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Philosophie

Gedankensplitter über Himmel, Erde, und das dazwischen

am Donnerstag, 03 Januar 2013. Gepostet in Philosophie, Inspirationen, Theologie

Das ist aus meinem Twitter-Experiment herausgekommen. Ich habe immer dann geschrieben, wenn mich etwas beschäftigt hat: Bei der Arbeit, beim Nachdenken, beim Nachrichtenlesen, beim Abgammeln - die Reihenfolge lautet: je weiter unten, umso älter. Man bedenke, dass Tweets auf Twitter auf 140 Buchstaben beschränkt sind. Here we go:

1. Der effektivste Weg den Islam zu beleidigen: Allen sagen, dass man ein Moslem ist, und sich anschließend benehmen wie ein Gorilla.

2. Religion: Nicht Enttäuschung über das, was uns fehlt, sodern Dankbarkeit für das, was uns bleibt..


3. Religion: Nicht Enttäuschung über das, was uns fehlt, sodern Dankbarkeit für das, was uns bleibt.. (Oh, das war eine Wiederholung merke ich gerade...)


4. Religion: Nicht wissen, was Gott ist, sondern wissen, wie man sich zu ihm verhält. Das Verhalten definiert die Beziehung, nicht das Wissen..


5. Denken: Sich im Raum der Gedanken orientieren. Gedanken: Gegenstände unseres Geistes. Unser Geist: Der Boden, an dem sich der Spaten biegt..


6. Kann man denken, ohne sich innerlich an einem imaginären Publikum orientieren zu müssen? Andererseits: Kann man überhaupt ohne andere denken?

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Triumph der Pflicht über die Neigung (I. Kant)

am Montag, 05 November 2012. Gepostet in Philosophie, Denker

Hier ein Kant-Zitat über "Pflicht" - zum Staunen, Zustimmen, Widersprechen und Weiterdenken:

"Pflicht!

Du erhabener großer Name, der nur nichts Beliebtes, was Einschmeichelung bei sich führt, in dir fassest,

sondern Unterwerfung verlangst,

doch auch nichts drohest, was natürliche Abneigung im Gemüte errege und schreckte, um den Willen zu bewegen,

sondern bloß ein Gesetz aufstellst, welches von selbst im Gemüte Eingang findet und doch sich selbst wider Willen Verehrung (wenngleich nicht immer Befolgung) erwirbt,

vor dem alle Neigungen verstummen,

wenn sie gleich insgeheim ihm entgegenwirken:

welches ist der deiner würdige Ursprung,

und wo findet man die Wurzel deiner edlen Abkunft, welche alle Verwandtschaft mit Neigungen stolz ausschlägt,

und von welcher Wurzel abzustammen die unnachlässliche Bedingung desjenigen Wertes ist, den sich Menschen allein selbst geben können?"

(Aus dem Kapitel "Elementarlehre der reinen praktischen Vernunft" in Immanuel Kants Kritik der praktischen Vernunft)

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Der japanische Keks

am Sonntag, 20 Mai 2012. Gepostet in Philosophie, Kurzgeschichte

Es kam mit der Morgenpost: ein ganz normal aussehendes Paket in braunem Packpapier und verschnürt mit derber Doppelschnur. Es unterschied sich in nichts von den Tausenden anderer Pakete, wie sie die Postboten tagtäglich austragen. „Danke nochmals“, winkte Harald Winkler im Schlafanzug dem Postboten nach. Wahrscheinlich war dies das Paket aus Amerika mit den Science-Fiction-Romanen. Harald hatte wieder einmal die erste Vorlesung des Tages verschlafen. Mit zerzaustem Haar und saurem Magen stapfte er mit dem Paket unter seinem Arm die Treppen hoch und überlegte sich, von wem er heute den Aufschrieb kopieren könnte. Seit Monaten schon sperrte er sich abends ab 18 Uhr in sein Zimmer ein und wälzte Bücher über Bücher. Mal ging es um Orbitaltheorie, mal um Zeitreisen und dann wieder um das Schicksal und den freien Willen. Nur wenige Gäste durften sein Zimmer sehen, das aussah wie eine wackelige Halde von Büchern, Skizzen und unlesbar bekritzelten Zetteln. „Der Harald geht mal wieder die Welt retten!“, spotteten seine Komilitonen manchmal, wenn dieser sich schon bald verabschiedete. Dann arbeitete er – so wie gestern - bis Morgendämmerung und verschlief am nächsten Tag nicht selten.

Harald kochte Kaffee auf und sah sich das Paket nun näher an. Doch was war das? Es stammte gar nicht aus Amerika, sondern aus Japan. Aber wer sollte ihm etwas aus Japan schicken? Er sah auf den Absender, rieb sich erschrocken die Augen und stammelte: „Ach du Scheiße!“ Wie versteinert stand er da. Aber seine Brust bebte. Zögernd verschwand er mit dem Paket an seiner fernsehenden Mutter vorbei in seinem Zimmer. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch warf er nochmals einen Blick auf den Absender des Pakets: Tatsächlich. Harald Winkler. Das zackige Gekrakel war eindeutig seine Handschrift. War das vielleicht ein Scherz seiner Komilitonen? Aber diese waren gerade alle in Prüfungsvorbereitungen. Außerdem wussten sie gar nicht, was genau Harald abends trieb.

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Jenseits, Pflicht und Glücksstreben bei Kant und im Koran

am Samstag, 04 Juni 2011. Gepostet in Philosophie, Koran, Sinn des Lebens, Islamisches Leben, Koranische Kosmologie, Theologie

Im Folgenden präsentiere ich euch den Beginn des Schlusswortes aus Immanuel Kants Kritik der praktischen Vernunft, einem der zentralen Werke der abendländischen Moralphilosophie überhaupt. Kant stellt hier in wunderschöner Prosa den Menschen in Bezug zur Natur auf der einen und Moral auf der anderen Seite und kommt zum Ergebnis, dass es die Moral im Sinne eines Handelns aus reinem Pflichtbewusstsein ist, die dem Menschen seinen eigentlichen Wert verleiht. Dieser Wert hebt den Menschen laut Kant über alles Vergängliche ab und weist auf eine ewige Seite von ihm hin - eine Seite, die die Vernunft zwar nicht beweisen, aber erahnen kann.

Kant formuliert in seinen moralphilosophischen Werken sowohl als Religions- wie auch als Moralphilosoph viele Gedanken, die nach meinem Dafürhalten eine verblüffende Ähnlichkeit mit einigen zentralen Positionen der islamischen Theologie haben. Als da wären:

* die Betonung des Vorrangs der praktischen vor der theoretischen Vernunft: Das Handeln in der rechten Absicht, d. h. in reinem Pflichbewusstsein genießt Vorrang vor der reinen Vernunfterkenntnis ("Primat der praktischen Vernunft").

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Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir

am Samstag, 04 Juni 2011. Gepostet in Philosophie, Inspirationen, Sinn des Lebens

Aus dem Schlusswort zu Immanuel Kants Kritik der praktischen Vernunft:

"Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir. Beide darf ich nicht als in Dunkelheit verhüllt oder im Überschwänglichen, außer meinem Gesichtskreise suchen und bloß vermuten; ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewusstsein meiner Existenz.

Das Erste fängt von dem Platze an, den ich in der äußeren Sinnenwelt einnehme, und erweitert die Verknüpfung, darin ich stehe, ins unabsehlich Große mit Welten über Welten und Systemen von Systemen, überdem noch in grenzenlosen Zeiten ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer.

Das Zweite fängt von meinem unsichtbaren Selbst, meiner Persönlichkeit an und stellt mich in einer Welt dar, die wahre Unendlichkeit hat, aber nur dem Verstande spürbar ist, und mit welcher (dadurch aber auch zugleich mit allen jenen sichtbaren Welten) ich mich nicht wie dort in bloß zufälliger, sondern allgemeiner und notwendiger Verknüpfung erkenne.

Der erstere Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet gleichsam meine Wichtigkeit als eines tierischen Geschöpfs, das die Materie, daraus es ward, dem Planeten (einem bloßen Punkt im Weltall) wieder zurückgeben muss, nachdem es eine kurze Zeit (man weiß nicht wie) mit Lebenskraft versehen gewesen.

Der zweite erhebt dagegen meinen Wert als einer Intelligenz unendlich durch meine Persönlichkeit, in welcher das moralische Gesetz mir ein von der Tierheit und selbst von der ganzen Sinnenwelt unabhängiges Leben offenbart, wenigstens soviel sich aus der zweckmäßigen Bestimmung meines Daseins durch dieses Gesetz, welche nicht auf Bedingungen und Grenzen dieses Lebens eingeschränkt ist, sondern ins Unendliche geht, abnehmen lässt."

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