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Theologie

Gedankensplitter über Himmel, Erde, und das dazwischen

am Donnerstag, 03 Januar 2013. Gepostet in Theologie, Inspirationen, Philosophie

Das ist aus meinem Twitter-Experiment herausgekommen. Ich habe immer dann geschrieben, wenn mich etwas beschäftigt hat: Bei der Arbeit, beim Nachdenken, beim Nachrichtenlesen, beim Abgammeln - die Reihenfolge lautet: je weiter unten, umso älter. Man bedenke, dass Tweets auf Twitter auf 140 Buchstaben beschränkt sind. Here we go:

1. Der effektivste Weg den Islam zu beleidigen: Allen sagen, dass man ein Moslem ist, und sich anschließend benehmen wie ein Gorilla.

2. Religion: Nicht Enttäuschung über das, was uns fehlt, sodern Dankbarkeit für das, was uns bleibt..


3. Religion: Nicht Enttäuschung über das, was uns fehlt, sodern Dankbarkeit für das, was uns bleibt.. (Oh, das war eine Wiederholung merke ich gerade...)


4. Religion: Nicht wissen, was Gott ist, sondern wissen, wie man sich zu ihm verhält. Das Verhalten definiert die Beziehung, nicht das Wissen..


5. Denken: Sich im Raum der Gedanken orientieren. Gedanken: Gegenstände unseres Geistes. Unser Geist: Der Boden, an dem sich der Spaten biegt..


6. Kann man denken, ohne sich innerlich an einem imaginären Publikum orientieren zu müssen? Andererseits: Kann man überhaupt ohne andere denken?

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Fünf Thesen zur Debatte über "liberalen" und "konservativen" Islam

am Donnerstag, 17 Mai 2012. Gepostet in Theologie, Islam, Islamisches Recht, Islamisches Leben

Ich hatte kürzlich auf dem Zukunftsforum Islam der Bundeszentrale für Politische Bildung die Gelegenheit mit Aiman Mazyek (Zentralrat der Muslime), Suleiman Wilms (Islamische Zeitung) und Lamya Kaddor (Liberal-Islamischer Bund) an einem spannenden und brisanten Podiumsgespräch teilzunehmen. Dabei ging es um ein aktuelles Streit- und Reizthema innerhalb der muslimischen Communitiy in Deutschland, nämlich um die Frage nach der Möglichkeit eines "liberalen Islams" in Abgrenzung zu einem "konservativen Islam" (ich bevorzuge die Gänsefüßchenschreibweise, da diese Begrifflichkeiten zwar populär, aber aus nachvollziehbaren Gründen umstritten sind).

Serdar hat auf seinem Blog die wichtigsten Beiträge zu dieser Debatte verlinkt. Ich empfehle jedem an der Debatte Interessierten die Linkliste gründlich durchzuarbeiten um zu sehen, was eigentlich verhandelt werden soll, und in was für einem angespannten Zustand sich die Debatte dank der Bemühungen der Beteiligten  befindet. Das Podiumsgespräch war meines Wissens das erste Mal, dass sich einige der Gegner öffentlich im Gespräch begegneten. Ich selbst nahm als verbands- und vereinsunabhängiger Muslim teil, der wohl am ehesten als konservativer Muslime mit liberaler Ausrichtung zu bezeichnen wäre (oder doch eher als liberaler Muslim mit konservativer Ausrichtung? Ach es ist ein Elend mit den Begriffen...).

Auch wenn es sich bei vielen Fragen dabei um Scheinprobleme oder rein politische Machtinteressen handeln sollte - im innersten Kern der Sache geht es um essenzielle Fragen, die alle Muslime auf die eine oder andere Weise beschäftigen und betreffen, und die es wert sind durchdacht zu werden. Diese essenziellen Fragen ("Was fordert der Islam hier und heute vom Muslim? Was hat er im Umkehrschluss anzubieten?") gehören zu den wichtigsten Themen meines Blogs. Im Folgenden stelle ich euch meine ersten fünf Thesen zur Debatte vor, die ich auf dem Podium vertreten habe. Was meint ihr dazu? Ihr dürft sie zerreißen, falls es euch gelingt (aber bitte mit Argumenten!). To be continued inşallah...

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Gedanken zu Sure 4, Vers 34: Über das Verhältnis von Islam und Grundgesetz (Teil 4)

am Freitag, 27 April 2012. Gepostet in Theologie, Islam, Menschenrechte, Islamkritik, Islamisches Leben, Geschlechter

Jeglicher Versuch einer Reform islamischer Praxis, und sei sie noch so gut begründet, ist stets begleitet von einer Reihe weiterer Diskussionen. Eine davon hat ihre Wurzeln in muslimischen Kreisen - sie artikuliert die Befürchtung, dass jede emanzipatorische Neubestimmung islamischer Praxis letztlich auf eine völlig Angleichung an die westliche Moderne hinausläuft. Die andere Diskussion hat ihre Wurzeln in der Integrationsdebatte - sie fordert, dass die islamische Theologie in gewisser Weise nach Maßgabe des Grundgesetzes umgeschrieben werden muss. Im Folgenden möchte ich in wenigen Sätzen zeigen, dass diese Diskussionen beiderseits oft am eigentlichen Kern der Sache vorbeigehen. Genaugenommen will ich die Themen hier nur kurz anschneiden.

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Yunus Emre und der grenzenlose Fürst

am Mittwoch, 28 März 2012. Gepostet in Theologie, Inspirationen, Sinn des Lebens

Das Auge, das Dich sah -
Was soll es noch betrachten?
Die Seele, die Dich fühlt,
Soll sie des Leibes achten?

Du bist ein reicher Fürst
Hast Grenze nicht noch Ende,
Der Stift beschreibt Dich nicht -
Wie soll's die Zunge sagen?

Wer Dir zum Diener ward,
Wer Dir sein Herz geschenkt,
Wer Dich im Herzen fand -
Wohin soll er noch reisen?

(Übersetzung eines Gedichts des anatolischen Mystikers und Volksdichters Yunus Emre (gest. ca. 1321 n. Chr), in: Annemarie Schimmel, Ausgewählte Gedichte von Yunus Emre, Köln 1991, S.119)

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Kann ein Mensch zugleich glauben und zweifeln?

am Samstag, 27 August 2011. Gepostet in Theologie, Erziehung, Koran, Inspirationen, Islamisches Leben

Der Prophet Abraham ist eine der Schlüsselfiguren des Korans und in vielerlei Hinsicht der Prototyp des idealen gottergebenen Gläubigen. Dass dieser Glaube einerseits Ergebenheit (arabisch: islâm) erfordert, bedeutet mitnichten, dass dafür erst die Vernunft aufgeopfert werden müsste. Folgende für mich persönlich sehr bedeutsame Passage im Koran verdeutlicht, dass es weder unerwünscht, noch Sünde ist selbst an die Selbstverständlichkeiten des Glaubens offensiv genau jene Fragen zu richten, die einen - aus welchen Gründen auch immer - beschäftigen (nach Henning/Hofmann - Einfügungen von mir) :

"Und als Abraham sprach: 'Mein Herr, zeige mir, wie du die Toten lebendig machst!',

sprach er [Gott]: 'Glaubst du etwa noch nicht?'

Er [Abraham] sagte: 'Doch! Aber ich möchte in meinem Herzen ganz sicher sein...." (2:260)

Dies als beruhigender Hinweis an all jene, die sich als gläubig verstehen, aber zugleich offene Fragen oder Anflüge von Zweifeln innerhalb ihres Glaubens haben, die ihnen als Zeichen eines schwachen Glaubens vorkommen und sie deswegen unglücklich machen - und als Warnung an all jene, die versuchen geraden den jungen Fragenden ein schlechtes Gewissen für ihre legitime Neugier zu machen. Wenn selbst der Prophet Abraham, der im Koran als gutes Vorbild für die Muslime gilt, seinen Herren und Schöpfer respektvoll, aber ohne Umschweife dazu auffordert seinem Herzen Sicherheit (oder: Befriedigung) durch - in diesem Fall - empirische Erkenntnis zu schenken, dann kann es auch uns nicht verwehrt sein genau dort gezielt Nachforschungen anzustellen, wo wir Fragen haben und das Bedürfnis nach Klärung und Sicherheit verspüren. Ich will im Übrigen nicht behaupten, dass Abraham Zweifel im heutigen Wortsinn hatte, sondern nur, dass seine Frage an Gott eine Verwandschaft hat mit der fragenden Stimme im Gläubigen, die bei dem einen öfter, bei dem anderen seltener auftaucht und nach Antworten sucht. Ob man diese Fragen als Zweifel bezeichnen will, ist aus meiner Sicht eine Frage der Definition und daher nicht so interessant. Mir geht es hier um etwas anderes: Die Suche nach einer Einheit von Herz und Verstand ist zu wertvoll, als dass sie aufgrund mangelnder Unterstützung von außen vorzeitig abgebrochen werden sollte. Andererseits kann man als Gläubiger bei dieser Suche wiederum Beistand im Glauben suchen, oder wie es in zwei prägnanten koranischen Gebeten heißt:

"Mein Herr! Mehre mein Wissen!" - "rabbî zid nî 'ilmâ" (20:114)

"Mein Herr! Gib mir Urteilskraft und vereinige mich mit den Rechtschaffenen" - "rabbî hablî hukman va alhiqnî bis-salihîn" (26:83)

In diesem Sinne...

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Jenseits, Pflicht und Glücksstreben bei Kant und im Koran

am Samstag, 04 Juni 2011. Gepostet in Theologie, Koran, Sinn des Lebens, Islamisches Leben, Koranische Kosmologie, Philosophie

Im Folgenden präsentiere ich euch den Beginn des Schlusswortes aus Immanuel Kants Kritik der praktischen Vernunft, einem der zentralen Werke der abendländischen Moralphilosophie überhaupt. Kant stellt hier in wunderschöner Prosa den Menschen in Bezug zur Natur auf der einen und Moral auf der anderen Seite und kommt zum Ergebnis, dass es die Moral im Sinne eines Handelns aus reinem Pflichtbewusstsein ist, die dem Menschen seinen eigentlichen Wert verleiht. Dieser Wert hebt den Menschen laut Kant über alles Vergängliche ab und weist auf eine ewige Seite von ihm hin - eine Seite, die die Vernunft zwar nicht beweisen, aber erahnen kann.

Kant formuliert in seinen moralphilosophischen Werken sowohl als Religions- wie auch als Moralphilosoph viele Gedanken, die nach meinem Dafürhalten eine verblüffende Ähnlichkeit mit einigen zentralen Positionen der islamischen Theologie haben. Als da wären:

* die Betonung des Vorrangs der praktischen vor der theoretischen Vernunft: Das Handeln in der rechten Absicht, d. h. in reinem Pflichbewusstsein genießt Vorrang vor der reinen Vernunfterkenntnis ("Primat der praktischen Vernunft").

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Koranische Inspirationen zum Umgang mit Leid und Glück

am Freitag, 03 Juni 2011. Gepostet in Theologie, Koran, Inspirationen, Sinn des Lebens, Islamisches Leben

Heute am 3. Juni ist der Beginn dreier wichtiger Monate des islamischen Kalenders, nämlich Radschab, Schaban und Ramadan. Das möchte ich zum Anlass nehmen etwas weitgehend Unpolitisches und hoffentlich Erbauliches zu veröffentlichen.

Folgende beide mekkanische Suren, ad-duhâ und al-inshirâh, gehören zu meinen absoluten Lieblingspassagen des Korans. Sowohl ihre Bedeutung, als auch ihre rhythmisch verspielte Reimform im Arabischen machen sie seit meiner frühen Jugend zu einer großen Inspiration für mich. Wann immer ich mit meinem Latein am Ende bin, haben ad-duhâ und al-inshirâh noch einen weisen und befreienden Rat für mich parat. Sie sprechen in sanftestem Ton die schwachen und verletzlichen Seiten des Menschen an, erinnern dabei an den Wert der Dinge, die wir besitzen, und und aktivieren zumindest in mir einen geradezu kindlichen Optimismus und Tatendrang - sei es als Helfer für Bedürftige, als Beisteher für Probleme oder einfach als praktischer Macher.

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Gott, das Bewusstsein und die Seele

am Montag, 25 April 2011. Gepostet in Theologie, Koranische Kosmologie

(Fortsetzung von: Gott als der du-hafte Urgrund der Welt)

Das Bewusstsein weist womöglich über die Natur hinaus

Zu behaupten, dass dieser Urgrund, also Gott, nicht nur es-, sondern auch du-haft ist, ist das eine. Zu behaupten, dass wir über diese beiden Weisen sinnvoll sprechen können, ist das andere. Dass wir über den Urgrund nun doch so – abstrahierend und personal – sinnvoll sprechen können, liegt meiner Meinung nach daran, dass wir selbst nicht nur der physikalisch beschreibbaren Natur zugehörige Wesen sind, sondern auch über ein Bewusstsein verfügen, das trotz seiner Einbindung in die Natur womöglich auch in Bereiche der Welt hineinweist, die nicht mehr in Begriffen von Natur beschrieben werden können.

Mit dem Bewusstsein meine ich hier und im Folgenden zunächst nur die Qualität der wachen Empfindung – und zwar der wachen Empfindung von inneren Regungen, und Gedanken, aber auch von Wahrnehmungen von Sinnesreizen und geistigen Gegenständen wie Ideen oder Abstraktionen. Am Beispiel: Ich meine den verblüffenden Umstand, dass nicht nur unser Gehirn eine rote Farbe wahrnimmt, sondern dass wir auch wissen, dass "unser" Gehirn gerade eine solche rote Farbe wahrnimmt. Versteht ihr, was ich meine?

In dieser Qualitätsdimension wahrnehmen zu können ist eine rein innere Fähigkeit, die man nur hat, wenn man das betreffende sehende Gehirn ist. Wir können diese nur durch einen Blick nach Innen unmittelbar erforschen und etwas über sie lernen. Neurologische Untersuchungen hingegen geben nur Auskunft darüber, welche Hirnregionen auf welche Weise aktiv sind, wenn wir intern eine bewusste Empfindung haben. Aber diese bewusste Empfindung selbst lässt sich nicht von außen messen, auch nicht am Hirn, sondern eben nur von "innen", was immer das auch in Wirklilchkeit bedeuten mag.

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Gott als der du-hafte Urgrund der Welt

am Montag, 25 April 2011. Gepostet in Theologie, Koranische Kosmologie

Im Folgenden möchte ich einen Versuch unternehmen auf begrifflich-philosophischem Wege einige Grundannahmen meines Verständnisses von Gott herauszuarbeiten. Dieser Zugang blendet vorerst sowohl Fragen nach dem Verhältnis von Gott zur Natur, als auch eine Konkretisierung im Rahmen einer bestimmten religiösen Tradition aus.

Erstens: Ich glaube, dass es eine sinnvolle Aussage ist zu sagen, dass die Welt, angefangen von den kleinsten Dingen, über unser Bewusstsein bis hin zu den größten Strukturen einen gemeinsamen Urgrund hat - unter diesem Urgrund verstehe ich ein unverursachtes Seiendes, das der letztliche Grund für die Existenz aller anderen Dinge ist.

Zweitens: Ich glaube, dass ein solcher Urgrund existiert.

Drittens: Ich glaube, dass man auch über die bloße Existenzaussage hinaus in vielerlei Hinsicht sinnvoll über diesen Urgrund sprechen kann.

Dies möchte ich im Folgenden tun.

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