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Musik

Was ist aus den Akteuren des Films "Mohammed - Der Gesandte Gottes" geworden?

am Sonntag, 18 März 2012. Gepostet in Musik, Islam, Kunst

Was ist aus den Akteuren des Films

Ich bin heute auf einen interessanten und teils wirklich rührenden Artikel hierzu in der türkischen Yeni Şafak gestoßen (hier verlinkt), in dem der Autor die Spur von wichtigen Beteiligten dieses Films verfolgt hat - eines Films von 1976, dessen Regisseur Moustapha Akkad ein syrischer Muslim war (rechts im Bild mit seiner Tochter Rima Monla und einem nach einem Enkel aussehenden Jungen). Dessen Inhalt folgt den klassischen islamischen Quellen und wurde zugleich nach westlichen Standards mit einer entsprechenden Besetzung gedreht. Der Film ist im Türkischen als Çağrı (dt.: der Ruf) und im Englischen als The Message bekannt.

Was da an Erinnerungen wach wird: Bilal, der schwarze Sklave aus Mekka, der trotz Folter zum Propheten hielt und dem Jahre später die Ehre zukam den ersten Gebetsruf des Islams erschallen zu lassen... Hamza, der Onkel des Propheten, dargestellt durch einen ausgesprochen charismatischen Anthony Quinn... alles untermalt durch eine einfache aber eingängige Filmmusik (hier ein Ausschnitt), die bei mir noch Jahre später Gänsehaut erzeugt, und für viele zum modernen Soundtrack des Islams überhaupt geworden ist.

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Ein verspäteter Nachruf auf Michael Jackson (R.I.P.)

am Mittwoch, 17 August 2011. Gepostet in Musik, Türken

Nach meiner Metalbeichte muss ich nun wieder ein musikalisches Geständnis ablegen. Es gab zu meiner frühen Schulzeit Abende unter der Woche, an denen mein kleiner Bruder und ich meinen Eltern mit viel Flehen und Wimmern die Erlaubnis abrangen trotz Schule am nächsten Tag bis Mitternacht aufzubleiben zu dürfen – das waren jene Abende, an denen MTV Mitschnitte von Michael Jacksons Konzerten präsentierte. Sie faszinierten uns, und wir versprachen ruhig zu sein und den Fernseher möglichst leise zu stellen, um unsere Eltern nebenan nicht beim Einschlafen zu stören. Jackos Auftritte waren Ereignisse, die die Wirklichkeit von Schule und Spielen durchbrachen, mit nichts vergleichbar, wie das Absteigen eines überirdischen Wesens aus einer höheren Dimension, das tanzte und schaute, als würde es Krieg gegen eine ganze Armee von Bösewichtern führen.

Leider hatte dieses Wesen aus der höheren Dimension die verstörende Gewohnheit sich ausgerecht in den packendsten Momenten seines Tanzes in den Schritt zu greifen. Wir machten uns keine großen Gedanken darüber, doch stellten diese Griffmomente nach unserer einhelligen Meinung ein hohes Sicherheitsrisiko für den Fortbestand unserer Jacko-Nights dar. Schließlich wussten wir, dass unsere Eltern mit der krachigen Musik und dem unverständlichen Geschrei („You now ambääääh, ambääääh!“ – ich habe erst Jahre später erfahren, was er da wirklich singt!), dem wir tagsüber gerne frönten, leben könnten, sofern sie nicht mit dieser Geste konfrontiert würden. Letzteres zu gewährleisten war also unsere dringlichste Aufgabe.

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Afraid to shoot strangers: Ein Antikriegssong von Iron Maiden

am Dienstag, 07 Juni 2011. Gepostet in Musik

Dim lights

Iron Maiden: Afraid to shoot strangers (1995)

Ich gestehe: Ich bin mit der britischen Metal-Band Iron Maiden groß geworden. Zudem hatte ich zweimal die Gelegenheit die Band live zu erleben. Dass ich ihre Songs seit fast zwei Jahrzehnten immer noch gerne höre, spricht entweder für meine musikalische Einfalt, oder für Iron Maidens Genialität. Ich will hier mal Letzteres unterstellen. Ich möchte nun eben dieser Genialität einen kleinen Tribut zollen und ein Video von dem wohl ersten Metalsong in meinem Leben einstellen, der bei mir eine geradezu magische Wirkung auslöste und mich dazu bewog musikalisch zu einem halbwegs anspruchsvollen Heavy Metal zu konvertieren: Afraid to shoot strangers. Man könnte den Titel dieses Antikriegsliedes übersetzen als: Zu feige um Fremde zu erschießen.

Das hier ist ein Live-Video aus der Maidenphase mit dem Frontman Blaze Bayley. Dieses Stück konnte Bayley gut singen, obwohl er dem wieder aktuellen Sänger Bruce Dickinson sonst kaum das Wasser reichen kann. Ich hoffe, dass ich hier niemanden mit Metal zu sehr abschrecke und lade dazu ein den wuchtigen, aber sehr melodischen Klängen dieses schönen Stückes zu lauschen. Unten folgt der englische Text. Hier vielleicht noch einige Worte zu meinem persönlichen Verhältnis zum Heavy Metal:

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Yusuf Islam alias Cat Stevens über Musik, Islam und Spiritualität

am Samstag, 30 April 2011. Gepostet in Musik, Islamisches Leben

Dim lights

Yusuf Islam alias Cat Stevens: Father & Son (2008)

 

In der Süddeutschen Zeitung vom 1. April 2011 ist ein Interview mit Yusuf Islam (Künstlername: Yusuf) alias Cat Stevens erschienen, in dem es unter anderem um sein Verständnis von Islam und Musik geht. Das hat mich so begeistert, dass ich das Bedürfnis hatte einige Passagen davon wiederzugeben und einen Kommentar zu verfassen. Diesem Bedürfnis werde ich jetzt mit eurer Erlaubnis nachkommen. Et voilà:

"Im Interview mit Andrian Kreye spricht der Sänger Yusuf, ehemals Cat Stevens, über die Sinnsuche in der Popkultur der 1960er Jahre, über den Weg vom Buddhismus zum Islam und warum er nach 35 Jahren wieder auf Tournee geht.

Der Sänger Yusuf nannte sich früher Cat Stevens und galt als einer der wichtigsten Liedermacher der 1960er Jahre. Im Dezember 1977 bekehrte er sich zum Islam, nannte sich Yusuf Islam und kehrte der Musik den Rücken. Nun nennt er sich nur noch Yusuf, lebt mit seiner Familie in Dubai und kommt im Mai nach 35 Jahren erstmals wieder auf Deutschlandtournee. Da wird er wenige neue und viele seiner alten Songs spielen, wie "Morning Has Broken", "Moon Shadow" und "Peace Train".

Warum gehen Sie wieder auf Tour?

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Als Yusuf wieder zur Gitarre griff - ein Kommentar

am Samstag, 30 April 2011. Gepostet in Musik, Identität, Islamisches Recht, Islamisches Leben

"Ich glaube, dass Musik vor allem eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Viele Muslime haben ihre Vorbehalte gegen Musik, weil sie Musik nicht wirklich kennen. Sie identifizieren Musik mit etwas, das ihnen fremd ist. Ich habe ja selbst jahrelang einer sehr starken konservativen Strömung im Islam gehorcht, die besagte, dass Musik verboten ist. Aber dann habe ich mich schlau gemacht und realisiert, dass die Wirklichkeit ganz anders ist. Es war ja auch das islamische Spanien, über das mit der Gitarre das Instrument nach Europa kam, auf dem heute die Rockmusik basiert. Nein, eine der großen Naturschönheiten in Gottes Universum ist nun mal die Musik." (Yusuf Islam, 2011)

Cat Stevens hatte nach seinem Übertritt zum Islam als Yusuf Islam seiner ehemaligen Musik mit Gitarren und profanen Texten abgeschworen. Dafür konnte man nun religiösen Gesängen von Yusuf Islam lauschen, die schlicht, wunderschön, aber auch betont weltabgewandt waren. Instrumente waren bei ihm lange Zeit nicht zu hören, und seine konsequente Beschränkung auf Percussion-Instrumente wie Trommeln zeigte vor allem eines: Hier sollte Musik so betrieben werden, dass man vom Standpunkt des klassischen islamischen Rechts der Rechtsgelehrten keine prinzipiellen Einwände erheben konnte.

Ich verstand Yusuf Islams damalige Sensibilität diesbezüglich, und respektierte sie - zumal er ja einen spirituellen Neuanfang in absoluter Reinheit suchte, und seine neue Musik ja gerade auch den  religiösen Muslime verständlich machen wollte.

Aber mich, der ich mich selbst als leidenschaftlichen  Musiker und zugleich als praktizierenden Muslim verstand, hat seine klare Beschränkung auf klassisch-fiqh-kompatible Musik auch etwas traurig gemacht, wenn nicht gar verletzt. Zu gerne hätte ich damals ein paar originelle Worte von ihm über Musik gehört - Worte, die über die klassischen Meinungen von Religionsgelehrten über die schädlichen Seiten von Musik hinausgingen. Für viele von ihnen gab es nämlich eine untrennbare Verbindung zwischen dem Musizieren an sich, und den der Musik von Menschen auferlegten Bedeutungen und Verwendungen für verschiedenste Formen von Unterhaltung, die moralisch bedenklich oder gar verwerflich sein konnten.

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Der Fluch der Ehre

am Samstag, 12 März 2011. Gepostet in Musik, Menschenrechte, Türkei, Islamisches Recht, Geschlechter

Der 2004 verstorbene türkische Rockmusiker Cem Karaca ist neben Barış Manço eine der wichtigsten Vertreter des Anadolu Rock. Er zählt zu meinen absoluten Favoriten der türkischen populären Musik. Durch seine gesellschaftskritischen, witzigen und tiefgründigen Texte heben sich seine Lieder wohltuend vom Niveau des immer einfältiger werdenden türkischen Pop ab. Die junge türkische Rockband Kurban hat vor einigen Jahren einen Klassiker von Cem Karaca, wie ich finde, gelungen gecovert. Bei dem Stück handelt es sich um Namus Belası, was  ungefähr als Der Fluch der Ehre übersetzt werden kann. Das Stück behandelt eine der finstersten Erscheinungsformen des alttürkischen Ehrbegriffs, nämlich die sogenannten Ehrenmorde und die damit verbundene Spirale der Gewalt. Ich habe einen Clip samt Text und Übersetzung am Ende des Beitrags eingestellt.

Die konservative AKP-Regierung um Erdoğan war die erste überhaupt in der Geschichte der türkischen Republik, die die bis dahin oft stillschweigend hingenommene Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen zu einem öffentlichen Thema gemacht hat. Unter ihr kam es nicht nur zu umfassenden statistischen Erhebungen der Dunkelziffern, sondern auch zu einer deutlichen Verschärfung des Strafrechts hinsichtlich der Ehrenmorde. Seit 2005 ist die Familienehre als Motiv kein strafmildernder Umstand mehr. Auf Ehrenmorde steht nunmehr kategorisch lebenslange Haft. Welchen Einfluss dieser wichtige Schritt auf die Praxis hatte, ist jedoch ungewiss. Von einem durchschlagenden Erfolg kann im Moment jedenfalls noch keine Rede sein.

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Barış Manço bei Alfred Biolek (1982)

am Donnerstag, 23 Dezember 2010. Gepostet in Musik, Identität, Türken, Inspirationen

Meine Güte, was habe ich denn da entdeckt! Hätte es jemand je für möglich gehalten, dass Barış Manço, einer der Meister des Anadolu Rock (Anatolischer Rock) tatsächlich mal bei Alfred Biolek zu Besuch war? Und das im Jahr 1982. Damals war ich drei Jahre alt! Wie soll ich da nun den Nostalgie-Flash unterdrücken?

Barış Manço kommt das Verdienst zu eine völlig eigene Synthese aus Elementen anatolischer und kosmpolitischer Kultur geschaffen zu haben, pompös und barocken, aber immer auch kultig, authentisch und voller Liebe zum Menschen. Er war Musiker, Schauspieler und ein exzellenter Entertainer, der in diversen Fernsehsendungen den Türken die Kulturen der Welt nahebrachte, und umgekehrt auch in allen Teilen der Welt, insbesondere in Fernost, Fans für seinen anatolischen Rock gewann (hier eine Manço-Sendung in Sri Lanka). Ein meisterhafter Brückenbauer, mutig und rebellisch, aber selten grundlos provozierend. Indem er die türkische Kultur musikalisch mit der Welt verheiratete, leistete der Kosmopolit für das Image der Türken weltweit einen weitaus größeren Dienst, als es Beschwörer des Türkentums je vermocht hätten. Manço starb 1999 im frühen Alter von 56 Jahren an einem Herzinfarkt. Ich hätte ihn sehr gerne kennen gelernt.

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Türkisch-islamische Kultur und Heavy-Metal?

am Freitag, 24 September 2010. Gepostet in Musik, Integration, Identität, Islamisches Leben

31.8.2009 von Hakan Turan

Dies ist eine sehr persönliche Geschichte über einen praktizierenden Muslim, der Heavy-Metal-Musiker aus Leidenschaft war. Also:

Als diesem Muslim und zweien seiner Kumpels in jungen Jahren im Englischunterricht in der neunten Klasse mal langweilig war, kamen sie auf die Idee eine Heavy-Metal-Band zu gründen. Die großen Vorbilder hießen Manowar, Blind Guardian, Iron Maiden und Metallica. Sie brachten sich selbst das Musizieren bei: Der Muslim schnappte sich eine E-Gitarre, der Österreicher (zugleich Atheist) sang und der Deutsche (Christ) setzte sich an die Drums. Gemeinsam schrieb man in stundenlangen Songwriting-Sessions lange und komplizierte Lieder, die so kompliziert waren, dass ihre ungeübten Finger es kein einziges Mal schafften einen Song fehlerfrei zu spielen. Aber die Songs hatten auf sie eine geradezu magische Wirkung auf sie, so blickte man über technische Probleme vorerst bereitwillig hinweg…
Man traf sich wöchentlich im Proberaum des örtlichen Jugendhauses, musizierte, sprang durch die Gegend und träumte von ersten Auftritt, der dann tatsächlich auch stattfand, auch wenn sich Lead-Sänger und Gitarrist einen Tag zuvor einen roten Ausschalg zuzogen und nunmehr gepudert spielen mussten…

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