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Deutsches, Türkisches und Islamisches
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"Wo bleibt bei den Muslimen die Freude und das Lachen?"

am Samstag, 23 Oktober 2010. Gepostet in Islam, Islamisches Leben

Vor kurzem meinte ein deutscher Bekannter zu mir: „Wir lernen unsere ganze Schulzeit über nichts über die Lebensweise der Muslime. Und dann erwartet man von uns, dass wir uns ein Urteil darüber bilden.“ Treffender könnte man die Situation vieler Deutscher, wenn es um den Islam geht, kaum ausdrücken. Nicht nur die muslimischen, sondern auch die deutschstämmigen Bürger stehen heute unter einem massiven Druck Stellung zum Islam, zu den Muslimen, zur Scharia oder zu sonst etwas islamisch und fremd Klingendem beziehen zu müssen.

Dieser Druck wird vor allem von den Medien, von Intellektuellen und von ihnen nacheifernden Politikern ausgeübt – von Stellen, die uns heute einen künstlichen Zeitgeist aufreden, statt nüchtern die Zeichen der Zeit zu lesen. Statt eine Aufklärung über die Muslime bzw. über das pluralistische Deutschland zu befördern, schreiben viele von ihnen einen sehr negativen Islam-Mythos weiter, der wirksam einer kulturellen Selbstüberhöhung dient, aber durch den man keinen realistischen Eindruck von den echten Lebensweisen der Muslime Deutschlands und ihren Denk- und Gefühlswelten bekommen kann.

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Wie islamfeindlich sind die Deutschen wirklich?

am Samstag, 16 Oktober 2010. Gepostet in Integration, Islamkritik

In großen Teilen der muslimischen Bevölkerung machen sich aufgrund der immer schonungsloseren Debatte über die Muslime Deutschlands Enttäuschung und Unsicherheit breit. Zwei repräsentative Studien haben nun Zahlen veröffentlicht, die einen Eindruck von der anwachsenden Islamfeindlichkeit in Deutschland vermitteln sollen. Der ersten von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Auftrag gegebenen Studie zufolge, in der es primär um den Rechtsextremismus in Deutschland ging, würde mehr als die Hälfte der Deutschen eine erhebliche Einschränkung der Religionsausübung für Muslime befürworten. Der anderen von der ARD in Auftrag gegebenen Studie nach wünsche sich jeder dritte Deutsche ein Deutschland ganz ohne den Islam.

Ein Muslim, der all dies unter dem Eindruck der aktuellen Integrationsdebatten zu hören bekommt, könnte naheliegenderweise so denken: "Wenn über die Hälfte der deutschen Bevölkerung mir am liebsten mit staatlicher Gewalt verbieten würde völlig friedlichen religiösen Verpflichtungen nachzugehen - was kann ich dann noch von diesem Land für mich und meine Kinder erwarten? Statt die zunehmende Islamfeindlichkeit zu bekämpfen, dreschen nun auch die Politiker um die Wette auf uns ein. Warum soll ich da nicht auch lieber auf vorsichtige Distanz zu den Deutschen gehen, die offensichtlich außer Verachtung nichts für mich übrig haben, auch wenn ich mir nichts zu schulden kommen lasse?"

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Vor dem Tribunal der Kulturwächter

am Sonntag, 10 Oktober 2010. Gepostet in Islam, Integration, Identität, Islamkritik

Es vergeht mittlerweile kaum eine Woche, in der nicht ein neuer Streit um die Muslime in Deutschland vom Zaun gebrochen wird. Eine der Fragen, die ich mir dabei stelle, lautet: Wie wirken sich diese hoch erregten Debatten eigentlich auf das Verhältnis der Muslime Deutschlands zur Mehrheitsgesellschaft aus? Von vielen muslimischen Bürgern - auch von jenen, die als integriert und säkular gelten - ist in solchen Zeiten zu hören, dass sie sich schon seit langem nicht mehr so türkisch, muslimisch oder einfach nur fremd in Deutschland gefühlt haben. Auch wenn dies emotional nachvollziehbar ist - ist das im Grunde nicht eine Fluchtreaktion? Eine Reaktion, die alles, wofür zahllose Deutsche wie Türken seit Jahrzehnten gemeinsam gearbeitet haben, auf einen Schlag für gescheitert erklärt?

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Ein Jahr Andalusian

am Dienstag, 05 Oktober 2010. Gepostet in Allgemeines

Etwas mehr als ein Jahr ist es nun her, seit ich meinen Blog andalusian.de eingerichtet habe. Mein Ziel war es möglichst oft möglichst viele Texte zu meinen Herzensthemen "Deutsches, Türkisches und Islamisches" einzustellen. Ich hatte zuvor absolut keine Ahnung, wie man im Internet so etwas macht. So hatte ich die Wahl mich erst zum Website-Experten zu bilden, bevor ich schreibe. In Anbetracht meines chronischen Zeitmangels hätte dies bedeutet das Projekt gänzlich auf den Sanktnimmerleinstag zu verschieben. Aber darauf hatte ich keine Lust, nicht zuletzt, da ich mich schon seit Jahren mit einer Ausrede nach der anderen über meine ausbleibende Schreibtätigkeit hinweggetröstet hatte.

So blieb nur noch mit einer minimalen Ausrüstung (quasi "ölmeyecek kadar" - türkisch: sodass es zum Überleben gerade reicht) loszulegen. Zum Look meines Blogs hat es damals mein guter Freund Serdar Güneş, der viel Öffentlichkeitsarbeit für meinen Blog gemacht hat, auf den Punkt gebracht: "Das Design ist miserabel."

Diesen wollte ich bald schon aufpolieren. Doch dazu ist es leider erst jetzt gekommen, und auch nur dank der großzügigen Unterstützung meines Freundes Erdoğan Balaban.

Aufgrund des besagten Zeitmangels konnte ich wiederum nur in relativ großen Zeitabständen Texte einstellen. Meine meist viel zu langen Texte fanden trotzdem Leser und ich wundere mich immer noch, wie ich manchmal trotz mehrere Wochen andauernder Stille meinerseits auf dem Blog dennoch in den letzten Monaten täglich bis zu über 300 Besucher verbuchen konnte.

Meine 1&1-Statistik liefert mir für die Zeit von Juni 2009 bis September 2010 folgende monatliche Besucherzahlen:

Im Juni 2010 wurden also erstmals 10.000 Besucher innerhalb eines Monats verzeichnet. Im August begann die Umbaupause, was den deutlichen Rückgang der Besuche erklärt.

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Zum Essay "Vom Dualismus und dem Kalifen Umar"

am Freitag, 08 Oktober 2010. Gepostet in Islam, Integration, Identität, Bildung, Islamkritik

Vor fast drei Jahren nahm ich mit meinem Essay "Vom Dualismus und dem Kalifen Umar" am Studierendewettbewerb des Bundesinnenministeriums teil. Auf diesen Wettbewerb bin ich damals durch einen Hinweis von Michael Blume im Verteiler der Christlich-Islamischen-Gesellschaft (CIG) aufmerksam geworden. Er selbst hatte dort schon einmal einen Preis gewonnen und wollte die Leser der Rundmail dazu einladen es selbst auch zu versuchen. Das Thema des Jahres lautete anlässlich der vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble initiierten Deutschen Islamkonferenz "Muslime in Deutschland - Deutsche Muslime". In einer Nacht-und-Nebel-Aktion schrieb ich meinen ersten an die Öffentlichkeit gerichteten Text über den Islam in Deutschland zusammen.  Letztlich gewann ich in der Kategorie Essays/Reportagen einen dritten Preis. Diesen Text habe ich jetzt an dieser Stelle eingestellt. Eine Pointe hierbei: Es war ein Christ, der mich auf die Idee brachte über Muslime zu schreiben. Vielen Dank, Michael!

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Vom Dualismus und dem Kalifen Umar

am Freitag, 08 Oktober 2010. Gepostet in Islam, Integration, Identität, Bildung, Islamkritik

I. Deutschland retten – aber vor was?

Plötzlich legte der Seminarleiter eine Folie mit einer vollständig in Burka gehüllten Frau auf. Unter dem Gewand streckte sie ihre Hand heraus und dem Betrachter bohrte sich der Anblick ihres vestümmelten Daumens ins Auge. Die Taliban hatten ihn abgeschlagen, weil sie ihn lackiert hatte. Übergroß, geradezu bedrohlich ragte das Bild von der geschundenen Frau über meinen Kopf. In der vorigen Woche hatte ich im Weltreligionenseminar ein Einführungsreferat über islamische Theologie und Mystik gehalten. Heute sollte ich zum Thema Mann und Frau im Islam referieren - und dies war nun die unerwartete Stimulanzie dazu. Lange hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich die Koranverse zum Thema systematisieren kann, um anschließend einige traditionelle und zeitgenössische Interpretationen vorzustellen. Das erfreuliche Ergebnis sollte sein, dass der Koran durchaus in einem sehr emanzipatorischen Sinne ausgelegt werden kann. Und nun dieses deplazierte Foto, das von mir offensichtlich einige Betroffenheitsbekundungen abverlangte.

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Aufwertung der nicht-muslimischen Minderheiten in der Türkei

am Montag, 16 August 2010. Gepostet in Christentum, Menschenrechte, Türkei

Vom 23.5.2010

Im Folgenden veröffentliche ich meine Übersetzung eines Rundschreibens des türkischen Premierministers Erdoğan der konservativen, aber doch auch oft progressiven AKP-Regierung, das am 13. Mai 2010 im türkischen Amtsblatt Resmî Gazete (unter “genelge” zu finden) erschienen ist.

Von höchster amtlicher Stelle werden hier Benachteiligungen der nichtmuslimischen - d. h. christlichen und jüdischen - Minderheiten eingeräumt und deren umgehende Behebung gefordert. Es geht Erdoğan dabei sowohl um den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz, als auch um das Zugehörigkeitsgefühl der Minderheiten zur Türkei. Die Probleme würden in erster Linie aus Nachlässigkeiten bei der Umsetzung der gesetzlichen Beschlüsse resultieren.

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Ich will aufs Gymnasium!

am Dienstag, 17 August 2010. Gepostet in Integration, Bildung

Vom 9.5.2010

Kürzlich unterhielt ich mich mit einem Hochschullehrer für Pädagogik und einigen seiner Studenten über die Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund. Dabei kam das Gespräch auf die Grundschulempfehlung, die für den weiteren Werdegang eines Kindes im dreigliedrigen Schulsystem in Baden-Württemberg, ja für seine gesamte Zukunft eine entscheidende Rolle spielt. Er bestätigte meine Beobachtung, dass sehr vielen türkischen Kindern, die den nötigen Notenschnitt für den Sprung auf das Gymnasium besitzen, aufgrund äußerst zweifelhafter pädagogischer Erwägungen doch nur eine Realschulempfehlung ausgesprochen wird.

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Vom Desinteresse der Muslime an der Deutschen Islamkonferenz

am Dienstag, 17 August 2010. Gepostet in Integration, Türken

Vom 17.04.2010

Auf der Seite des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration ist am 12. April dieses Jahres ein Bericht über eine seitdem viel diskutierte Studie erschienen, die unter anderem Auskunft darüber geben sollte, wie bekannt die vom ehemaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ins Leben gerufene Deutsche Islamkonferenz (DIK) unter den Muslimen in Deutschland ist. Hier einige der interessanten Ergebnisse:

“Insbesondere die Deutsche Islam Konferenz (DIK) ist der Hälfte der Zuwanderer unbekannt, gut bekannt ist sie nur 11%. Auch bei den muslimischen Zuwanderern haben 43% noch nie davon gehört. Besonders bedenklich erscheint, dass in Deutschland geborene Muslime die DIK mit 47% sogar noch weniger kennen als selbst zugewanderte Muslime (42%). Bei der Mehrheitsbevölkerung hat hingegen nur ein Drittel keine Ahnung von der DIK.”

Zugleich nehme laut der Studie die Kenntnis von der DIK mit steigendem Bildungsgrad zu. Die kritische Frage, die sich dabei aufdrängt, lautet: Warum ist die DIK ausgerechnet bei den in Deutschland geborenen Muslimen, also jenen, die das ganze Projekt eigentlich am meisten interessieren sollte, so unbekannt? Jörg Lau von der Zeit meint dazu in einem sehr lesenswerten Beitrag auf seinem Blog:

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Wie man sich Osmanen heranzieht

am Dienstag, 17 August 2010. Gepostet in Identität, Erziehung, Türken, Bildung

Vom 7.1.2010

Der Unterricht bei Frau Rieger* an der städtischen Realschule hat gerade begonnen. Und wie die vor wenigen Wochen eingeschulten Fünftklässler am lauten und bestimmten Tonfall der Deutsch- und Geschichtslehrerin, die zugleich Schulleiterin ist, erkennen können, gibt es zuvor etwas Wichtiges zu klären. In die Richtung von Fatih blickend fängt Frau Rieger an:

„Bevor wir anfangen will ich etwas sagen. Sei dir über einige Sachen im Klaren, Fatih. Diese wären, dass ich gesehen habe, dass du in den Pausen die Mädchen belästigst und schlägst. Du kannst dieses Verhalten in der Türkei bei euren Frauen an den Tag legen. Aber mit deutschen Mädchen und Frauen kannst du nicht so umgehen wie mit türkischen Frauen.”

Völlig verwirrt widerspricht Fatih den Beschuldigungen, doch gegen diese mutige Kulturkämpferin, die dem Türken endlich klar machen will, dass hier nicht türkische, sondern deutsche Gepflogenheiten gelten, ist nicht anzukommen. Die Situation endet mit einer Ankündigung von Strafmaßnahmen bei wiederholtem Fehlverhalten und einem weinenden Fünftklässler, der zum ersten Mal einige längst fällige Worte über den fundamentalen Unterschied zwischen den beiden Kulturen, in denen er groß wird, belehrt wird.

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Von Islamfreunden, Islamfeinden und Islamskeptikern

am Dienstag, 17 August 2010. Gepostet in Integration, Islamkritik

Vom 5.1.2010

Bei aller Komplexität der Zusammensetzung von Muslimen wie Nichtmuslimen in Deutschland, könnte man, wenn man am Aspekt der Gesprächsbereitschaft der Deutschen mit den Muslimen in ihrer Rolle als Muslime interessiert ist, drei Haltungen unter den Deutschen  unterscheiden. Ich weiß, dass solche Klassifizierungen sehr gewagt, da grob vereinfachend sind, aber ich gehe an dieser Stelle das Wagnis ein, weil es für manche Zwecke ausreichend ist. Die erwähnten Haltungen, die ich unterscheiden möchte, sind die islamfreundliche, die islamfeindliche und die islamskeptische. Diejenigen Deutschen, die sich von all dem nicht betroffen fühlen, passen natürlich in keine dieser Kategorien. Auch geht es mir hier nicht in erster Linie um die Rolle des Islam als Religion, sondern um die Rolle der Muslime als Minderheit in Deutschland. Den Begriff Islam verwende ich hier in der Weise, wie er desöfteren im öffentlichen Diskurs verwendet wird, nämlich als das, wovon viele Nichtmuslime glauben, dass die Muslime daran glauben würden, oder theoretisch sollten, wenn sie sich als Muslime verstehen – ich weiß, eine schreckliche Definition, aber auf diesem Niveau läuft heute ein großer Teil der Debatte über den „Islam“. Mit Islamfreunden etc. meine hier daher Leute, die Muslimen freundlich gesinnt sind und zusätzlich noch Positives mit dem Begriff Islam verbinden. Ich möchte hier auch nicht auf Unterschiede im Islamverständnis der Muslime eingehen.

Am entspanntesten, sozusagen am islamfreundlichsten, ist das Verhältnis wohl dort, wo sich Muslim wie Nichtmuslim persönlich gut kennen, einiges miteinander teilen und auf diesem Weg Freunde geworden sind. Das ist die in der abstrakten Öffentlichkeit wenig wahrgenommene, aber im individuellen Leben nach wie vor intensivste Form von Freundschaft und Vertrauen zwischen „Islam“ und „Westen“ – ich setze das bewusst in Gänsefüßchen, da wir es hier eigentlich mit einer Freundschaft von Individuen und nicht von abstrakten Religionen oder Kulturen zu tun haben. Meines Erachtens ist dieser Dialog zwischen Muslimen und „Westlern“ viel wichtiger und realistischer als ein abstrakter Dialog zwischen „Islam“ und „Westen“ – ein Dialog, der verheißungsvoll klingt, aber in der Praxis aus konzeptuellen Gründen nie realisierbar war, ist und sein wird. Eine etwas ernüchternde Beobachtung ist zudem wohl die, dass die Gruppe derjenigen Deutschen, die sich ohne große Vorbehalte auch als Freunde des Islam als Religion und Lehre verstehen, zugegeben klein ist – aber ist das bei dem Bild, das die islamische Welt und manche Muslime hierzulande abgeben, wirklich verwunderlich? Zudem in einer säkularen Gesellschaft, in der selbst das ureigene Christentum und ihre kirchlichen Vertreter immer wieder unter Beschuss geraten, ausgiebig kritisiert, beleidigt und gedemütigt werden? Offen gesagt: Nein!

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Vom reflektierten Urteilen

am Dienstag, 17 August 2010. Gepostet in Koran, Denker, Inspirationen

Vom 23.10.2009

“Verkünde also Freude jenen Meiner Diener, welche der Rede zuhören und sich dann an das Beste davon halten…” (39:17-18)

Ich gebe im Folgenden einen Auszug aus einer Abhandlung eines der weniger bekannten, aber zugleich hellsten Köpfe der islamischen Geschichte wieder. In diesem kurzen Auszug arbeitet dieser aus dem oben zitierten Koranvers eines der meiner Meinung nach weitreichendsten und schönsten erkenntnisleitenden Prinzipien aus:

“Die Grammatik ist der Prosa und die Metrik der Poesie als ein zuverlässiges und geeichtes Richtmaß zugeordnet; dabei ist die Grammatik von allgemeinerer Geltung, denn sie umfasst zugleich die Prosa und die Poesie. Weiterhin ist die Rede in beiden Gattungen der Ausdruck eines Gedankens, den der Redende im Sinn hat. Wenn nun die Gedanken zu einem logischen Schluss zusammengesetzt werden, so bejahen sie entweder einen Gedanken, oder verneinen ihn. Die Logik und ihre Kriterien wurden als Maßstäbe für dieses Zusammensetzen festgelegt…

Unter diesen Disziplinen (Grammatik, Metrik, Logik) wird nun aber die Logik (als Wissenschaft der gültigen Schlüsse) auf Aristoteles zurückgeführt, von dessen Meinungen und Überzeugungen manches, wie man bemerkte, nicht mit dem Islam übereinstimmt, weil er sie aus der Spekulation (d. h. aus dem reinen Vernunftgebrauch) und nicht aus der Religion heraus gewonnen hat. Zudem pflegten die Griechen und Römer zu seiner Zeit (d. h. im vierten Jahrhundert v. Chr.) die Götzenbilder und die Gestirne zu verehren.

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An meinen fehlgeleiteten Bruder Bekkay

am Dienstag, 17 August 2010. Gepostet in Islam, Menschenrechte, Terrorismus, Fundamentalismus

Vom 27.9.2009

Heute sind Bundestagswahlen und ich werde wählen gehen. Und obwohl ich mich innerlich nicht auf deine Drohbotschaft an das deutsche Volk einlassen wollte, verspüre ich doch das dringende Bedürfnis ein paar Dinge loszuwerden, bevor ich meinen Stimmzettel in die Wahlurne einwerfe.

Als ich kürzlich in der Bahn-Station auf den Zug wartete, las ich mir die an die Wand projizierten neuesten Nachrichten durch, bis ich auf dein Gesicht stieß. Inmitten von deutschen Bürgern, die wohl zu großen Teilen von der Arbeit auf dem Weg zu ihren Familien waren, las ich mir da beschämt durch, wie du im Namen meiner Religion stellvertretend für eine Gruppe fanatischer Sektierer namens al-Qaida Deutschland Bedinungungen für die Wahl diktierst. Ginge vom Wahlergebnis nicht aus, dass Deutschland seine Truppen aus Afghanistan abziehen würde, dann müsse Deutschland mit Anschlägen rechnen. Auch wenn mir meine muslimischen Freunde immer wieder davon abraten mir die Laune mit den Verlautbarungen religiöser Fanatiker aus den Reihen meiner eigenen Religion zu verderben, gab ich auch diesmal noch am selben Abend der Versuchung nach und hörte mir an, was du zu sagen hast.

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Apostaten zum Tode verurteilt - durch den Islam?

am Dienstag, 17 August 2010. Gepostet in Islam, Menschenrechte, Islamisches Recht

Vom 12.9.2009

Dass auch konservative Islamgelehrte einen reformistischen Anstrich aufweisen können, zeigt sich vor allem bei Stellungnahmen zu besonders heiklen Themen im Umfeld des islamischen Rechts. Viele Muslime hierzulande, aber auch in vielen Teilen der islamischen Welt, beteuern eine selbstverständliche Glaubensfreiheit im Islam, die auch die Freiheit zum Abfall vom Islam einschließt. Dem halten die sogenannten islamkritischen Kreise und radikalislamische Fundamentalisten immer wieder entgegen, dass dies gelogen sei. Wer vom Glauben abfalle, werde im Islam mit dem Tode bestraft. Dies sei im islamischen Recht eindeutig und unwiderruflich festgelegt. Die radikalislamischen Fundamentalisten setzen dem noch eins drauf: Wenn ein Muslim behaupte, dass der Abfall vom Glauben nicht die Todesstrafe nach sich ziehe, dann falle auch er in diesem Moment vom Glauben ab und ziehe damit die Todesstrafe auf sich. Die Stellungnahme der meisten reformorientierten Autoren auf diese Aussagen lautet: Das meiste davon ist falsch.

Diese Autoren müssen dabei noch nicht einmal zu den modernistischen Theologen gehören. Denn es gibt auch im wesentlich größeren traditionalistisch orientierten Lager eine ganze Reihe kluger und differenziert denkender Köpfe, die im Prinzip die liberaleren Positionen der Muslime im Westen zu fundieren vermögen. Allerdings darf man hierbei nicht hoffen, dass man mit einer einzigen dieser Personen in allen Punkten übereinstimmen kann. Erst ihre Gesamtheit bildet das adäquate Gegengewicht zum blinden Anklammern an die Aussagen der klassischen Fiqh-Werke, die ihrerseits ja auch von Menschenhand geschrieben wurden. Kommen wir zu einem aktuellen Beispiel.

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Drei Zugänge zum islamischen Recht

am Dienstag, 17 August 2010. Gepostet in Islam, Identität, Islamisches Recht

Vom 12.09.2009

(Fortsetzung von: Apostaten zum Tode verurteilt - durch den Islam?)

Die Situation des heutigen Islam wird meiner Meinung nach etwas klarer, wenn man drei Arten von Zugängen zum islamischen Recht unterscheidet:

1) Das islamische Recht der klassischen Rechtsgelehrten. Dazu zähle ich das systematische Recht der Rechtsschulen, wie man es in Fiqh-Handbüchern nachlesen kann. Ein großer Teil davon ist unproblematisch, insbesondere was die Gottesdienste (’ibadat) und gewisse Grundwerte und -normen in verschiedenen Lebensbereichen betrifft. Mit unproblematisch meine ich: Die meisten Muslime kämen mit ihnen klar, wenn sie davon bescheid wüssten. Aber im klassischen islamischen Recht gibt es auch schwierige Punkte, die daraus resultieren, dass man z. B. das Frauenbild oder das Verhältnis zum nicht muslimischen Ausland wie es vor über tausend Jahren war, einseitig in den Koran und den Propheten hineinprojiziert hat um es anschließend für alle Zeiten zu universalisieren. Hier ist dringender Revisionsbedarf angesagt, wenn der Islam heute würdig repräsentiert werden soll. Das Beispiel der Todesstrafe für Apostaten zeigt recht deutlich, dass auch klassisch orientierte Gelehrte wie Karaman damit so ihre Schwierigkeiten zu haben scheinen. Das bringt mich auch schon zum zweiten Zugang:

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