freund werden.
Aber dies geschieht nur denjenigen, die standhaft sind,
ja nur Menschen von besonderer Begnadung." (41:34-36)

"Und Diener des Erbarmers sind diejenigen,
welche auf Erden bescheiden auftreten;
wenn die Ahnungslosen sie [provozierend] anreden,
entbieten sie ihnen den Friedensgruß (qâlû salâmâ)." (25:63)

Diese und weitere Koranverse widerlegen die von vielen Islamisten und Islamkritikern artikulierte Behauptung, dass der Koran keine Feindesliebe kenne und zudem einen unversöhnlichen, oder gar harten Kurs gegen Beleidigungen des Islams vorschreibe. Die Vertreter dieser Position behaupten unter Berufung auf Stimmen aus der islamischen Tradition, dass Toleranzverse wie die obigen mansûkh, d. h. in ihrer Gültigkeit von späteren (Kriegs-)Versen aufgehoben worden seien. Diese Auffassung erweist sich bei einem zweiten gündlicheren Blick auf den Koran als nicht zwingend, vielfach sogar als grundlegend falsch.

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Erdoğans Versprechungen: Demokratie und Freiheit für alle Lebensweisen und Minderheiten in der Türkei

am Mittwoch, 15 Juni 2011. Gepostet in Weltpolitik, Menschenrechte, Türkei

Recep Tayyip Erdoğans AKP hat zum dritten Mal in Abfolge einen überragenden Wahlsieg errungen, diesmal mit einem Stimmanteil von sage und schreibe 50%. Jeder zweite Türke hat die AKP gewählt, davon 73% offensichtlich aufgrund der weitflächigen Modernisierung des Landes. Dabei ist es jedoch zu keiner Zweidrittelmehrheit gekommen, ja es reicht nicht einmal um auf eigene Faust ein Referendum herbeizuführen um eine allein von der AKP ausgebrütete Verfassung zu erlassen. Die AKP ist zur Zusammenarbeit mit den Oppositionsparteien verdammt. Und das ist auch gut so. 

Unten präsentiere ich eine Übersetzung der zentralen Passagen aus Erdoğans viel beachteter Rede am Wahlabend, die auch als dritte Balkonrede bezeichnet wurde, da der Premierminister sich zum dritten Mal nach einem Wahlerfolg vom Balkon des Parteigebäudes an die Öffentlichkeit wandte. In seiner Rede machte Erdoğan deutlich, was das türkische Volk und die Welt in den kommenden vier Jahren von der neuen Regierung zu erwarten hat. Er sparte dabei nicht mit visionären, progressiven und außerordentlich versöhnlichen Tönen. Erdoğan hat damit die Latte, an der sich seine künftige Politik messen lassen muss, extrem hoch angesetzt - eine Rückname seiner Klage gegen Ahmet Altan wegen Beleidigung wäre einer der ersten Schritte um zu zeigen, wie ernst es ihm mit seinen Versprechungen ist.

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Orhan Pamuk über inhaftierte Journalisten in der Türkei, den Ergenekon-Prozess und die AKP-Regierung

am Sonntag, 15 Mai 2011. Gepostet in Weltpolitik, Türkei

Der Autor Orhan Pamuk über die Gerichtsverfahren im Rahmen des Ergenekon-Prozesses: „Ich halte diese Verfahren für wichtig. Was ich in den Zeitungen über die Putschpläne lese, halte ich für überzeugend und ich meine, dass das türkische Volk ebenso davon überzeugt worden ist." 

Ich habe die Zusammenfassung eines Interviews vom 13. Maik 2011 von Charlie Rose in der amerikanschen PBS mit dem türkischen Autor und Nobelpreisträger Orhan Pamuk aus dem Türkischen ins Deutsche übersetzt. In diesem Interview äußert Pamuk sich zu einer Reihe von brisanten Themen rund um die Türkei. Der linksliberale Intellektuelle teilt im Wesentlichen meinen kritisch-optimistischen Blick auf die Entwicklungen in der Türkei, die man nur im Kontext der türkischen Vorgeschichte verstehen und einordnen kann.

Das Bemerkenswerte an Pamuk ist, dass er aufgrund seiner klaren Positionierung in der Armenierfrage von 1915 ins Kreuzfeuer der Kritik der türkischen Öffentlichkeit geraten war. Er lebt heute unter Morddrohungen - und zeigt trotzdem die Stärke sich nicht in die Opferrolle zu flüchten und überrascht mit einer nüchternen Analyse ohne jede Verbitterung. Genau jene Stärke fordert er auch von seinen Landsleuten. Et voilà (die Hervorhebungen stammen von mir):

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Damascenus vs. Nadschidus oder: Könnte ein Christ je morden?

am Sonntag, 27 Februar 2011. Gepostet in Weltpolitik, Christentum, Islamkritik, Terrorismus, Fundamentalismus

Der aus dem Islam zum Christentum konvertierte Araber Mark Gabriel schreibt in seinem Buch „Motive islamischer Terroristen“ (2007) über den Unterschied zwischen christlichen und islamischen Fundamentalisten:

„Fundamentalistische Christen bilden keine Terrorzellen oder bombardieren Zivilisten, weil Jesus ihnen in dieser Richtung kein Vorbild gegeben hat.“ (S. 164)

Muslimische Fundamentalisten hingegen täten dies selbstverständlicherweise schon – denn sie hätten ja ein heiliges Buch, das zu einem „völlig anderen Lebensstil“ (S. 164) aufrufe als die Bibel.

Das klingt so unschuldig und so überzeugend, dass man vor Rührung schon fast mitkonvertieren möchte. Reibt man sich nach der ersten Entzückung jedoch die Augen, und macht sich die Mühe mal genauer hinzuschauen, dann fällt dieses verklärte Weltbild auch schon in sich zusammen. Da viele Gegner des Islams der felsenfesten Überzeugung sind, dass heutzutage unter den Religionen nur die islamische einen Nährboden für Gewalt bieten kann, muss ich hier leider doch etwas weiter ausholen. Aber es ist zu einem guten Zweck.

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Unruhen in der arabischen Welt - für Einsteiger

am Dienstag, 01 Februar 2011. Gepostet in Weltpolitik, Türkei, Fundamentalismus

Am 31. Januar ist im der türkischen Tageszeitung Milliyet eine Kolumne des liberalen türkischen Publizisten und Juristen Taha Akyol erschienen, die auf engstem Raum auf den Punkt bringt, warum nach den zerfallenden arabischen Diktaturen trotz einer starken islamistischen Opposition mit hoher Wahrscheinlichkeit keine islamistischen Umwälzungen zu erwarten sind. Ein an den Lebenswirklichkeiten orientiertes und differenziertes Plädoyer, das viele meiner Eindrücke und Beobachtungen bestätigt hat. Et voilà:

Wohin geht Ägypten?

"Erst brachen in Tunesien Unruhen aus, dann in Ägypten. Früher oder später werden alle Diktaturen zusammenbrechen. Die Frage ist nur, was dem folgen wird: Chaos, neue Militärregimes, die radikalen Islamisten oder Demokratie?

Zunächst muss man sich hier einige wesentliche Unterschiede der Volksbewegungen in Tunesien und Ägypten zu der Revolution im Iran vor Augen halten:

• In den Volksmassen in Tunesien und Ägypten sind keine Imame zu erkennen. Die Revolution im Iran hingegen wurde von den Mullahs getragen. Ein erster Grund hierfür liegt in der Unterschiedlichkeit der jeweiligen Rechtsschulen. Im Sunnitentum fehlt den Religionsgelehrten das geistliche Charisma.

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