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Koran

Der Koran über die Diener des Erbarmers

am Sonntag, 20 Mai 2012. Gepostet in Koran, Inspirationen, Islamisches Leben

Hier die eingängige koranische Beschreibung der Diener des Erbarmers ('ibâd ar-Rahmân) aus Sure 25, Verse 63-76. Ich möchte diese Verse als Einladung an mich lesen mein eigenes spirituelles und moralisches Selbst an diesen durchaus zeitlosen Kriterien zu messen und zu erziehen (Anmerkungen folgen).

"Und Diener des Erbarmers sind diejenigen, welche auf Erden bescheiden auftreten; wenn die Ahnungslosen sie anreden, entbieten sie ihnen den Friedensgruß.

Und diejenigen, welche die Nacht verbringen, vor ihrem Herrn sich niederwerfend und (im Gebet) stehend.

Und diejenigen, welche bitten: 'O unser Herr! Wende von uns die Strafe der Hölle ab; denn diese Strafe ist ewige Pein. Schlimm als Bleibe und Ruhestatt!'

Und diejenigen, welche beim Spenden weder verschwenderisch noch geizig sind, sondern die richtige Mitte dazwischen einhalten;

und diejenige, welche neben Gott keinen anderen Gott anrufen und niemand töten, wo Gott doch zu töten verboten hat, außer nach Recht und Gesetz;

und die keine Unzucht begehen; Wer solches tut, findet Strafe. Verdoppelt soll ihm die Strafe am Tage der Auferstehung werden, und er soll entehrt ewig darin verweilen.

Außer denen, die bereuen und glauben und gute Werke tun; denn deren Böses wird Gott in Gutes umwandeln. Und Gott ist verzeihend und barmherzig.

Und wer bereut und Gutes tut, der wendet sich Gott zu.

Und diejenigen, die kein falsches Zeugnis ablegen.

Und diejenigen, welche mit Würde weitergehen, wenn sie unterwegs frivole Reden hören.

Und diejenigen, die nicht wie taub und blind niederfallen, wenn sie mit der Botschaft ihres Herrn ermahnt werden.

Und diejenigen, welche bitten: 'O unser Herr! Gib uns an unseren Ehepartnern und Nachkommen Augentrost, und mache uns zu Vorbildern für die Gottesfürchtigen!'

Das sind jene, die mit den obersten Gemächern (des Paradieses) für ihre Standhaftigkeit belohnt werden und dort mit Willkommensgrüßen und im Frieden empfangen werden sollen.

Ewig sollen sie dort verweilen - eine schöne Ruhestatt und Bleibe..."

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Gedanken zu Sure 4, Vers 34, oder: Ist die muslimische Ehefrau ihrem Mann untergeordnet? (Teil 1)

am Freitag, 13 April 2012. Gepostet in Koran, Islam, Menschenrechte, Islamisches Recht, Geschlechter

1 Einstieg: Patriarchale und emanzipatorische Lesarten von 4:34

Sure 4, Vers 34 des Korans gilt sowohl in muslimischen wie nichtmuslimischen Kreisen als die zentrale Koranpassage, die dem Mann in der Ehe eine Vorrangstellung gegenüber der Frau einräumt und ihm zudem eine Durchsetzungsrecht zuspricht, das nach gängiger Auffassung als letzten Schritt auch die Möglichkeit zu einer gemäßigten körperlichen Züchtigung einschließt. In diesem Beitrag möchte ich sowohl diese Vorrangsstellung des Mannes als auch das daraus abgeleitete Durchsetzungsrecht im Lichte von 4:34 diskutieren und zunächst ausgehend vom Koranvers selbst, dann unter Einbezug historischer Kontexte zeigen, wie diese patriarchalen Strukturen mittels Analyse ihrer Voraussetzungen auch im Rahmen des islamischen Glaubens überwunden bzw. entschärft werden können.

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Merahs Terrorhintergründe oder: Steht im Koran, dass Ungläubige zu töten sind?

am Donnerstag, 29 März 2012. Gepostet in Koran, Islam, Islamkritik, Terrorismus

Hier meine sehr kurze Stellungnahme zur These, dass angebliche koranische Aufrufe zur Tötung von Nichtmuslimen die Gründe dafür seien, warum Terroristen wie Mohammed Merah morden (mit Links zu weiterführenden Texten von mir).

Ein Leser kommentierte auf Zeit-Online:

"Auch, wenn es fürchterlich unpopulär sein mag, muss es in Zeiten von vor Erklärungswut und Deutungseifer immer länger werdenden Artikeln,  erlaubt sein, ganz unspektakulär festzustellen: Dass Ungläubige getötet werden sollen, diese Aufforderung ist klar und unmissverständlich im Koran nachzulesen. Aber diese Tatsache ist vermutlich viel zu einfach und zu 'wenig hilfreich', als dass die geistigen Überflieger und Entschlüsseler der großen Zusammenhänge so einen banalen Einwurf akzeptieren würden."

Meine Antwort: Diese Behauptung ist nicht nur einfach, sondern auch falsch.

1) Von allen "Tötungsaufrufen" im Koran lässt sich zeigen, dass diese ausschließlich unter der Prämisse eines tätlichen oder unmittelbar bevorstehenden Angriffs von außen formuliert sind. Selbst in der "radikalsten" Sure 9 findet man diesen Hinweis, wenn es da heißt: "Wollt ihr nicht gegen Leute kämpfen, die ihre Eide [d.h. Friedensverträge mit den Muslimen] gebrochen haben und vorhatten, den Gesandten zu vertreiben, wobei sie zuerst gegen euch (mit Feindseligkeiten) anfingen?" (9:13) Noch viel deutlicher ist dies in anderen Suren, in denen der Krieg thematisiert wird. Der größere textuelle Kontext des Korans verbietet also die von Islamgegnern und muslimischen Fanatikern vorgeschlagene "Koranauslegung" im Sinne eines totalen Krieges gegen "Ungläubige".

2) Das Argument, dass die früheren Friedensverse von den späteren Kriegsversen abrogiert (d. h. abgelöst) worden seien, ist weit verbreitet, funktioniert jedoch nicht. Denn auch die späteren Kriegsverse haben (vgl. 1) einen konkreten textuellen oder historischen Kontext, der einer Auslegung im Sinn eines "totalen Krieges" im Wege steht. Während Muslime dies so verstehen, versuchen Islamkritker uns weiszumachen, dass die Muslime den Islam falsch verstünden, und dass die "Deutung" von Merah und co. die eigentlich islamische sei.

3) Texte haben bei aller Brisanz keine kausale Wirksamkeit, auch wenn sie als heilig gelten. Es ist die vom sozialen Kontext anerkannte, autoritative Deutung, die den meisten Gläubigen als Kern ihrer Religion gilt. Von daher ist es sinnvoller radikale Kreise zu bekämpfen statt ein (durchaus auslegungsbedürftiges) heiliges Buch, das von den wenigsten seiner Anhänger im Sinne Merahs verstanden wird.

4) Die wenigsten Muslime studieren den Korantext. Noch viel weniger radikalisieren sich auf diese Weise. Außerdem wird selbst in Koranschulen nur Koranrezitation und keine gründliche Exegese (Koranauslegung) gelehrt. Darum gehen Argumente der Art "Sure x, Vers y" zur Erklärung von Gewalt und Terror im Namen des Islams in den meisten Fällen ins Leere.

5) Zugegeben: Die Radikalen zitieren gerne Stellen aus dem Koran, scheinbar rein, ohne jede Interpretation. Jedoch ist bereits die gezielte Auswahl einer Hand voll Verse unter Unterschlagung der unmittelbar benachbarten mäßigenden Passagen eine "Interpretation", d. h. im Fall von Merah und Konsorten: eine Verdrehung des eigentlichen Sinnes.

6) Jeder, der den Islam für "schuldig" am Terror erklärt, muss auch erklären, warum Terror im Namen des Islams fast ausschließlich mit bestimmten Richtungen im Islam verknüpft ist (Teile des Wahhabismus/Salafismus) - und warum die Hauptopfer dieser Terroristen wiederum andere Muslime sind. Spätestens hier endet die alleinige Erklärungskraft der Ursachen Koran/Islam, und der soziale und politische Kontext der Täter, der freilich auch radikal-islamische Komponenten haben kann, muss analysiert werden. Und wer sich weigert den gewaltbereiten Fanatiker vom friedlich praktizierenden Muslim zu unterscheiden, hat womöglich gar kein Interesse daran die Terroristen einzukreisen. Denn sie sind erfahrungsgemäß der beste Vorwand um pauschal und kostenlos gegen alle Muslime zu hetzen.

7) Merah hat durchaus etwas mit dem Islam zu tun, und zwar ungefähr soviel wie Anders Breivik mit der Islamkritik, oder wie mordende Neonazis mit Patriotismus.

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Antwort auf islamkritische Einwände gegen "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?" (1)

am Sonntag, 18 September 2011. Gepostet in Koran, Islamkritik, Islamisches Leben

Mein vor ca. 4 Wochen veröffentlichter Text "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?" ist über 800 mal angeklickt worden. Wie erwartet habe ich für ihn neben Zuspruch auch Kritiken erhalten. Und wie ich bereits vermutet hatte, kam eine grundsätzliche Kritik an meinem Ergebnis, dass es kein islamisch-religiöses Hindernis für eine Freundschaft mit Nichtmuslimen gibt, nicht von muslimischer, sondern von islamkritischer Seite. Beim Verfassen einer Antwort auf ein dahingehendes Posting des Mitbloggers Micheal merkte ich, dass diese schon fast zu lang für einen Kommentar wird. Darum habe ich daraus einen Text gemacht. Folgender Text bezieht sich unmittelbar auf "Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen" und auf Micheals ersten Kommentar dazu. Et voilá:

Grüß dich Micheal,

hier einige kritische Anmerkungen meinerseits zu einigen deiner durchaus diskussionswürdigen Kritikpunkten. Der Übersichtlichkeit zuliebe habe ich meine Antwort thematisch gegliedert und zitiere dabei jeweils aus deinem ersten Kommentar. Leider muss ich erst mit einer Kritik an deinem Stil beginnen.

1. Kritik an deiner Diskurshaltung und Zurückweisung deines Psychologismus

Du schreibst:

„Mal wieder ein zum scheitern verurteilter Versuch den Islam, so wie er in Koran und Sunna steht, zwanghaft ins schöne zu interpretieren. „

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Kann ein Mensch zugleich glauben und zweifeln?

am Samstag, 27 August 2011. Gepostet in Koran, Erziehung, Inspirationen, Islamisches Leben, Theologie

Der Prophet Abraham ist eine der Schlüsselfiguren des Korans und in vielerlei Hinsicht der Prototyp des idealen gottergebenen Gläubigen. Dass dieser Glaube einerseits Ergebenheit (arabisch: islâm) erfordert, bedeutet mitnichten, dass dafür erst die Vernunft aufgeopfert werden müsste. Folgende für mich persönlich sehr bedeutsame Passage im Koran verdeutlicht, dass es weder unerwünscht, noch Sünde ist selbst an die Selbstverständlichkeiten des Glaubens offensiv genau jene Fragen zu richten, die einen - aus welchen Gründen auch immer - beschäftigen (nach Henning/Hofmann - Einfügungen von mir) :

"Und als Abraham sprach: 'Mein Herr, zeige mir, wie du die Toten lebendig machst!',

sprach er [Gott]: 'Glaubst du etwa noch nicht?'

Er [Abraham] sagte: 'Doch! Aber ich möchte in meinem Herzen ganz sicher sein...." (2:260)

Dies als beruhigender Hinweis an all jene, die sich als gläubig verstehen, aber zugleich offene Fragen oder Anflüge von Zweifeln innerhalb ihres Glaubens haben, die ihnen als Zeichen eines schwachen Glaubens vorkommen und sie deswegen unglücklich machen - und als Warnung an all jene, die versuchen geraden den jungen Fragenden ein schlechtes Gewissen für ihre legitime Neugier zu machen. Wenn selbst der Prophet Abraham, der im Koran als gutes Vorbild für die Muslime gilt, seinen Herren und Schöpfer respektvoll, aber ohne Umschweife dazu auffordert seinem Herzen Sicherheit (oder: Befriedigung) durch - in diesem Fall - empirische Erkenntnis zu schenken, dann kann es auch uns nicht verwehrt sein genau dort gezielt Nachforschungen anzustellen, wo wir Fragen haben und das Bedürfnis nach Klärung und Sicherheit verspüren. Ich will im Übrigen nicht behaupten, dass Abraham Zweifel im heutigen Wortsinn hatte, sondern nur, dass seine Frage an Gott eine Verwandschaft hat mit der fragenden Stimme im Gläubigen, die bei dem einen öfter, bei dem anderen seltener auftaucht und nach Antworten sucht. Ob man diese Fragen als Zweifel bezeichnen will, ist aus meiner Sicht eine Frage der Definition und daher nicht so interessant. Mir geht es hier um etwas anderes: Die Suche nach einer Einheit von Herz und Verstand ist zu wertvoll, als dass sie aufgrund mangelnder Unterstützung von außen vorzeitig abgebrochen werden sollte. Andererseits kann man als Gläubiger bei dieser Suche wiederum Beistand im Glauben suchen, oder wie es in zwei prägnanten koranischen Gebeten heißt:

"Mein Herr! Mehre mein Wissen!" - "rabbî zid nî 'ilmâ" (20:114)

"Mein Herr! Gib mir Urteilskraft und vereinige mich mit den Rechtschaffenen" - "rabbî hablî hukman va alhiqnî bis-salihîn" (26:83)

In diesem Sinne...

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Darf sich ein Muslim Juden und Christen zu Freunden nehmen?

am Montag, 15 August 2011. Gepostet in Koran, Christentum, Integration, Islamkritik, Fundamentalismus, Islamisches Recht, Islamisches Leben, Judentum

In meiner Grundschulzeit waren alle Nationalitäten in meinem Freundeskreis vertreten: Deutsche, Italiener, Spanier, Portugiesen – allesamt Klassenkameraden, mit denen wir vormittags auf dem Pausenhof herumrannten und nachmittags entweder am C64 saßen und Giana Sisters spielten oder draußen die Gegend unsicher machten. Türken waren nahezu keine vorhanden. Mein bester Freund war ein Italiener. Er stand mir mit Fäusten bei, als mich zwei deutsche Klassenkameraden fast täglich auf dem Schulweg verprügelten – ich hatte ihren Zorn auf mich gezogen, als ich ihnen unüberlegt erzählt hatte, dass Türken viel mutiger seien als Deutsche. Einer von ihnen hat mich zwanzig Jahre später zu seiner Hochzeit eingeladen. Gelegentlich war ich bei dem Italiener daheim zu Gast beim Abendessen. Oft schlenderten wir vor Sonnenuntergang über die Felder und unterhielten uns über die Heimatstädte unserer Eltern oder über unsere Traumberufe. Er wollte damals Architekt werden und ich Arzt.

Meine Eltern schätzten meinen guten Kontakt zu meinen Klassenkameraden und ich hätte nicht gedacht, dass ich damit jemandes Missfallen erregen könnte – bis ich eines Tages von einem älteren Türken, der sich mit dem in den 90ern aufsteigenden politischen Islam in der Türkei identifizierte, etwas zu hören bekam, was mir das Blut in den Adern gefrieren ließ:

„Du kannst mit diesen Leuten nicht befreundet sein – denn im Koran steht: Nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden. Sie sind einander Freunde.“

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Wenn alle Meere Tinte wären...

am Montag, 08 August 2011. Gepostet in Koran, Inspirationen

"Sehr ihr denn nicht, dass euch Gott alles in den Himmeln und auf Erden dienstbar machte und Seine Gnade über euch ausgoss, sichtbar und unsichtbar? ..." (31:20)

 

"Und wenn alle Bäume auf Erden Schreibfedern wären und das Meer (als Tinte) danach von sieben Meeren nachgefüllt würde: Gottes Worte wären nicht erschöpft! Siehe, Gott ist mächtig und weise." (31:27)

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Wohin mit Geert Wilders? Oder: Koranische Prinzipien zum Umgang mit Provokationen und Beleidigungen des Islams

am Samstag, 04 Juni 2011. Gepostet in Koran, Menschenrechte, Islamkritik, Fundamentalismus, Islamisches Recht, Islamisches Leben, Weltpolitik

Aus aktuellem Anlass (Freispruch des Anti-Islamers Geert Wilders - ein anregender Kommentar von Serdar Güneş dazu hier) habe ich diesen Text nach oben gezogen. Et voilà:

 

"Und wenn du jene siehst, welche über unsere Botschaft spöttisch reden,
dann kehre dich von ihnen ab, bis sie ein anderes Gespräch beginnen..." (6:68)

"Das Gute und das Böse sind fürwahr nicht gleich.
Wehre (das Böse) mit Besserem ab,
und schon wird der, zwischen dem und dir Feindschaft war,
dir wie ein echter Freund werden.
Aber dies geschieht nur denjenigen, die standhaft sind,
ja nur Menschen von besonderer Begnadung." (41:34-36)

"Und Diener des Erbarmers sind diejenigen,
welche auf Erden bescheiden auftreten;
wenn die Ahnungslosen sie [provozierend] anreden,
entbieten sie ihnen den Friedensgruß (qâlû salâmâ)." (25:63)

Diese und weitere Koranverse widerlegen die von vielen Islamisten und Islamkritikern artikulierte Behauptung, dass der Koran keine Feindesliebe kenne und zudem einen unversöhnlichen, oder gar harten Kurs gegen Beleidigungen des Islams vorschreibe. Die Vertreter dieser Position behaupten unter Berufung auf Stimmen aus der islamischen Tradition, dass Toleranzverse wie die obigen mansûkh, d. h. in ihrer Gültigkeit von späteren (Kriegs-)Versen aufgehoben worden seien. Diese Auffassung erweist sich bei einem zweiten gündlicheren Blick auf den Koran als nicht zwingend, vielfach sogar als grundlegend falsch.

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Der Koran über das Universum, den Menschen und den Sinn des Lebens

am Mittwoch, 22 Juni 2011. Gepostet in Koran, Inspirationen, Sinn des Lebens

"Sehen die Leugner denn nicht, dass die Himmel und die Erde eine einzige Masse waren, die Wir (Gott) spalteten,

und dass Wir dann aus dem Wasser alles Lebendige entstehen ließen?

Wollen sie denn nicht glauben?

Und Wir setzten festgegründete Berge auf die Erde, damit sie nicht mit ihnen wanke.

Und Wir machten auf ihr breite Täler als Wege, damit sie sich zurechtfinden.

Und Wir machten den Himmel zu einem wohlbehüteten Dach. Doch sie kehren sich von seinen Zeichen ab.

Und Er ist es, der die Nacht erschuf und den Tag, die Sonne und den Mond; jeder schwebt auf seiner Bahn.

Und Wir gaben auch vor dir (o Mohammed) keinem Menschen Unsterblichkeit.

Darum werden sie wohl ewig leben, während du stirbst?

Ein jeder wird den Tod erleiden.

Und Wir stellen euch auf die Probe, mit Bösem und Gutem.

Und zu uns kehrt ihr zurück." (Der Koran, 21:30-35)

(nach Henning/Hofmann)

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Bedeutet dschihâd im Koran wirklich nur Krieg?

am Samstag, 18 Juni 2011. Gepostet in Koran, Islamkritik, Fundamentalismus, Islamisches Recht

Hier mal ausnahmsweise ein ganz kurzer Kommentar zu einem ganz großen Thema (ich muss mir dringend angewöhnen kürzere Texte zu schreiben): In der Islamkritik und im radikalen Islamismus wird häufig behauptet, dass der Begriff dschihâd im ursprünglichen Islam ausschließlich im Sinne von militärischem Kampf verwendet worden wäre. Erst in der Neuzeit hätte man versucht dschihâd eine andere, friedliche Bedeutung zu geben, etwa als friedlicher Einsatz mit dem Wort für den Glauben, oder die Bekämpfung eigener Gelüste. Der ursprüngliche Islam jedoch verstünde unter dschihâd ausschließlich die Bekriegung und Unterwerfung von „Ungläubigen“. Deswegen solle man nicht so blauäugig sein und lieber Angst vor dem Islam haben und BLA BLA BLA…

Die aufgeführte Behauptung erweist sich bei näherem Hinsehen als falsch, bzw. als Halbwahrheit. Hier der Beweis:

Bereits im Koran wird der Begriff "Dschihad" (arabisch: Anstrengung), ja sogar die Bezeichnung „großer Dschihad“ an (mindestens) einer Stelle eindeutig für das friedliche Verkünden der koranischen Botschaft gegen den Willen der mekkanischen Oligarchie durch den Propheten Mohammed verwendet, nämlich in der mekkanischen Sure 25 (al-furqân):

„So gehorche nicht den Leugnern, sondern setze dich mit ihm [dem Koran] nach Kräften gegen sie ein, mit großem Eifer (dschihâdan kabîran).“ (25:52)

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Jenseits, Pflicht und Glücksstreben bei Kant und im Koran

am Samstag, 04 Juni 2011. Gepostet in Koran, Sinn des Lebens, Islamisches Leben, Koranische Kosmologie, Theologie, Philosophie

Im Folgenden präsentiere ich euch den Beginn des Schlusswortes aus Immanuel Kants Kritik der praktischen Vernunft, einem der zentralen Werke der abendländischen Moralphilosophie überhaupt. Kant stellt hier in wunderschöner Prosa den Menschen in Bezug zur Natur auf der einen und Moral auf der anderen Seite und kommt zum Ergebnis, dass es die Moral im Sinne eines Handelns aus reinem Pflichtbewusstsein ist, die dem Menschen seinen eigentlichen Wert verleiht. Dieser Wert hebt den Menschen laut Kant über alles Vergängliche ab und weist auf eine ewige Seite von ihm hin - eine Seite, die die Vernunft zwar nicht beweisen, aber erahnen kann.

Kant formuliert in seinen moralphilosophischen Werken sowohl als Religions- wie auch als Moralphilosoph viele Gedanken, die nach meinem Dafürhalten eine verblüffende Ähnlichkeit mit einigen zentralen Positionen der islamischen Theologie haben. Als da wären:

* die Betonung des Vorrangs der praktischen vor der theoretischen Vernunft: Das Handeln in der rechten Absicht, d. h. in reinem Pflichbewusstsein genießt Vorrang vor der reinen Vernunfterkenntnis ("Primat der praktischen Vernunft").

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Koranische Inspirationen zum Umgang mit Leid und Glück

am Freitag, 03 Juni 2011. Gepostet in Koran, Inspirationen, Sinn des Lebens, Islamisches Leben, Theologie

Heute am 3. Juni ist der Beginn dreier wichtiger Monate des islamischen Kalenders, nämlich Radschab, Schaban und Ramadan. Das möchte ich zum Anlass nehmen etwas weitgehend Unpolitisches und hoffentlich Erbauliches zu veröffentlichen.

Folgende beide mekkanische Suren, ad-duhâ und al-inshirâh, gehören zu meinen absoluten Lieblingspassagen des Korans. Sowohl ihre Bedeutung, als auch ihre rhythmisch verspielte Reimform im Arabischen machen sie seit meiner frühen Jugend zu einer großen Inspiration für mich. Wann immer ich mit meinem Latein am Ende bin, haben ad-duhâ und al-inshirâh noch einen weisen und befreienden Rat für mich parat. Sie sprechen in sanftestem Ton die schwachen und verletzlichen Seiten des Menschen an, erinnern dabei an den Wert der Dinge, die wir besitzen, und und aktivieren zumindest in mir einen geradezu kindlichen Optimismus und Tatendrang - sei es als Helfer für Bedürftige, als Beisteher für Probleme oder einfach als praktischer Macher.

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Sure 93: Der lichte Tag (ad-duhâ)

am Dienstag, 07 Juni 2011. Gepostet in Koran, Inspirationen, Sinn des Lebens, Islamisches Leben

1. Beim lichten Tag!

2. Und bei der dunkelen Nacht, wenn sie still wird!

3. Dein Herr hat dich nicht verlassen und Er verabscheut dich nicht!


4. Und wahrlich, das Jenseits ist besser für Dich als das Diesseits.


5. Und dein Herr wird dir gewiss bald geben, und du wirst zufrieden sein.


6. Fand Er dich nicht als Waise und nahm dich auf?


7. Und fand Er dich nicht verirrt und leitete dich?


8. Und fand Er dich nicht arm und machte dich reich?


9. Daher, was die Waise anlangt, benachteilige sie nicht!


10. Und was den Bittsteller anlangt, weise ihn nicht ab!


11. Und was deines Herren Wohltaten anlangt, sprich darüber!

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Sure 94: Das Weiten (al-inshirâh)

am Dienstag, 07 Juni 2011. Gepostet in Koran, Inspirationen, Sinn des Lebens, Islamisches Leben

1. Haben Wir dir nicht deine Brust geweitet?

2. Und deine Last von dir genommen,


3. Die so schwer auf deinem Rücken lastete?


4. Und (haben Wir dir nicht) dein Ansehen erhöht?


5. Doch wahrlich, mit (jeder) Schwierigkeit kommt (auch) Erleichterung)!


6. Doch wahrlich, mit (jeder) Schwierigkeit kommt (auch) Erleichterung!


7. Und wenn du (mit etwas) fertig bist, dann bemühe dich weiter.


8. Und widme mich dich ganz deinem Herrn.

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Der Anfang aller Dinge, oder: Lesen Muslime wirklich den Koran?

am Freitag, 08 April 2011. Gepostet in Koran, Islamisches Leben

Es wird oft behauptet, Muslime würden den Koran lesen. Der Koran sei ihr heiliges Buch: das reine, ewig gültige Wort Gottes, das alle Lebensbereiche regele und für den Moslem immer das letzte Wort habe. Was sonst sollten Muslime also lesen, wenn nicht den Koran? Außerdem werde doch an Koranschulen eben der Koran gelesen und studiert. Und es gäbe ja sogar Muslime, die den gesamten Koran auswendig beherrschten. Was könnte da noch falsch sein an der Feststellung, dass Muslime den Koran lesen?

Ganz einfach: Diese Behauptung beruht auf dem verbreiteten Irrtum, dass Muslime, die im Koran lesen, den Koran so lesen, wie man ein Buch für gewöhnlich liest: entschlüsselnd, verstehend, nachvollziehend. In Wirklichkeit lesen die meisten Muslime den Koran, so sie ihn denn lesen, im arabischen Original, also in einer Sprache, die sie nicht verstehen, aber dessen Schriftzeichen sie studieren und richtig auszusprechen lernen. Aber warum machen sie so etwas? Weil den Muslimen nicht nur der Inhalt, sondern schon der Wortlaut und somit insbesondere auch der Klang des Korans als göttlichen Ursprungs gilt.

Sein Klang, seine rhythmische Intensität, seine immanente Musik – sie alle machen ein Erleben des Korans aus, das nur der kennt, der die intimsten Momente islamischer Kultur miterlebt hat. Auch, wenn man den Koran nicht melodisch nach allen Rezitationsregeln des tadschvīd rezitiert, sondern ihn nur vor sich hin murmelt, wie es im Gebet meistens der Fall ist, macht man dies doch im Bewusstsein, dass da etwas von der Koranrezitation in das Herz und die Seele durchdringt und diese in einen Ort der Heilung und der Gegenwart Gottes verwandelt. Dieser durchaus mystische Gedanke hat seine theologische Basis, auch im klassischen sunnitischen Islam.

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